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Software Defined Server HP will mit Moonshot das Rechenzentrum schrumpfen

| Redakteur: Peter Koller

Ein großer Sprung für die Menschheit oder ein Schuss in den Ofen? Mit seiner Moonshot-Familie hochdichter Serverinstallationen will HP die IT-Infrastruktur revolutionieren – aber Analysten sind skeptisch.

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Dave Donatelli, Executive Vice President and General Manager, HP Enterprise Group, mit einem Moonshot-Modul sowie dem Rack-Einschub
Dave Donatelli, Executive Vice President and General Manager, HP Enterprise Group, mit einem Moonshot-Modul sowie dem Rack-Einschub
(HP)

Laut HP ist Moonshot nicht weniger als der erste hyperskalige Software-definierte Server für die Anforderungen von Social Networks, das Internet der Dinge, Cloud und Big Data. Derzeit gebe es auf der Welt rund 10 Milliarden vernetzte Objekte – Tendenz schnell wachsend. Diese Entwicklung hin zu "Brontobytes of Infomation", so HP-Chefin Meg Whitman, sei so auf Dauer aufgrund der benötigten Infrastruktur nicht fortzusetzen. "Wir bräuchten Rechenzentren mit der Fläche von 200 Footballfeldern mit eigens dafür gebauten Kraftwerken."

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Das will HP mit Moonshot ändern. Der Schlüssel dazu ist eine stärkere Spezialisierung der Workloads. Auf diese Weise lassen sich statt der klassischen Serverprozessoren vergleichsweise schwache Chips mit geringem Energieverbrauch und Wärmeproduktion nutzen. HP gelingt es so, 1800 Server-Module in einen Schrank zu packen. Aufgrund des geringen Energiebedarfs teilen sich die Einschubkarten Elemente wie die Stromversorgung oder die Kühlung.

Die Moonshot-Module verwenden als Prozessoren zunächst die Atom S1200-Familie von Intel. Gemeinsam mit dem Partner Calxeda arbeitet HP aber bereits an Modulen auf Basis von ARM-Prozessoren. Auch Texas Instruments und applied micro gehören zu den Moonshot-Partnern. Das Ziel ist eine "Bibliothek" von verschiedenen Modulen für unterschiedliche Aufgaben wie zum Beispiel Webhosting, Finanztransaktionen, oder Datenanalyse bis hin zu hochspezialisierten Aufgaben wie Gesichtserkennung oder Gen-Sequenzierung.

HP vergleicht die Bedeutung von Moonshot mit dem Wechsel von den Unix-basierten monolithischen Servern auf die X86-basierten Blade-Systeme. Laut HP braucht ein Moonshot-System im Vergleich zu aktuellen Servern bis zu 89% weniger Energie, 80% weniger Platz und 77% weniger Kosten. Die Preise für ein Moonshot-System beginnen bei rund 62.000 US-$ für ein Rack-Gehäuse mit integriertem Switch und die 45 ProLiant Moonshot-Module, die darin Platz finden.

Gemischte Analysten-Reaktionen auf Moonshot

Trotz beeindruckender Daten sind die Reaktionen von Analysten gemischt. Positiv äußerte sich Patrick Moorhead von Moor Insights and Strategy: " Das wirklich interessante an Moonshot ist nicht Tatsache des geringen Energie- und Platzbedarfs, sondern die Fähigkeit, mit einer Vielzahl von Prozessoren alle Arten von Computing Jobs zu adressieren." Laut Moore unterstützt die Architektur nicht nur klassische Prozessoren wie Atom oder ARM-Chips, sondern auch spezialisierte Prozessoren wie GPU-Chips von Nvidia, DSP-Prozessoren etwa von Texas Instruments oder FPGAs, wie sie von Altera oder Xilinx angeboten werden: "Das hat das Potenzial, große Rechenzentren grundlegend zu verändern."

Deutlich zurückhaltender äußerte sich etwa der Barclays-Analyst Ben Reitzes, der Zweifel am Interesse der Moonshot-Zielgruppe hat: "Moonshot zielt auf die großen Player etwa im Cloud-Sektor. Aber die gehen immer mehr dazu über, sich eigens konstruierte Server von Auftragsfertigern wie Quanta und Wistron bauen zu lassen statt bei den Infrastrukturherstellern einzukaufen."

So gesehen bleibt die Frage offen, ob Moonshot der große Befreiungsschlag für den schlingernden IT-Konzern HP sein kann.

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