Gefährliche Sicherheitsmängel Immer mehr Auto-Rückrufe: Bananen-Software reift beim Kunden

Autor / Redakteur: dpa, Michael Eckstein / Michael Eckstein

Die Zahl mängelbedingter Auto-Rückrufaktionen nimmt zu. Eine aktuelle Studie zeigt: Häufiger Grund ist unausgereifte Embedded-Software in Kombination mit marken- und modellübergreifenden Plattformen. Statt Premium gibt es bei deutschen Herstellern nur Mittelmaß, während E-Auto-Pionier Tesla mit der niedrigsten Rückrufquote glänzt.

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Ob moderne Autos so lange durchalten wie so mancher Oldtimer, darf man angesichts steigender Rückrufquoten bezweifeln.
Ob moderne Autos so lange durchalten wie so mancher Oldtimer, darf man angesichts steigender Rückrufquoten bezweifeln.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Wegen Sicherheitsmängeln an Autos sind dem Branchenexperten Professor Stefan Bratzel zufolge zwischen 2011 und 2020 allein in den USA 331 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten zurückgerufen worden – „das heißt, es wurden mehr als doppelt so viele Fahrzeuge zurückgerufen als im gleichen Zeitraum an Neuwagen verkauft wurden“.

Fast 49 Millionen Rückrufe 2020 und im ersten Halbjahr 2021 „zeigen keine Trendumkehr, sondern verstärken den Negativtrend“, schreibt der Direktor des Center of Automotive Management (CAM) in einer am Montagabend veröffentlichten Studie.

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Monokulturen sind anfällig – auch im Automobilbau

Das Risiko großer Rückrufaktionen sei durch marken- und modellübergreifende Plattformen und Gleichteile sowie globale Produktionsnetze erheblich gestiegen. „Dadurch kann ein spät entdeckter Fehler im einem Baukastenmodul zu millionenfachen Fahrzeugrückrufen führen“, erklärte Bratzel.

Ursachen für wachsende Qualitätsprobleme seien auch die zunehmende technische Komplexität der Autos, kürzere Entwicklungszeiten wegen des scharfen Wettbewerbs und hoher Kostendruck. „Insgesamt ist bereits abzusehen, dass Probleme rund um das Batteriesystem sowie Softwareprobleme erheblich zunehmen werden“, warnte Bratzel.

US-Markt: Indikator für die Produktqualität der Autokonzerne,

Das Center of Automotive Management (CAM) analysiert seit 2005 jährlich die Rückrufe der großen Autokonzerne am Beispiel USA. Der US-Markt sei wegen seiner Größe, der scharfen Sicherheitsrichtlinien und des hohen Klagerisikos ein aussagekräftiger Indikator für die Produktqualität der Autokonzerne, so die Studie.

Im ersten Halbjahr 2021 seien General Motors, Ford und Daimler mit zusammen 9 Millionen Rückrufen besonders betroffen gewesen. Hauptgrund waren Airbag-Probleme. Ende August rief GM zudem alle Chevrolet-Bolt-Elektroautos wegen des Risikos von Batteriebränden zurück und bezifferte die Kosten mit einer Milliarde US-Dollar.

Deutsche Premiumautos nur Mittelmaß, Tesla an der Spitze

Im Langzeitvergleich seit 2011 schnitt laut CAM-Studie Honda mit einer Rückruf-Quote von 332 Prozent schlecht ab, gefolgt von Mitsubishi, Fiat-Chrysler und Mazda. BMW (219%) lag ebenfalls über dem Durchschnitt. GM, Daimler (201%), Toyota, Ford und VW (173%) landeten im Mittelfeld. Die niedrigsten sicherheitsbedingten Rückrufquoten hatten Tesla, Jaguar-Land Rover, Volvo und Nissan.

Dass Tesla die Rückrufliste mit der niedrigsten Quote anführt, ist beachtlich: Schließlich enthalten die Autos des E-Auto-Pioniers einen besonders hohen Anteil an Embedded-Software. Noch vor wenigen Jahren gab es immer wieder Unkenrufe, dass Tesla es nicht schaffen würde, zuverlässige Fahrzeuge zu entwickeln und zu produzieren, die in allen Belangen eine hohe Qualität aufweisen. Die Realität sieht offenbar anders aus.

Sicherheitstechnische Rückrufe seien aber nur die Spitze des Eisbergs. Die Produktherstellung mancher Autobauer gleiche einer Banane: „Das Produkt reift erst beim Kunden“, kritisierte Bratzel.

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