Im Notfall überträgt das Smartphone den Standort

| Redakteur: Hendrik Härter

Damit Rettungskräfte im Notfall wissen, wohin sie müssen, wird bei der Wahl der 112 auch der Standort übermittelt.
Damit Rettungskräfte im Notfall wissen, wohin sie müssen, wird bei der Wahl der 112 auch der Standort übermittelt. (Bild: gemeinfrei / Pixabay)

In einem Notfall können Leitstellen auf die genauen Standortdaten zugreifen. Mit Advanced Mobile Location (AML) wird die genaue Position von Verletzten übertragen. Datenschutzbedenken verhinderten bisher ein flächendeckenden Einsatz.

Der Mountain-Biker im unwegsamen Gelände oder der Waldarbeiter – hier lässt sich in einem Notfall die Position kaum oder nur schwer beschreiben. Doch für Rettungskräfte ist die präzise Position wichtig, damit einer verletzten Person schnell geholfen werden kann. Wer die Notrufnummer 112 wählt, musste bisher nicht nur detailliert den Notfall schildern, sondern auch die Position angeben.

Mit der jetzt in Deutschland verfügbaren Advanced Mobile Location (AML), die alle drei Netzbetreiber unterstützen, wird der genaue Standort eines Anrufers an die 112 übertragen und die Rettungskräfte können den Unglücksort bis auf wenige Meter genau erkennen und ansteuern. Eine zusätzliche App ist nicht notwendig.

Wenn die Notrufnummer 112 angewählt wird, werden die Standortdienste im Smartphone automatisch aktiviert und direkt über den AML-Endpunkt an die zuständige Leitstelle übermittelt. Android Emergency Location Service (ELS), Googles Ausführung von AML, wird von allen Smartphones mit Android OS 4.0 und höher unterstützt, sofern die Google Play Services installiert sind. Apple hat AML erst mit seinem Betriebssystem iOS 13.3 für seine Nutzer freigeschaltet.

Noch nicht flächendeckend im Einsatz

Entwickelt wurde AML in einer Kooperation zwischen Google und der British Telecom. Allerdings haben Datenschutzbedenken in Deutschland ein flächendeckendes Ausrollen von AML bisher verhindert. In Estland beispielsweise bekommen die Rettungskräfte bereits seit 2016 die Position von Verletzen per AML.

Derzeit sind ein Drittel der Leitstellen in Deutschland an den AML-Endpunkt angebunden und empfangen somit bereits die Standortdaten. Die übrigen Leitstellen werden sich sukzessive in den nächsten Monaten anbinden. Google hat ELS so entwickelt, dass die Standortdaten nur übermittelt werden können, wenn der Smartphone-Nutzer den Notruf 112 wählt.

Im AML-Endpunkt werden die Daten nur kurzzeitig vorgehalten. Eine Stunde nach dem Notruf werden die Standortdaten dort unwiederbringlich gelöscht und stehen dann nur noch in der zuständigen Leitstelle zur Verfügung. Eine Arbeitsgruppe der Datenschutzkonferenz, einem Gremium der unabhängigen deutschen Datenschutzaufsichtsbehörden des Bundes und der Länder, hat das Konzept ausgiebig geprüft.

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