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Messe LOPE-C in München Idealer „Kindergarten“ für die Organic- und Printed-Electronic-Szene

Redakteur: Franz Graser

Die Kongressmesse LOPE-C, die sich den Anwendungen der großflächigen, organischen und gedruckten Elektronik widmet, hat ihr neues Domizil in München aufgeschlagen. Trotz ungewisser Zeiten will die Branche kräftig wachsen.

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Fast wie elektronisches Papier nimmt sich das biegsame Display aus, das Plastic Logic auf der Münchner LOPE-C vorstellte.
Fast wie elektronisches Papier nimmt sich das biegsame Display aus, das Plastic Logic auf der Münchner LOPE-C vorstellte.
(Bild: ELEKTRONIKPRAXIS)

2009 fand die erste LOPE-C in Frankfurt am Main statt. Für die nunmehr vierte Ausgabe der Kongressmesse sind die Veranstalter von der Organic Electronics Association (oe-a), einer Arbeitsgruppe des VDMA (Verband der Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer) nach München umgezogen. Ein Grund lag darin, dass die bayerische Hauptstadt nach wie vor „einer der führenden Hightech-Standorte“ ist, wie Norbert Bargmann, der stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsleitung der Messe München, betonte.

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Die Halle B0 des Münchner Messegeländes, in der 104 Aussteller aus 17 Ländern ihre Produkte präsentieren, ist laut Bargmann somit „der ideale Kindergarten, um das Kind großzuziehen.“ Denn die Branche will wachsen. Im vergangenen Jahr wurden mit Anwendungen organischer und gedruckter Elektronik weltweit rund 4 Milliarden Dollar umgesetzt, hauptsächlich auf dem Gebiet organischer LEDs (OLED). Innerhalb von zehn Jahren soll sich das Marktvolumen auf 50 Milliarden Dollar steigern. Als primäre Treiber für diese Zunahme werden organische Photovoltaik, Beleuchtungslösungen, Displays, Logik-, Speicher- und RFID-Anwendungen erwartet.

Wolfgang Mildner, der Geschäftsführer des Herstellers PolyIC und General Chair der LOPE-C, nimmt das Bild vom Kindergarten auf: „Die Technologie beginnt zu laufen und macht ihre Schritte in den Markt hinein.“ Es seien nicht mehr nur Konzepte oder Ideen, sondern echte Anwendungen vorhanden, die man herzeigen könne, meint Mildner: Nicht mehr nur Powerpoint-Folien, sondern „Folien, bedruckt mit Funktionalität“ beherrschen das Geschehen. Und deshalb will Mildner irgendwann dem „Kindergarten“ der Halle B0 entwachsen und sich „Zug um Zug die anderen Hallen des Münchner Messegeländes erschließen.“

Im vergangenen Jahr besuchten 1150 Teilnehmer in Frankfurt die Messe. Die Zahl soll heuer in München leicht getoppt werden, hofft der stellvertretende Messechef Bargmann. Die Internationalität des Kongresses ist auf jeden Fall schon einmal stark gestiegen: Insgesamt 189 Referenten aus 27 Ländern bestreiten das Vortragsprogramm. Insofern bietet die Veranstaltung einen guten Überblick über die Aktivitäten auf der ganzen Welt und bildet die Dynamik der Branche gut ab.

Da sich alle Varietäten der organischen und gedruckten Elektronik in einer Halle finden, ist die Bandbreite der gezeigten Anwendungen sehr umfangreich. Eine zentrale Stellung nehmen organische Photovoltaik-Module ein. Gleich daneben gibt es Fertigungsmethoden und -Maschinen zu sehen: Stan Farnsworth, Vice President Marketing des Herstellers Novacentrix aus der texanischen Hauptstadt Austin, ist besonders gut gelaunt: Seine Firma zeigt Tinten für den Druck von Leiterbahnen auf Papier und Plastikfolien und ein Verfahren, wie die Tinte auf die nicht sehr hitzebeständigen Materialien aufgebracht werden kann. Zudem hat die texanische Firma eine Tinte auf Kupferbasis entwickelt, die bei einem Preis von 75 Dollar pro Kilogramm weniger als ein Viertel kostet als die gleiche Menge silberbasierter Tinten.

Im Mittelpunkt der Medienaufmerksamkeit steht aber auch das britische Unternehmen Plastic Logic, das in Dresden seine deutsche Niederlassung hat. Plastic Logic demonstriert nämlich ein ultradünnes biegsames Display, das an die Zeitung „Der Tagesprophet“ aus der Harry-Potter-Welt erinnert.

Am Stand der oe-a ist ein „intelligentes Poster“ zu sehen. Es hat ein Fledermaus-Motiv und reagiert auf Annäherung. Wer sich ihm nähert, löst ein furchterregendes Geheule aus, das aus einem unsichtbar angebrachten Lautsprecher kommt. Das Resultat eines Studentenprojekts zeigt ein Modellauto mit gedruckten Umgebungssensoren.

Und last but not least macht die organische Elektronik ihrem Namen im Intimbereich alle Ehre: Eine niederländische Design-Hochschule stellt die Idee vibrierender Damenunterwäsche vor. „Unterschiedliche Frequenzen für mehr Spaß“ sowie den „Look & Feel echter Slips“ verspricht das Konzept. Und als Industriepartner schlagen die Niederländer einen Kondomhersteller vor.

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