Huawei strikes back!

| Redakteur: Jürgen Schreier

Gegenangriff: Laut Presseberichten hat Huawei dem US-Telekommunikationunternehmen Verizon eine gesalzene Rechnung für die Nutzung von Patenten präsentiert.
Gegenangriff: Laut Presseberichten hat Huawei dem US-Telekommunikationunternehmen Verizon eine gesalzene Rechnung für die Nutzung von Patenten präsentiert. (Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Der von den USA sanktionierte Mobilfunkausrüster Huawei schlägt nun offenbar zurück. Presseberichten zufolge will der chinesische Technologiekonzern beim US-Carrier Verizon saftige Gebühren für die Nutzung von Patenten kassieren. Eine Rechnung sei bereits eingegangen, berichtet Spiegel Online.

Der Rechnungsbetrag dürfte selbst abgebrühten Telco-Managern die Tränen in die Augen treiben. Über 1 Mrd. Dollar fordert der chinesische Mobilfunkausrüster Huawei angeblich vom US-Telekommunikationsunternehmen Verizon – und zwar für die Nutzung von Patenten. Die Zahlungsaufforderung sei bereits im Februar 2019 an den Carrier übermittelt worden, berichtete das „Wall Street Journal“.

Laut Spiegel Online wollte man sich bei Verizon zu der Angelegenheit nicht konkret äußern. Bekannt wurde lediglich, dass es bei der „causa“ nicht allein nur um Verizon gehe. Der US-Mobilfunkanbieter Sprint äußerte sich auf Anfrage nicht zu dem Thema. Auch AT&T und T-Mobile US blieben „stumm“.

Deals mit Huawei – ein No-Go für US-Unternehmen

Nachdem die Trump-Administration Huawei auf eine „schwarze Liste“ gesetzt hat, dürfen US-Unternehmen keine „Deals“ mehr mit dem chinesischen Technologieanbeter machen. Davon betroffen ist z.B. Android-Anbieter Google. Huawei-Smartphone können folglich nicht mehr dem Betriebssystem ausgestattet werde und auch keine Android-Apps mehr nutzen.

Darüber hinaus versuchen die USA – mit mehr oder weniger Erfolg – auch andere Länder dazu bewegen, beim Rollout von 5G auf Technik von Huawei zu verzichten. Der Grund: Das Unternehmen, das dem chinesischen Staat sehr nahe stehen soll, wird verdächtigt, Backdoors in seine Netzwerk-Komponenten zu implementieren. Außerdem sei Huawei verpflichtet, mit chinesischen „Diensten“ zusammenzuarbeiten. Das aber wird seitens Huawei vehement bestritten.

Auf dem diesjährigen ESMT Annual Forum der European School of Management and Technology Berlin warnte Dennis Zuo, Deutschland-Chef von Huawei, vor einer zunehmend fragmentierten Welt durch die Errichtung neuer Mauern, die den digitalen Fortschritt gefährden könnten.

Zuo verwies auf die Partnerschaft, die seit fast zwei Jahrzehnten zwischen Deutschland und Huawei besteht. Mehr als 2600 Mitarbeiter trügen dazu bei, dass 50 Mio. Deutsche direkt oder indirekt Huawei-Technologie nutzen können. Deutschland sei für Forschung und Entwicklung einer der wichtigsten Standorte für Huawei. „Wir haben mehr als 500 Forscher im ganzen Land. Unser größtes Forschungszentrum auf dem europäischen Kontinent befindet sich in München. Dort arbeiten wir an Technologien wie der nächsten Generation von 5G, vernetzten Autos oder Smart Manufacturing“, erklärte Zuo in Berlin.

Huawei-Deutschland-Chef warnt vor „rücksichtslosen Entscheidungen“

In den nächsten zehn Jahren werde mit Unterstützung von 5G, dem Internet of Things, Cloud, Big Data, KI die Digitalisierung fortgesetzt und Mensch-zu-Maschine oder Maschine-zu-Maschine-Anwendungen einen Boom erleben. Dieser Trend führe zu neuen Möglichkeiten, so Zuo: „Ob intelligente Fabrik oder autonomes Fahren: Deutschland verfügt über die besten Industrieanlagen und ein großes Potenzial, um sich in seiner Führungsrolle weiter zu behaupten.“ Durch die fortschreitende Digitalisierung ergäben sich aber auch neue Herausforderungen. „Es gibt Risiken, die wir alle teilen“, sagt Zuo.

Isolation und Angst sollten darauf aber nicht die Antwort sein, betont Zuo. In Anlehnung an das diesjährige Motto des ESMT Annual Forums „Global Change – New Challenges, new Opportunities" fordert Zuo gemeinsame digitale Standards und keine national-einseitigen Ansätze: „Android und Windows sind bereits heute so sehr in unseren Alltag und unser Geschäftsleben eingebettet, dass es nicht um ein einzelnes Unternehmen oder ein einzelnes Land geht. Rücksichtslose Entscheidungen können Verbrauchern und Unternehmen in der ganzen Welt großen Schaden zufügen. Das stellt einen gefährlichen Präzedenzfall dar. Derartige Entscheidungen stehen im Widerspruch zu unseren Werten in einer internationalen Geschäftswelt und werden den fairen Wettbewerb in der Telekommunikationsbranche stören.“

Wenn sich die Welt digital fragmentiere, brauche jedes Land und jedes Unternehmen letztendlich einen eigenen Backup-Plan, sagt Zuo: „In einer digitalen Welt sollten wir einen einheitlichen Standard aufbauen und eine einheitliche Sprache sprechen.“

Huawei tätigte kürzlich seinen 46. 5G-Vertragsabschluss, und zwar mit dem russischen Mobilfunkbetreiber MTS. Insgesamt hat der chinesische Netzwerkspezialist mehr als 100.000 5G-Basisstationen an Netzbetreiber auf der ganzen Welt geliefert und ist damit der größte Anbieter von 5G-Technologie am internationalen Markt. Als Produzent von Mobiltelefonen ist Huawei mit ein einem Weltmarktanteil von knapp 16 Prozent die Nummer 2 nach Samsung (Marktanteil knapp 21 Prozent) und vor Apple (Marktanteil rund 12 Prozent).

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