Hochwertige ASICs in Einstiegs-Oszilloskopen – ein harter Kampf um Marktanteile

| Redakteur: Hendrik Härter

Einstiegs-Oszilloskope sind für die Hersteller ein wichtiger Markt, weil sie hier über eine große Stückzahl viele Anwender erreichen. Im Inneren arbeitet gerade bei den großen Anbietern hochwerte Hardware, wie sie in Mid-Range und High-End-Produkten verbaut werden.
Einstiegs-Oszilloskope sind für die Hersteller ein wichtiger Markt, weil sie hier über eine große Stückzahl viele Anwender erreichen. Im Inneren arbeitet gerade bei den großen Anbietern hochwerte Hardware, wie sie in Mid-Range und High-End-Produkten verbaut werden. (Bild: Keysight)

Oszilloskop-Hersteller investieren viel Geld in ihre eigene ASIC-Komponenten für Mid-Range und High-End-Geräte. Hochwertige Komponenten lassen sich in Einsteiger-Geräte verbauen. Ein wichtiger Markt – ist doch hier der Kampf um Stückzahlen am intensivsten.

Die Oszilloskop-Familie InfiniiVision 1000 X ist ein schönes Beispiel, wie Messgeräte-Hersteller ihr Know-how aus den höherpreisigen Produktfamilien auch für das Einstiegsportfolio anwenden. Gerade auf dem stark umkämpften Einstiegsmarkt ist wenig bis kaum Spielraum, um Gewinne zu erwirtschaften. Und trotzdem. Oszilloskop-Hersteller tun sich gut daran, diesen Markt nicht den anderen Herstellern zu überlassen. Sind es doch gerade Anbieter wie Rigol oder Siglent, die mit großen Stückzahlen ihre Geräte auf den Markt werfen. Oder sind es etablierte Hersteller wir Keysight, Teledyne LeCroy, Rohde & Schwarz oder Tektronix?

Um etwas über die Strategie bei der günstigen Messtechnik zu erfahren, sprachen wir mit Peter Kasenbacher von Keysight. Er ist EMEAI Market Segment Manager, also für die Märkte in Europa, Naher Osten, Afrika und Indien zuständig. In der ersten Frage geht es um die Abgrenzung.

Der Markt für Oszilloskope der Einstiegsklasse ist hart umkämpft, insbesondere die chinesischen Anbieter drängen in den Markt. Mit welchen Konzepten kann ein Hersteller wie Keysight überzeugen?

Wie in anderen Branchen und Märkten sehen wir immer wieder, dass viele Verbraucher/Anwender nicht zwangsläufig das billigste verfügbare Produkt wollen. Sie wollen aber das Beste, was sie für einen bestimmten Preis der im Budget liegt, erhalten können. Während der Oszilloskop-Mmarkt einen gewissen ´Wettlauf nach unten' um Preis und Qualität erlebt, legen die meisten Kunden großen Wert auf die Qualität und Unterstützung, die eben mit Keysight-Oszilloskopen geboten wird. Dies ist seit der Gründung des Unternehmens in den 1930er Jahren einer der Schlüssel von Keysight-, Agilent- und HP-Testgeräten. Man kann sich leicht in einen Preiskampf verzetteln, aber man sollte immer sehen, dass der Preis nur ein Faktor ist – es geht aber um das Gesamtpaket.

Mit dem 1000 X haben Sie ein Oszilloskop auf den Markt gebracht, das die Ausrichtung auf den Einstiegsmarkt erleichtern soll. Was ist das Besondere an diesem Gerät?

Die Oszilloskope der Familie 1000 X nutzen die gleichen, kundenspezifischen ASICs, die für unsere höherwertigen Geräten entwickelt und eingesetzt werden. So finden diese Chipsätze Einsatz in Oszilloskopen bis 6 GHz hoch, die um einen Faktor 10 bis 20 mehr kosten. Der Anwender erhält professionelle Funktionen in einem Einsteiger-Oszilloskop, wie die Funktionalität des Frequenzganganalysators (Bode-Plotting).

Anders als bei Midrange- und High-End-Scopes müssen Sie größere Stückzahlen verkaufen, während Sie auf der anderen Seite die Beziehung zu den Nutzern / Ihren Kunden nicht vernachlässigen dürfen. Wie kann dieser Balanceakt funktionieren?

Ein Teil des Spagats ist möglich, weil wir vertriebstechnisch mit autorisierten Keysight-Distributoren zusammenarbeiten. Die Vertriebsteams haben langjährige persönliche Beziehungen zu Keysight-Kunden. Darüber hinaus verfolgen wir als Messgeräte-Hersteller einen One-to-Many-Marketingansatz: Wir kommunizieren mit Kunden immer mehr digital. Für unsere Kunden hat das den Vorteil in einem Umfang zu interagieren, der sonst nicht möglich wäre. Ein Beispiel ist unser YouTube-Kanal. Hier erreichen uns über 40.000 Abonnenten. Mit über einer Million Videoaufrufen können wir mit unseren Kunden eine qualifizierte Verbindung herstellen. Darüber hinaus ist das Keysight- und Partnervertriebsteam weiterhin bestrebt, Service und Support unabhängig von Preis und Volumen der Ausrüstung zu bieten.

Das 1000 X ist ein Oszilloskop für den Einstiegsmarkt. Was bieten Sie diesen Ingenieuren an, damit sie lernen können?

Neben Anleitungsvideos auf unserem YouTube-Kanal gibt es beispielsweise eine eingebaute Hilfe im Messgerät. Wenn Sie eine beliebige Taste oder Menüoption auf der Vorderseite gedrückt halten, erscheint ein kurzer Text mit einigen hilfreichen Tipps zu dieser Funktion oder Option auf dem Bildschirm. Darüber hinaus sind in jedem Oszilloskop serienmäßig sogenannte Trainingssignale enthalten. Mit Signalen wie Clock mit seltenem Glitch unterstützen wir angehenden Ingenieuren, wie die verschiedenen Funktionen eines Oszilloskops genutzt werden können, um möglichst präzise zu messen. Solche Trainingssignale sind in der Ausbildung beliebt und können zusammen mit dem Laborübungen des Ausbilders verwendet werden.

Außerdem bieten wir Hunderte von Application Notes, Whitepapers und Blogs über die Details der verschiedenen Spezifikationen und Funktionen von Oszilloskopen informieren.

Viele Anwender würden die Familie 1000 X als einfaches Oszilloskop einstufen. Gibt es besondere Funktionen, die über die grundlegende Funktionalität hinausgehen, die ein Benutzer erwarten würde?

Benutzer können Grundfunktionen wie Triggerung, mathematische Fähigkeiten und die Standardmessungen wie Spitze zu Spitze, Max oder Min erwarten. Darüber hinaus bietet die Familie erweiterte Analysefunktionen wie Maskentest, FFT-Analyse und Protokolltriggerung/ -dekodierung. Damit ist es möglich, Signale auf eine andere Weise zu betrachten, als es frühere, einfache Oszilloskope zulassen würden. Dazu zählt auch, den Frequenzbereich auf einem Zeitbereichsgerät (FFT) zu untersuchen, Fehler über einen längeren Zeitraum (Maskentest) zu erkennen oder die korrekte Korrelation von Uhr und Bus (Protokolldecodierung) zu erkennen, bis hin zu der bereits erwähnten Frequenzgangsdarstellung im Bode-Diagramm.

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