Huawei will 5G-Lizenzen verkaufen

| Redakteur: Julia Schmidt

Das Huawei-Office in Reading, UK: CEO Ren Zhengfei hat in Interviews mit der New York Times und dem Economist Bereitschaft signalisiert, die gesamte Huawei 5G-Plattform an US-amerikanische Unternehmen zu lizenzieren.
Das Huawei-Office in Reading, UK: CEO Ren Zhengfei hat in Interviews mit der New York Times und dem Economist Bereitschaft signalisiert, die gesamte Huawei 5G-Plattform an US-amerikanische Unternehmen zu lizenzieren. (Bild: Huawei)

In Interviews mit der New York Times und dem Economist hat Huawei-Chef Ren Zhengfei eröffnet, dass man bereit sei, die 5G-Plattform an US-Unternehmen zu lizenzieren. Es ginge dabei auch um das Überleben von Huawei.

Strategiewechsel bei Huawei: Erst Anfang des Monats hatte der chinesische Konzern schwere Vorwürfe gegen die US-amerikanische Regierung erhoben. Huawei sei auf Druck der USA von Justizbehörden wiederholt genötigt worden. Auch sei man das Opfer von US-sanktionierten Cyberangriffen. Doch offenbar will man dennoch nicht weiter auf Konfrontationskurs gehen.

In verschiedenen Interviews gegenüber dem Economist und der New York Times (NYT) nun in Shenzhen, hat der Gründer und aktuelle CEO von Huawei Ren Zhengfei versöhnlichere Töne angeschlagen. „Wenn die USA uns unvoreingenommen entgegen kommen und versprechen ihre irrationale Haltung gegenüber Huawei zu ändern, sind wir offen für einen Dialog. Die USA sollten nicht versuchen, Huawei über etwas Triviales zu zerstören. Wenn die USA der Meinung sind, dass wir etwas falsch gemacht haben, können wir darüber diskutieren und eine vernünftige Lösung finden.“, sagte Ren Zhengfei gegen über der NYT.

Doch viel folgenschwerer und aufschlussreicher ist, was danach folgte. Denn, so Ren Zhengfei, wenn die USA – die keinen einheimischen 5G-Netzwerkausrüster haben – Huawei weiterhin nicht vertrauten, dann sei er auch erstmals bereit, die gesamte Huawei 5G-Plattform an jedes US-amerikanische Unternehmen zu lizenzieren, die sie unabhängig von Huawei installieren und betreiben möchten.

Ein US-Konkurrent würde Wettbewerb beleben

Man sei „offen für den Austausch unserer[sic] 5G-Technologien und -Techniken mit US-Unternehmen, damit diese ihre eigene 5G-Branche aufbauen können. Dies würde einen Ausgleich schaffen zwischen China, den USA und Europa.“ Die Amerikanischen Firmen könnten dann die Technologie an ihre spezifischen Sicherheitsvorgaben anpassen und den Code eigens abändern.

Seiner Meinung nach würde ein daraus entstehender US-Konkurrent dazu beitragen, die Wettbewerbsbedingungen in einer Zeit zu verbessern, in der viele im Westen besorgt darüber sind, dass ein einziges chinesisches Unternehmen die Ausrüstung für die meisten neuen Mobilfunknetze der Welt liefert und damit zum Überleben von Huawei beitragen, so Ren Zhengfei gegen über dem Economist.

Das ist ein Olivenzweig, der den inzwischen seit Jahren andauernden Streit über die maßgebliche Beteiligung Huaweis am 5G-Ausbau besänftigen soll. Denn nicht nur die USA haben große Vorbehalte. In Australien wurde das Unternehmen bereits ausgeschlossen. Und auch in Deutschland gibt es gerade eine Debatte darum, ob man den chinesischen Konzern komplett vom Aufbau des zukünftigen 5G-Mobilfunknetzes ausschließen sollte. Insbesondere der Grünen-Chef Robert Habeck hatte sich dafür ausgesprochen.

Allerdings hat das Angebot Huaweis auch einen Haken. Denn, selbst wenn die chinesische Regierung einem solchen Deal zustimmen sollte, welches US-amerikanische Unternehmen käme überhaupt als Käufer in Frage?

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