250.000 € Preisgeld Hightech-Hörgerät erhält Deutschen Zukunftspreis 2012

Redakteur: Peter Koller

Bundespräsident Joachim Gauck hat gestern Abend (28. November) in Berlin die Entwickler des Projektes „Binaurale Hörgeräte – räumliches Hören für alle“ mit dem Deutschen Zukunftspreis 2012 ausgezeichnet. Bemerkenswert: Alle vier Projekte auf der Shortlist hatten einen starken Bezug zur Elektronik.

Firmen zum Thema

(Deutscher Zukunftspreis)

Den von Gauck mit dem Zukunftspreis ausgezeichneten Wissenschaftlern Prof. Dr. rer. nat. Dr. med. Birger Kollmeier (Sprecher), Prof. Dr. rer. nat. Volker Hohmann (beide Institut für Pysik und Exzellenzzentrum für Hörforschung, Universität Oldenburg) und Dr.-Ing. Torsten Niederdränk (Siemens AG, München), ist es gelungen, die technologische Basis für neuartige Hörsysteme zu schaffen, bei denen zwei Hörgeräte in beiden Ohren gekoppelt und entsprechend des individuellen Hörschadens aufeinander abgestimmt sind. Diese Technologie kann die Lebensqualität von Schwerhörigen deutlich verbessern und es ihnen wesentlich erleichtern, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Eine erhebliche Herausforderung bei dem Projekt lag zunächst darin, die Draht-Verbindung zwischen dem linken und dem rechten Hörgerät durch eine schnelle, drahtlose Datenverbindung zu ersetzen. Für eine echte binaurale Verarbeitung von Signalen ist eine hohe Datenrate zwischen beiden Ohren bei gleichzeitiger Datensicherheit notwendig. Diese Anforderung ist mit dem limitierenden Faktor der Energieversorgung einer Hörgerätebatterie in Einklang zu bringen.

Ebenso darf die binaurale Verarbeitung zu keiner oder allenfalls zu einer minimalen Verzögerung der Darbietung führen. Damit sind die aktuellen Standard-Lösungen aus dem Telekommunikations-Sektor (z. B. Bluetooth oder DECT) nicht einsetzbar. Erst durch die von Torsten Niederdränk bei der Firma Siemens Audiologische Technik geleisteten Arbeiten und die hierfür erteilten Patente konnte diese Aufgabe gelöst werden.

Das erste kommerzielle binaurale Hörgerät Acuris wurde 2004 von der Firma Siemens Audiologische Technik auf den Markt gebracht. Inzwischen laufen weltweit bei allen Hörsystemherstellern Entwicklungen, die sich den Leistungen der drahtgebundenen Labor-Prototypen Schritt für Schritt annähern.

Der Deutsche Zukunftspreis wurde in diesem Jahr zum 16. Mal vergeben. Der Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation ist mit 250.000 Euro dotiert und würdigt sowohl die Entwicklung des Verfahrens als auch dessen erfolgreiche Umsetzung in den Markt.

Neben dem Gewinnterteam zeichnete der Bundespräsident die drei weiteren Forscherteams mit einer Urkunde aus, die ebenfalls für die Endrunde des Deutschen Zukunftspreises 2012 nominiert waren:

„Radaraugen im All – Revolutionäre Technik für Erde und Umwelt“

Prof. Dr.-Ing. habil. Alberto Moreira (Sprecher), Dr.-Ing. Gerhard Krieger und Dr.-Ing. Manfred Zink, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR, Oberpfaffenhofen. Dieses Team hat ein völlig neues Erdbeobachtungssystem geschaffen, bei dem ein Tandem aus zwei Radarsatelliten den Globus in einem ausgeklügelten Formationsflug umrundet und einen einzigartigen 3-D-Blick auf unsere Erde ermöglicht. Zukünftige Anwendungen profitieren außerdem von einer neu entwickelten, digitalen Radarantenne, die rund um die Uhr und aus jedem Winkel der Erde aktuelle und hochpräzise Informationen für intelligente Verkehrssysteme, Klimaforschung, Umweltbeobachtung und Katastrophenschutz bereitstellen wird.

„Integrity Guard - Sicherheit für die vernetzte Welt“

Dr.-Ing. Stefan Rüping (Sprecher), Dipl.-Ing. Marcus Janke und Dipl.-Ing. Andreas Wenzel, Infineon Technologies AG, Neubiberg. Die Ingenieure haben eine digitale Sicherheitstechnologie der neuesten Generation entwickelt, die sensible Daten sehr effizient gegen Angreifer schützt. Ihre weltweit einmalige Lösung nutzt zwei Kniffe, die bislang so nicht realisiert wurden: Im Prozessorkern, dem Herzen des Sicherheitschips, arbeiten zwei Recheneinheiten, die sich laufend gegenseitig kontrollieren und im Falle von Manipulation entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten. Und: Die Daten werden erstmals auch im Prozessorkern verschlüsselt verarbeitet. Dies verhindert Fälle von Missbrauch und Manipulation von sensiblen Daten auf z.B. Chipkarten und elektronischen Ausweisdokumenten.

„Brillante Videos überall – effiziente Codierung mit internationalen Standards“

Prof. Dr.-Ing. Thomas Wiegand (Sprecher), Dr.-Ing. Detlev Marpe und Dr.-Ing. Heiko Schwarz, Fraunhofer Institut für Nachrichtentechnik - Heinrich Hertz Institut, Technische Universität, Berlin. Die Forscher waren maßgeblich daran beteiligt, ein Verfahren zu schaffen das Videodaten ohne sichtbaren Qualitätsverlust effizient komprimiert. Diese Technologie wird inzwischen weltweit genutzt. Sie ermöglicht es, Videos mit nur geringem Bedarf an Übertragungskapazität oder Speicherplatz – auch auf mobilen Geräten – zu betrachten oder zu versenden. Damit legten die Forscher einen Grundstein für den überwältigenden Erfolg der Übertragung von Videokonferenzen, Filmen, Fernsehprogrammen und Videoclips – sei es als HDTV, 3DTV, im Web oder Mobilfunk.

Vorschlagberechtigt für den Zukunftspreis sind die führenden deutschen Institutionen aus Wissenschaft und Wirtschaft, deren Präsidenten oder Vorsitzende dem Bundespräsidenten bis zu drei Projekte benennen können. Deren wissenschaftliche Relevanz und formale Übereinstimmung mit den Statuten des Preises wird zunächst bei diesen Institutionen überprüft. In mehreren Sitzungen filtert dann die Jury die Einreichungen und entscheidet sich für drei bis vier Innovationen, die in die Endrunde gelangen.

(ID:35551860)