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ifo Institut: Ende der Hochkonkunktur für die deutsche Wirtschaft

Redakteur: Margit Kuther

Die Hochkonjunktur, in der sich die deutsche Wirtschaft seit dem letzten Jahr befindet, hat an Schwung verloren. Deshalb hat das ifo Institut seine Konjunkturprognose vom Frühjahr 2018 deutlich nach unten revidiert.

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Gewitterwolken am Konjunkturhimmel? Die ifo hat den Geschäftsklimaindex 2018 vorgelegt.
Gewitterwolken am Konjunkturhimmel? Die ifo hat den Geschäftsklimaindex 2018 vorgelegt.
(Bild: Pixabay / CC0 )

Insbesondere die außenwirtschaftlichen Risiken haben deutlich zugenommen. Im laufenden und im kommenden Jahr wird nunmehr mit einem Zuwachs des realen Bruttoinlandsprodukts von 1,8% gerechnet. Zwar wird die Überauslastung der gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten im Prognosezeitraum bestehen bleiben und sich der Lohn- und Preisanstieg verstärken. Allerdings wird die Auslandsnachfrage nur noch einen geringen Beitrag zum Aufschwung leisten, da die Weltwirtschaft an Dynamik verliert.

Getragen wird die deutsche Konjunktur vielmehr vom privaten Konsum und den Bauinvestitionen, die nicht zuletzt von den expansiven finanzpolitischen Maßnahmen der neuen Bundesregierung profitieren.

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Bereits Anfang des Jahres begann der deutsche Konjunkturmotor ordentlich zu stottern. Mit einem Zuwachs von nur 0,3% gegenüber dem Vorquartal hat sich die Dynamik der gesamtwirtschaftlichen Produktion gegenüber den durchschnittlichen Quartalsraten des Vorjahres mehr als halbiert, so das ifo Institut.

Dazu hat vor allem eine rückläufige Wertschöpfung in der deutschen Industrie beigetragen, die von sinkenden Exporten und Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen begleitet wurde. Damit ist genau der Impuls weggebrochen, der die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr in die Hochkonjunktur getragen hat.

Ursachen der deutschen Konjunkturabschwächung

Daher spricht vieles dafür, dass die belastenden Sonderfaktoren wie der Streiks in der Metall- und Elektroindustrie durch ein außenwirtschaftliches Umfeld verstärkt wurden, das sich in den ersten Monaten dieses Jahres deutlich eintrübte. Dabei verflog nicht nur die optimistische Stimmung bei den wichtigsten europäischen Handelspartnern, sondern es kam auch bei den Auftragseingängen der deutschen Industrie insbesondere aus dem Euroraum zu kräftigen Rückgängen.

Dass den außenwirtschaftlichen Konjunkturkräften die Luft ausgeht, dürfte nicht zuletzt eine Folge der US-amerikanischen Wirtschafspolitik sein. Die Einführung von Importzöllen auf Aluminium- und Stahlprodukte aus der EU, die Androhung einer Ausweitung der Importzölle auf andere Waren aus der EU, sowie das Inkrafttreten der US-Unternehmenssteuerreform könnte europäische Unternehmen dazu veranlasst haben, ihre globalen Produktionsketten zu überdenken und Planungen im Hinblick auf eine Verlagerung von Teilen ihrer Produktion in die Vereinigten Staaten voranzutreiben. Ein Aufschieben der ursprünglichen Investitionsvorhaben in Deutschland dürfte eine unmittelbare Folge gewesen sein.

Prognose und Ausblick für Deutschland

Mit dem schwachen Jahresauftakt hat die Überauslastung der deutschen Wirtschaft etwas abgenommen und die Hochkonjunktur an Schwung verloren. Gleichwohl ist der Auslastungsgrad weiterhin hoch, und befindet sich nur knapp unterhalb historischer Höchststände. Die Anspannungen am Arbeitsmarkt sind Umfragen zufolge in allen Wirtschaftsbereichen weiter gestiegen. Entsprechend hat sich der Beschäftigungsaufbau in den vergangenen Monaten deutlich verlangsamt bei gleichzeitig weit überdurchschnittlichem Anstieg der Pro-Kopf-Löhne. Auch die Inflationsrate hat sich zuletzt deutlich beschleunigt. Dies war nicht nur auf höhere Energiepreise zurückzuführen, sondern auch auf einen zunehmenden binnenwirtschaftlichen Preisdruck.

Ausblick: Die Produktion dürfte im zweiten Quartal 2018 erneut nur moderat steigen. Insbesondere die Industriekonjunktur ist dabei aus dem Tritt geraten. Die deutsche Wirtschaft dürfte ihre temporäre Schwächephase jedoch im zweiten Halbjahr 2018 überwinden und damit weiter in der Hochkonjunktur bleiben. Dabei werden vor allem die binnenwirtschaftlichen Kräfte die gesamtwirtschaftliche Leis-tung stützen.

Im Jahresdurchschnitt 2019 wird das reale Bruttoinlandsprodukt mit 1,8% voraussichtlich in gleichem Ausmaß wie in diesem Jahr expandieren. Dabei dürfte die konjunkturelle Grunddynamik aber wieder zunehmen, was einer Jahresverlaufsrate von 2,0% entspricht. In beiden Prognosejahren steigt die gesamtwirtschaftliche Leistung in gleichem Ausmaß wie das Produktionspotenzial, sodass die positive Produktionslücke nicht weiter zunimmt. Die deutsche Wirtschaft dürfte damit in der Hochkonjunktur mit stark ausgelasteten Kapazitäten verharren.

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