Augmented Reality und die Vorteile für die Industrie

| Autor / Redakteur: Friederike Truthe * / Hendrik Härter

In der Industrie bietet sich Augmented Reality an, um beispielsweise Maschinen und Anlagen zu warten. Stillstandzeiten von Maschinen werden reduziert.
In der Industrie bietet sich Augmented Reality an, um beispielsweise Maschinen und Anlagen zu warten. Stillstandzeiten von Maschinen werden reduziert. (Bild: Ubimax)

Augmented Reality in der vernetzten Industrie hilft dem Anwender dabei, Informationen zu seiner jeweiligen Arbeit schnell und vor allem zeitlich passend zu erhalten. Ebenfalls möglich ist der Fernzugriff auf die Daten.

Ein Service-Techniker einer Maschine musste vor noch nicht allzu langer Zeit Handbücher oder Bedienungsanleitungen studieren, um einen Fehler aufzuspüren oder eine Maschine bzw. Roboter einzurichten. In der vernetzten Industrie hilft Augmented Reality (AR). Von der Spielebranche getrieben, bieten sich für AR neue Einsatzgebiete in der Industrie an [1].

Mit Augmented Reality lassen sich Informationen intelligent darstellen oder gar visualisieren. Mit AR lassen sich Text, Grafiken, Bilder oder Video mit der realen Welt überlagern, sodass Benutzer tatsächliche oder virtuelle Objekte vor ihren Augen sehen und mit ihnen interagieren können. Informationen direkt im Sichtfeld oder kontext-relevante Audiosignale helfen bei der Umsetzung von Arbeitsabläufen. Im industriellen Umfeld stellt Wearable-Computing-basierte Augmented Reality daher ein signifikantes Potenzial zur Effizienzsteigerung dar, besonders bei informationsintensiven oder dynamischen Vorgängen.

Datenbrillen, englisch Smart Glasses, ordnet man zum Wearable Computing. Es sind tragbare Computer, deren Displays direkt im Blickfeld des Nutzers liegen. Ein anderer Begriff ist Head-Mounted Displays (HMD). Vielen Unternehmen setzen im Zuge der Digitalisierung auf neue Techniken wie AR, um diese in verschiedenen Anwendungsszenarien einzusetzen. Dank des hohen Reifegrads dieser Technologie finden sich Augmented-Reality-Anwendungen nicht mehr nur in der Automobilindustrie, bei Logistikern [2] oder großen Hochtechnologie-Unternehmen an, sondern branchenübergreifend auch im Mittelstand.

Einsatz von Datenbrillen ohne Grenzen

Die Abläufe in der Industrie sind hochgradig vernetzt und Anwender interagieren über einen Computer mit Maschinen und Anlagen. Wearable Computing unterstützt jetzt den Anwender bei seiner primären Tätigkeit: Dazu gehört nicht nur der Einsatz eines Computers, sondern in der Regel die händische, manuelle Arbeit. Die Einsatzmöglichkeiten von Datenbrillen sind hierbei kaum beschränkt und finden sich entlang der gesamten industriellen Wertschöpfungskette wieder. Eine Datenbrille als grafisches Anzeigegerät hat dabei den Vorteil, dass, wird sie am Körper des Nutzers getragen, während der Ausführung verschiedenster Tätigkeiten einsetzbar ist, die mit einem normalen Computer undenkbar wären. Notwendige Informationen sind über ein HMD jederzeit in Sichtweite, während beide Hände frei bleiben.

AR und die Vorteile für die Industrie

Ausgehend vom Digitalisierungs- und Wettbewerbsdruck, der in den meisten Branchen herrscht und von den hohen Qualitätsanforderungen der Kunden, setzen Unternehmen AR ein, um ihre wirtschaftlichen Ziele zu erreichen beziehungsweise ihre Wettbewerbsposition zu verbessern. Auf unternehmerischer Seite sind die Vorteile klar: Die Effizienz der Prozesse steigt, weil die umständliche Handhabung stationärer IT-Geräte oder Papierlisten entfällt.

Durch die direkte Anzeige kontext- und zeitrelevanter Informationen und eine integrierte Qualitätskontrolle sinkt die Fehlerrate und unnötige Arbeitsschritte lassen sich eliminieren. Unternehmen können eine höhere Qualität abliefern bei geringerem Bedarf zur Nacharbeitung. Da die Brillen drahtlos per Wi-Fi mit ERP- oder Lagerverwaltungssystemen verbunden sind, aktualisiert sich die Warenwirtschaft nach erledigter Aufgabe simultan. Im Anschluss zeigt die Brille einen optimierten Weg zum nächsten Einsatzort an.

Weniger Stillstandszeiten dank AR

Eine Produktivitätssteigerung zeigt sich des Weiteren in verkürzten Stillstandszeiten. Die Reparatur von defekten Teilen kann schneller vollzogen werden, wenn der Arbeiter Unterstützung und Anleitung durch die Datenbrille bekommt. Durch Funktionen zur Remote-Assistance werden Probleme mit Hilfe von Datenbrillen auch aus der Ferne gelöst, da der Experte genau das sieht, was auch der Arbeiter vor Ort anschaut. Das spart kräftezehrende Reisen sowie Reisekosten und schont sogar die Umwelt, weil weniger CO2 verbraucht wird.

Die schon fast spielerische Art, Informationen zu vermitteln, hilft auch in Schulungsszenarien: Der Einsatz von AR verkürzt Anlernprozesse bei neuen Angestellten. Zeitraubende und Ressourcen aufwendige Einweisungen entfallen, die sonst die alltäglichen Abläufe der Mitarbeiter stark beeinträchtigen. Durch integrierte Dokumentationsfunktionen wird neben der Qualitätskontrolle auch der Wissenstransfer unterstützt. Dies wird besonders dann zum Vorteil, wenn Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Informationen von den Angestellten lassen per Video oder Speech-to-Text aufnehmen, in ein zentrales System einspeisen und sind für alle zugänglich.

Wearables sorgen für Sicherheit am Arbeitsplatz

Mehrwerte gibt es auch auf der Seite der Angestellten: Indem die Hände der Arbeiter frei bleiben, liegt die volle Konzentration auf der eigentlichen Arbeit und die Ergonomie am Arbeitsplatz verbessert sich. Tiefes Bücken und Hantieren mit schweren und sperrigen Gegenständen wird durch das Tragen moderner, leichter Datenbrillen, die im Grunde regulären Lesehilfen ähneln, stark vereinfacht. Gleichzeitig tragen Wearables zur Sicherheit am Arbeitsplatz bei und helfen, die Arbeiter auf mögliche Gefahren frühzeitig aufmerksam zu machen.

Hinzukommt, dass einige Modelle in einem explosiven Arbeitsumfeld eingesetzt werden können oder sich mit Schutzbrillen kombinieren lassen. Nicht weniger relevant ist der Einsatz auch für die Mitarbeitergewinnung, -zufriedenheit und -bindung. Laut einer Studie von Dell und Intel im Jahr 2016 würden 42% der Millennials ihren Arbeitsplatz aufgrund minderwertiger Technologiestandards verlassen. Der Einsatz von Datenbrillen eignet sich daher, um Mitarbeiter zufriedenzustellen und sie bei ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen.

Die Infografik zeigt die Vorteile von Augmented Reality auf Seiten des Mitarbeits.
Die Infografik zeigt die Vorteile von Augmented Reality auf Seiten des Mitarbeits. (Bild: Ubimax)

Anzumerken ist, dass neue Technologien mit Bedacht eingesetzt werden müssen, um eine nachhaltige Veränderung der Strukturen und Prozesse zu gewährleisten.

AR in die Firmen-IT implementieren

Das gilt auch für AR im industriellen Kontext. Wichtig ist, Arbeitnehmern aller Altersstufen die Vorteile einer technischen Entwicklung wie der Datenbrille aufzuzeigen und sie frühzeitig in die sich verändernden Abläufe einzubeziehen sowie entsprechend zu schulen. Ansonsten entstehen sogenannte Digitale Verlierer, deren Unzufriedenheit das Betriebsklima stark negativ beeinflussen kann. Im Hinblick auf die technische Infrastruktur im Unternehmen müssen für den Einsatz von AR einerseits die WiFi-Abdeckung sowie andererseits auch die Serverstruktur bedacht werden.

Eine stabile Integration in die Bestands-IT und eine ausgereifte Server-Plattform für den Betrieb der Brillen, möglichst für mehrere Anwendungsszenarien, erleichtert die Arbeit des IT-Teams. Im Falle von Remote-Support-Lösungen oder bidirektionalen Video-Calls gilt es an das Routing der Kommunikation zu denken und entsprechende Services einzuplanen. Neuerdings steht auch Skype-for-Business auf Datenbrillen zur Verfügung, wobei einfach auf eine bereits implementierte Windows-Infrastruktur zurückgegriffen werden kann.

Datenbrillen an das Unternehmen anpassen

Außerdem werden für den produktiven Einsatz von Datenbrillen lokale Applikationen benötigt. Diese müssen erstellt, verwaltet und auf die Brillen gespielt werden. Anbieter wie Ubimax haben hier Self-Service-AR-Tools in ihre Server-Lösungen integriert, mit denen Unternehmen ihre eigene Arbeitsabläufe und Prozeduren selbständig auf die Brillen bringen können. So wird das eigene Prozess-Know-how geschützt, Anpassungen und neue Arbeitsabläufe sind kurzfristig realisierbar und die Unternehmen machen sich nicht vom Hersteller und dessen Antwortzeiten abhängig.

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Referenz

* Friederike Truthe ist bei Ubimax in Bremen für das Marketing verantwortlich.

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