Draisine 200.0

Historisches Laufrad nachgebaut und elektrifiziert

| Redakteur: Sandra Häuslein

Kleine Fehler, drastische Wirkung

„Bei den herkömmlichen Elektrofahrrädern schaltet sich der Motor ein, wenn sich die Pedale bewegen, bei der Draisine gibt es diese nicht“, erklärt Hermanns. Genau zu erfassen, wann der Fahrer das Laufrad anschiebt, wurde daher zur Herausforderung, die Feinabstimmung der entwickelten Steuer-Software zur Nervenprobe. Die Forscher merkten schnell, dass schon kleine Fehler drastische Wirkung haben.

„Stellen Sie sich vor, Sie holpern über einen Bordstein, die Sensorik interpretiert dies als Anschieben und lässt den Elektromotor auf 25 km/h Höchstgeschwindigkeit beschleunigen“, erläutert Hermanns die Brisanz. Immer wieder testeten die Mitglieder seiner Gruppe den Prototypen, allen voran Gereon Fox und Florian Schießl.

Sie montierten sogar eine Kamera am Rahmen, um per Videobeweis das korrekte Zusammenspiel von menschlicher und elektrischer Antriebskraft zu verifizieren. Um die Videoaufnahmen mit den gemessenen Sensor-Daten zu synchronisieren, entwickelten sie auch eine spezielle Leuchtdioden-Uhr, die sie automatisch auslesen konnten.

Testfahrt mit drittem Prototyp

Die Anstrengungen zeigten Wirkung: Der dritte Prototyp – Mini-Computer, Batterie und Beschleunigungssensor sind inzwischen ganz im Holzrahmen verschwunden – lässt sich nicht mehr durch starkes Rütteln fortbewegen.

Für die Forscher um Professor Hermanns ist dies jedoch erst der Anfang: „Wir werden nun die Korrektheit der Software verifizieren, also mathematisch beweisen, dass der Motor nicht über die erlaubte Höchstgeschwindigkeit antreibt und dass die Batterie nicht überlastet wird“, erklärt Hermanns. Jetzt will der Informatik-Professor jedoch erst einmal mit dem aktuellen Prototyp eine längere Testfahrt unternehmen. Denn so fing schließlich vor 200 Jahren auch alles an.

An der Draisine 200.0 arbeiteten ebenfalls Sebastian Biewer, Felix Freiberger und Gilles Nies mit. Das Projekt wurde mit dem Preisgeld des ERC Advanced Grant finanziert.

Der Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partnerportal konstruktionspraxis erschienen.

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nette Spielerei, aber der Praxisnutzen dürfte sich in engen Grenzen halten! Ob diese Verwendung...  lesen
posted am 27.06.2017 um 16:29 von roby111


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