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„Im Internet der Dinge entscheidet der menschliche Faktor“

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Würden Sie sagen, die Deutschen sind eher dogmatisch und Sie eher pragmatisch?

Ich werde ständig zu meiner Meinung über die deutsche Kultur befragt. Und darauf möchte ich jetzt auch nicht eingehen. Ich kenne pragmatische Deutsche und dogmatische Deutsche. Ich denke nicht, dass das eine nationale Eigenschaft ist. Die Leute unterscheiden sich. Ingenieure sind typischerweise dogmatischer als andere, aber wir kennen auch eine große Menge pragmatischer Ingenieure.

Für uns vom IIC würde ich sagen, dass wir sehr pragmatisch arbeiten. Wir sehen einfach, was passiert. Ich würde auch nicht sagen, dass es sich hier um einen Wettstreit zwischen Nationen handelt. Es liegt in unserem Interesse als internationale Organisation, dass Deutschland industrielle Fertigung in Deutschland behält und die USA die Fertigung in den USA behält. Ich möchte hier auch nur noch mal beiläufig erwähnen, dass es auch noch ein weiteres Industrieland gibt, das im Osten liegt, nämlich die Volksrepublik China.

Manche Techniken, die jetzt im Zusammenhang mit dem Internet der Dinge propagiert wurden, ähneln denen, die in der allgemeinen IT vor ein paar Jahren en vogue waren. Zum Beispiel SOA (service-orientierte Architektur).

In der horizontalen Ebene gibt es auch nichts Neues. Wenn es um die Anwendung von Geräten geht, egal ob das Sensoren oder Aktuatoren sind oder auch Analysesoftware - es ist nichts Neues. Die Object Management Group (OMG), der ich ebenfalls vorstehe, erfand die sogenannte Middleware im Jahr 1989. Ich war damals erst sechs Jahre alt, aber ich erinnere mich noch gut daran (Lacht). Und daran hat sich nichts geändert. Middleware ist Middleware. Und natürlich hat sich auch die service-orientierte Architektur kaum verändert, die auch nicht so anders ist als die 10 Jahre ältere objektorientierte Architektur.

Wir benutzen diese Techniken jedenfalls, um Systeme zu bauen. Interessant wird es erst, wenn man oberhalb dieser Middleware-Ebene baut. Wie teilt man zum Beispiel Sensordaten von Flugzeugtriebwerken verschiedener Hersteller? Von CFM und Rolls-Royce und Pratt & Whitney, General Electric und anderen? Wie sendet man Nachrichten an Aktuatoren in Automobilen oder in Fertigungsanlagen, etwa PLCs und anderen Dingen, die von unterschiedlichen Herstellern kommen?

Diese semantische Ebene ist viel schwieriger. Darauf fokussiert sich die OMG. Auf die Ebene der Ontologien und auf das, was wir Semantik nennen. Aber natürlich haben Sie recht. Die Infrastruktur gibt es schon lange und sie hat sich auch nicht groß verändert.

Wirklich interessant ist im Hinblick auf die Infrastruktur der enorme Wandel der Ökonomie: Rechenleistung kostet nichts. Die Anbindung ans Internet kostet praktisch nichts - relativ gesehen. Und sogar Analysetechniken auf einer breiten globalen Basis sind kostenfrei, weil es Lösungen wie Hadoop gibt. Das hat sich geändert. Man hat all diese Techniken, die sich gegenseitig ergänzen, zu unglaublich niedrigen Preisen. Das erlaubt es, diese vorhandene Infrastruktur zu nutzen, um Systeme auf neue Art zu bauen.

Grundsätzlich lautet das Schema: Nimm Informationen von einer großen Zahl an Sensoren, es können durchaus auch Millionen von Sensoren sein. Dann führe eine prädiktive (vorhersagende) Analyse der Daten in Echtzeit aus. Und dann wende das ebenfalls in Echtzeit auf die Interaktion mit Geräten an. Oder übermittle die Information in einem lesbaren Format an Menschen, die Entscheidungen treffen müssen, wie etwa den Handel mit einem bestimmten Finanzprodukt einzustellen oder ein Flugzeug am Boden zu belassen. Dieses Muster wird natürlich von einer Infrastruktur unterstützt, die es schon lange gibt. Aber die Ebene darüber ist wirklich kritisch.

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