Im Zentrum der Milchstraße lauern tausende Schwarze Löcher

Autor / Redakteur: Till Mundzeck, dpa / Sebastian Gerstl

In einem kleinen zentralen Teil der Milchstraße haben Astronomen ein Dutzend Schwarze Löcher erspäht. Sie befinden sich in Doppelsystemen mit normalen Sternen. Die Forscher glauben, dass es insbesondere im Zentrum der Galaxie von Schwarzen Löchern nur so wimmelt.

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Die Illustration zeigt die Umgebung des supermassereichen Schwarzen Lochs im Herzen der aktiven Galaxie NGC 3783 im südlichen Sternbild Centaurus (der Zentaur). Eine neue Studie vermutet nun, dass es im Herzen unserer Miclshtraße vor Schwarzen Löchern geradezu wimmelt.
Die Illustration zeigt die Umgebung des supermassereichen Schwarzen Lochs im Herzen der aktiven Galaxie NGC 3783 im südlichen Sternbild Centaurus (der Zentaur). Eine neue Studie vermutet nun, dass es im Herzen unserer Miclshtraße vor Schwarzen Löchern geradezu wimmelt.
(Bild: ESO/M. Kornmesser)

Im Zentrum unserer Milchstraße lauern möglicherweise zehntausend Schwarze Löcher. Das schließen Astronomen aus Beobachtungen mit dem Röntgensatelliten «Chandra» der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Das Team um Chuck Hailey von der Columbia University in New York hat ein Dutzend Schwarze Löcher entdeckt, die sich jeweils in Doppelsystemen mit normalen Sternen befinden. Die Astronomen stellen ihre Untersuchung im Fachblatt «Nature» vor.

Seit langem vermuten Wissenschaftler, dass es in unserer Heimatgalaxie sehr viel mehr Schwarze Löcher gibt als die rund fünf Dutzend, die bislang bekannt sind. Insbesondere der Zentralbereich der Milchstraße um das gigantische Schwarze Loch namens Sagittarius A* sollte voll von kleineren Schwarzen Löchern sein, die in etwa die Masse einzelner Sterne besitzen. Denn in dieser turbulenten Region häufen sich Gas und Staub, und es entstehen viele kurzlebige Riesensterne, die ihre Existenz jeweils als Schwarzes Loch beenden.

Bislang haben Forscher jedoch vergeblich nach der Herde Schwarzer Löcher im galaktischen Zentrum gefahndet. Einige der Schwarzen Löcher sollten sich jedoch mit vorbeiziehenden Sternen zu Doppelsystemen verbinden. Nach deren schwacher Röntgensignatur hat das Team um Hailey nun gesucht.

Tatsächlich konnten die Astronomen mit «Chandra» in einem drei Lichtjahre großen Bereich um Sagittarius A* die Spuren von einem Dutzend solcher Doppelsysteme identifizieren. Hochgerechnet bedeute dieses Fahndungsergebnis, dass 300 bis 500 solcher Doppelsysteme und rund 10 000 isolierte Schwarze Löcher die Zentralregion um das supermassereiche Schwarze Loch unserer Milchstraße bevölkern, schreiben die Wissenschaftler.

Die Beobachtung ist für die Astronomen nicht nur eine Bestätigung einer lang existierenden Theorie. «Die Milchstraße ist die einzige Galaxie, in der wir untersuchen können, wie supermassereiche Schwarze Löcher mit kleineren wechselwirken, denn in anderen Galaxien können wir diese Interaktionen schlicht nicht erkennen», erläutert Hailey in einer Mitteilung seiner Universität die Bedeutung der Entdeckung.

Die Untersuchungen könnten unter anderem der Gravitationswellen-Astronomie nützen. «Die Zahl der Schwarzen Löcher im Zentrum einer typischen Galaxie zu kennen, kann helfen vorherzusagen, wie viele Gravitationswellenereignisse mit ihnen zusammenhängen könnten», erklärt Hailey. «Sämtliche Information, die Astrophysiker benötigen, findet sich im Zentrum der Galaxie.»

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