Interview mit Horst Zuse „Ich wollte wissen, wie komplex der Bau der Zuse Z3 ist“

Autor / Redakteur: Kristin Rinortner * / Kristin Rinortner

Horst Zuse hatte schon lange vor, die Z3 seines Vaters Konrad Zuse einfach einmal nachzubauen, um selbst zu verstehen, wie das geht. Er wollte nämlich die Frage beantworten: Was ist ein Computer?

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Prof. Dr. Horst Zuse: Der Informatik-Professor und ältester Sohn von Konrad Zuse hat den ersten funktionsfähigen Computer, die Z3, in Modulbauweise nachempfunden. Diesen Nachbau, der aus 2400 Relais besteht, führt er im Rechenbetrieb vor und erläutert daran anschaulich die Funktionsweise eines Computers.
Prof. Dr. Horst Zuse: Der Informatik-Professor und ältester Sohn von Konrad Zuse hat den ersten funktionsfähigen Computer, die Z3, in Modulbauweise nachempfunden. Diesen Nachbau, der aus 2400 Relais besteht, führt er im Rechenbetrieb vor und erläutert daran anschaulich die Funktionsweise eines Computers.
(Bild: Finder)

Herr Professor Zuse, nachdem Ihr Vater Konrad bereits die im Krieg zerstörte Rechenmaschine Z1 wieder nachbaute, haben Sie es sich zur Aufgabe gemacht, die Z3 zu rekonstruieren. Wie kam es dazu?

Die Maschine Z3 eignet sich hervorragend, um die einfache Frage zu erklären: Was ist ein Computer? Die Antwort ist schwierig, an einem PC geht das nicht. Die Idee, die Z3 nochmals zu bauen, entstand bei einem Bier mit meiner Frau in Berlin ca. 2008. Ich wollte einfach wissen, wie komplex der Bau der Z3 ist. Auch halte ich es für wichtig, den Begriff Computer für jedermann verständlich darzustellen.

Was ist mit der Z3 im Deutschen Museum in München, die Ihr Vater neu baute?

Das ist ein fast funktionsfähiger Nachbau basierend auf der Original Z3 von 1941. Er ist kleiner und hat nur einen Speicherschrank. Der Ablauf der Rechenoperationen ist im Detail nicht zu erkennen. Der Nachbau wurde für Werbezwecke und zur Demonstration für das Patentamt erstellt und 1964 auf der Weltausstellung in Montreal ausgestellt.

In der neuen Z3 sind ca. 600 Relais für das Rechenwerk und 1600 Relais im Speicher verbaut. Ursprünglich waren dies ausrangierte Telefonrelais. Sie verwenden Koppel-Relais und zusätzlich ca. 100 Zeitrelais der Firma Finder. Was zeichnet Finder aus?

Die Firma Finder reagierte 2008 auf meine Anfrage zur Unterstützung beim Bau der neuen Z3 sehr positiv. So kam es zu einer sehr fruchtbaren Zusammenarbeit. Bei allen Fragen wurde ich kompetent beraten. Ich bin mir sicher: Ohne Finder wäre die neue Z3 nicht möglich gewesen.

Was sehen Sie im Nachhinein als größte Herausforderung an?

Die Z3 ist eine sehr komplexe Maschine. Obwohl Schaltzeichnungen von 1941 existieren, musste ich viele Komponenten neu entwickeln, wie z.B. das Steuerwerk, das alle Rechenoperationen durchführt. Die kreative Komponente meinerseits in der neuen Z3 ist der modulare Aufbau, durch den sich die Rechenoperationen didaktisch demonstrieren lassen.

Welche Rechenoperationen kann Ihre Z3 durchführen?

Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division und die Quadratwurzel. Alle Rechenoperationen werden auf wiederholte Addition und Subtraktion zurückgeführt. Besonders aufwendig sind die Rechenoperationen zur Konvertierung von Dezimalzahlen in Binärzahlen und umgekehrt, dazu muss das Additionswerk bestehend aus Finder-Koppelrelais bis zu 40 Mal eingesetzt werden und die Relais schalten dazu bis zu 200 Mal. Es ist ein beindruckendes Klappern.

Ihr Vater hat versucht, seine Rechenmaschine Z3 patentieren zu lassen. Das wurde 1967 vom Patentamt abschlägig beschieden. Statt dessen taucht in der Literatur oft die Maschine von Howard Aiken, die MARK 1, als erste Rechenmaschine auf. Ist das inzwischen relativiert worden?

Ja, es ist relativiert worden, und zwar Anfang der 70er Jahre. Konrad Zuse hatte das Problem, beweisen zu müssen, dass er 1941 seine Z3 hatte, und zwar funktionsfähig. Diese wurde aber im Dezember 1943 durch einen Bombenangriff zerstört.

Anfang der 80er Jahre konnte er durch die Aussage von vielen Zeugen, die ihn in Berlin zwischen 1941-43 besuchten, darlegen, dass er die Z3 gebaut hatte. Damit hatte das Blatt sich gewendet, Howard Aikens Maschine MARK I war 1944 funktionsfähig, Konrad Zuses Maschine aber schon 1941. Zudem ist heutzutage anerkannt, dass die Z-Maschinen (Z1-Z4) von der Architektur her eine hohe Ähnlichkeit zu modernen Computern haben.

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