Concorde-Nachfolger

In einer Stunde von London nach New York

| Redakteur: Robert Di Marcoberardino

Im Gegensatz zur Concorde soll der Überschallknall beim geplanten Airbus deutlich leiser ausfallen.
Im Gegensatz zur Concorde soll der Überschallknall beim geplanten Airbus deutlich leiser ausfallen. (Bild: gemeinfrei)

Airbus hat ein neues Überschall-Flugzeug patentieren lassen. Mit Mach 4,5 soll es mehr als doppelt so schnell wie seinerzeit die Concorde werden. San Francisco ließe sich so von Paris aus in etwa drei Stunden erreichen.

Seit dem Ende der Concorde im Jahr 2003 gibt es in der zivilen Luftfahrt nur noch konventionelle Flugzeuge. Unter den Gründen gegen die Entwicklung neuer Mach-Jäger waren die hohen Betriebskosten und die schlechten Erfahrungen mit dem Überschallknall der Concorde. Das Geräusch war tatsächlich so laut, dass die Concorde praktisch nur auf Transatlantik-Flügen eingesetzt werden konnte.

Umso überraschender ist der Antrag, den das US-Patentamt nun genehmigt hat. Antragsteller waren die beiden Airbus-Mitarbeiter Marco Prampolini und Yohann Coraboeuf. Im Patent wird das neue Modell als "Flugzeug mit Rumpf, Deltaflügeln und einem System aus Antrieben" bezeichnet.

Das Herzstück sind die drei Antriebe, die nacheinander zum Einsatz kommen. Zur Fortbewegung auf dem Flughafen und zum Start werden zwei Turbojets sowie ein Raketentriebwerk genutzt, die unter dem Rumpf montiert sind. Nach dem Start soll das Flugzeug fast vertikal wie das Space Shuttle aufsteigen. Kurz bevor Mach 1 erreicht wird, schalten die Turbojets aus und werden im Rumpf versenkt. Das Raketentriebwerk bringt das Flugzeug dann auf eine Höhe von 30.000 Meter.

Ist die Flughöhe erreicht, wird auch das Raketentriebwerk eingefahren. Zwei Staustrahltriebwerke, die unter den Flügeln montiert sind, bringen das Flugzeug anschließend auf das Höchsttempo von 4.5 Mach. Laut Airbus wird das Flugzeug dafür mit verschiedenen Formen von Wasserstoff betankt.

Die Antriebs-Kombination ist erforderlich, weil Staustrahltriebwerke erst ab einem Tempo von mehreren 100 km/h funktionieren. Die Flughöhe von 30 Kilometer ist zudem ideal, weil die Luft einerseits dünn genug ist, andererseits aber noch genug Sauerstoff zur Verbrennung bereitsteht.

Bei der Aerodynamik wurde viel Augenmerk auf die Reduzierung des Überschallknalls gelegt. Die Schockwelle entwickelt sich von der Rumpfnase in einem engen Winkel von 11 bis 15 Grad. Zusammen mit der hohen Flughöhe hätte die Schockwelle so mehr Zeit zur Zerstreuung, bevor sie den Boden erreicht.

Größter Nachteil des Designs ist bislang aber die geringe Passagierzahl: Gerade mal 20 Fluggäste können mitfliegen, die wegen des steilen Aufstiegs in Hängematten liegen müssen. Die Concorde konnte zum Vergleich maximal 190 Passagiere aufnehmen.

Das nun patentierte Flugzeug ist nicht mit dem LAPCAT-Programm der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) zu verwechseln. Hier arbeiten sechs EU-Länder an einem zivilen Überschallflugzeug, das Mach 5 bzw. rund 6000 km/h erreichen soll. Das als A2 bezeichnete Deltaflügel-Flugzeug wäre damit eines der ersten Hyperschallflugzeuge. Mit dem Flugzeug wäre die Strecke von Brüssel nach Sydney in zwei bis vier Stunden machbar.

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