Relais

Immer am Puls der Zeit – 60 Jahre Finder

| Redakteur: Kristin Rinortner

Alexander und Peter Krutzek: Sohn und Vater sind seit 30 Jahren der deutsche Garant der Finder-Strategie, den Wert eines Produktes ständig zu verbessern.
Alexander und Peter Krutzek: Sohn und Vater sind seit 30 Jahren der deutsche Garant der Finder-Strategie, den Wert eines Produktes ständig zu verbessern. (Bild: Finder)

Dieses Jahr begeht der italienische Relaishersteller sein 60 jähriges Jubiläum. Wir sprachen mit dem Geschäftsführer der deutschen Niederlassung Alexander Krutzek über das Familienunternehmen.

EP: Herr Krutzek, etwa 30 Jahre ist es her, dass ihr Vater Peter mit zwei Mitarbeitern in den Kellerräumen eines Wohnhauses begann, den Vertrieb für die Finder-Relais aufzubauen. Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Besonders eingebrannt hat sich meine erste Hannover Messe. Als Aushilfe sollte ich Kataloge an möglichst viele Messebesucher verteilen, was ich mit meinen 15 Jahren auch eifrig tat. Ein älterer Herr nahm unseren Katalog, betrachtete ihn abfällig und fragte mich: „Was wollt ihr hier?“ ohne meine Antwort abzuwarten sprach er weiter… „Verschwindet vom deutschen Markt oder wir werden euch kaputt machen!“ Er rollte den, zugegebenermaßen noch recht übersichtlichen, Katalog zusammen und ging ohne auf meine Reaktion zu warten weiter. Ich war ehrlich gesagt recht geschockt über den in der Arbeitswelt wohl vorherrschenden rauen Umgangston. Später habe ich den Herrn noch öfter gesehen. Er war Geschäftsführer eines renommierten Relaisherstellers. Heute gibt es die Firma nicht mehr.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit der italienischen Familie Giordanino, die das Unternehmen 1954 in der Nähe von Turin gegründet hat?

Mein Vater hatte als Großhändler Finder Relais in seinem Vertriebsprogramm. Er war hiermit in Deutschland nicht alleine. Der Einzige jedoch, der italienisch sprach. So kam es zu engeren Kontakten mit dem Hersteller. Mein Vater vertrat damals die Meinung, dass der Schlüssel zum Erfolg eine eigene Niederlassung in Deutschland sei. So kam es dann zur Gründung der ersten Niederlassung außerhalb Italiens.

Wofür steht die Bezeichnung Finder?

Wer in Finder eine Abkürzung vermutet, wird leider enttäuscht. Auch eine Frau oder einen Herrn Finder sucht man in unserem Konzern vergeblich. Es handelt sich um einen Markennamen, der aus Marketingsicht viele Kriterien erfüllt, um erfolgreich zu sein. Er ist kurz, prägnant und lässt sich in den meisten Sprachen einfach aussprechen. Ich muss unserem verstorbenen Firmengründer Herrn Piero Giordanino meine tiefe Anerkennung aussprechen. Er hat 1954 einen Weitblick hinsichtlich der weltweiten Vermarktung an den Tag gelegt.

Sie vermarkten die ausschließlich in Europa gefertigten Relais unter dem Motto „das Relaisprogramm mit System“. Welche Firmenphilosophie steckt dahinter?

Ergänzendes zum Thema
 
60 Jahre Finder

Aus der Rolle des reinrassigen Relaisherstellers sind wir lange herausgewachsen und der Slogan „Relaisprogramm mit System“ war gestern. „Schalten. Steuern. Messen.“ ist heute unser Motto. Die Produktpaletten für den Steuerungsbau und die Gebäudeinstallation sind inzwischen massiv gewachsen.

Ist die Produktion in Europe gemessen an der Konkurrenz aus Fernost heute noch eine Stärke?

Ja, wir sehen unsere Stärke bei einer Produktion in Europa. Gleichbleibend hohe Qualität, reibungslose Kommunikation, schnelle Reaktion und kurze Transportwege lassen sich aus meiner Sicht nur mit einem hohen Maß an Automatisierung und einer Fertigung in Europa realisieren.

Sie wirkten seit 1994 als Geschäftsführer im väterlichen Unternehmen bevor Sie 2008 die alleinige Leitung übernahmen. Was hat sich seitdem geändert?

Der Generationswechsel war gut vorbereitet und ist reibungslos über die Bühne gegangen. Wir haben auch nach 2008 den gesunden Wachstumskurs beibehalten. Ein Meilenstein war der Umzug 2009 in unser neues Firmengebäude nach Trebur-Astheim, das uns neuen Platz und einen Motivationsschwung verschaffte. Dass bis jetzt alles so reibungslos funktioniert hat, ist der Verdienst der Menschen, die hinter Finder stehen und standen. Das Selbstverständnis und das gemeinsame Ziel ist das, was Finder hat wachsen lassen. Für mich stellt sich daher eher die Frage: Was hat sich nicht geändert? Nicht geändert hat sich die Sicherheit und Stabilität, für die unser Familienunternehmen steht.

Auch das italienische Mutterhaus wird von der 2. Generation verantwortet. Gibt es Gemeinsamkeiten außer der Familientradition?

Das Verhältnis zur 2. Generation unseres Mutterhauses Finder Italien ist geprägt durch Vertrauen und gegenseitiger Achtung. Eine offene und konstruktive Art verbindet uns. Diskussionen werden ergebnisoffen geführt. Wir sind an der Meinung der Menschen, die bei Finder arbeiten interessiert. Wir zahlen nicht Gehälter, um unsere Meinung bestätigt zu bekommen. Unsere Hierarchien sind flach. Diese Faktoren verbinden uns und stellen auch gleichzeitig unsere Gemeinsamkeiten dar.

Finder zählt in Italien zu den fünf innovativsten Unternehmen des Landes. Was schätzen Sie besonders am Mutterhaus?

Bemerkenswert sind die Flexibilität und die Fähigkeit, Projekte schnell, professionell und autark umzusetzen. Dank der hohen Fertigungstiefe ist Finder nicht auf externe Hilfe angewiesen. Von der Idee über die Entwicklung, Prototypenbau, Fertigung der Spritz- und Stanzwerkzeuge bis hin zum Bau von vollautomatisierten Fertigungslinien, lässt sich alles intern realisieren. So ist Finder in der Lage, in kürzester Zeit auf Anforderungen des Marktes zu reagieren und neue Produkte aber auch kundenspezifische Sonderlösungen zu schaffen.

Wo liegen die Stärken des deutschen Unternehmensteils?

Die Stärke ist unser Team und unsere Nähe zum Markt. Wir achten immer darauf, durch Anregungen vom Anwender nicht nur neue Produkte zu entwickeln, sondern auch bestehende Produkte zu verbessern und so den Erfordernissen des Marktes anzupassen. Wir haben den Finger am Puls der Zeit und kümmern uns um die Wünsche und Probleme unserer Kunden. Für uns hört die Beziehung zum Kunden nicht mit dem Zahlungseingang auf.

Als mittelfristiges Ziel hatten Sie 2008 ein gesundes Wachstum und den Ausbau des Marktanteils in den Vordergrund gestellt. Wie geht es Finder heute wirtschaftlich?

Finder steht auf einem soliden Fundament. Da wir als Familienunternehmen selbst über die Investitionsquoten entscheiden können, sehen wir der Zukunft mit Optimismus entgegen. Erträge fließen fast vollständig in Forschung, Entwicklung und Automatisierung, also in unsere Zukunft. Viele Mitarbeiter und ich selbst auch möchten bei Finder in Rente gehen. Das setzt eine langfristige, auf Wachstum und Stabilität ausgerichtete, Firmenpolitik voraus.

Wo sehen Sie derzeit das größte Marktpotenzial?

Ich sehe Potenzial in vielen Märkten. Durch den kontinuierlichen Ausbau unseres Lieferprogramms im Bereich der elektromechanischen und elektronischen Produkte ergeben sich sowohl im Steuerungsbau wie auch im Bereich der Gebäudeinstallation für uns große Möglichkeiten. Die Märkte der regenerativen Energien sind trotz sinkender Förderungen ein interessantes Gebiet, das wir sicherlich nicht vernachlässigen werden.

Wie sehen Ihre Pläne/Visionen für die Zukunft des Unternehmens aus?

Ich bin kein Freund hochtrabender Visionen, Formulierungen und nicht greifbarer Vorgaben. Diese führen oft zu Missverständnissen und Ziellosigkeit. Meine Vision ist ein Finder, das zusammen mit unseren Kunden sowie Partnern im Handel und Distribution unter Berücksichtigung der sozialen Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern weiter gesund wächst. Ich sehe Finder, auch in der Zukunft, als stabilen europäischen Qualitätshersteller, der seine Position am Markt behaupten wird.

Gibt es aus Ihrer Sicht noch etwas, was Sie unseren Lesern gerne kommunizieren möchten?

Ich möchte mich bei allen Kunden, Vertriebspartnern, Mitarbeitern, pensionierten Mitarbeitern und Finder-Kollegen im Ausland sowie nicht zuletzt meinem Vater für das Vertrauen, den Einsatz und die Hilfe bedanken, die unser Unternehmen in den letzten 30 Jahren erfahren hat und zu dem gemacht hat, was wir heute sind. Ich danke natürlich auch dem älteren Herrn, der mir vor 30 Jahren angedroht hat, uns „kaputt“ zu machen. Er hat nicht wenig zu meiner Motivation beigetragen, dies mit uns nicht machen zu lassen.

Herr Krutzek, vielen Dank für dieses Gespräch.

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 42575870 / Schalter & Relais)