High-Tech-Industrie drängt USA und EU zum Abbau der Handelsschranken

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Patrick Wilson (Direktor des US-Büros für Geschäftsbeziehungen, links) und Josef Lechner (Senior Sales Direktor EMEA bei Analog Devices, Mitte) lassen sich ein integriertes System des Elektronikunternehmens demonstrieren. In einem Round-Table-Gespräch setzte sich Lechner für einen Abbau bestehender Handelsregularien zwischen der EU und den USA ein.
Patrick Wilson (Direktor des US-Büros für Geschäftsbeziehungen, links) und Josef Lechner (Senior Sales Direktor EMEA bei Analog Devices, Mitte) lassen sich ein integriertes System des Elektronikunternehmens demonstrieren. In einem Round-Table-Gespräch setzte sich Lechner für einen Abbau bestehender Handelsregularien zwischen der EU und den USA ein. (Bild: VOLKER CRONE / Analog Devices)

Analog Devices hat in einem Gespräch mit Vertretern des US-Handelsministerium die Politik aufgefordert, ihre Bemühungen zum Abbau der bestehenden Handelsschranken in der High-Tech-Industrie zu verstärken. Moderne Unternehmen seien auf den reibungslosen Ablauf komplexer Lieferketten angewiesen.

Aktuell bestehen zwischen den Handelszonen USA und EU zahlreiche regulatorische Schranken beim transatlantischen Austausch von Komponenten und Systemen in wichtigen High-Tech-Märkten. Diese behinderten nicht nur den Handel für Unternehmen in Industrie-und Gebäudeautomatisierung, Kommunikation, Automotive sowie Luftfahrt- und Verteidigungsequipment, argumentiert Josef Lechner, Senior Sales Direktor EMEA bei Analog Devices, im Namen des Halbleiterherstellers. Diese Regularien schränkten darüber hinaus auch den Innovationsspielraum für Unternehmen massiv ein.

Zwar (noch) keine Zollschranken, aber zahlreiche Regularien

„Elektronikbauteile wie beispielsweise Halbleiter unterliegen zwar keinen schädlichen Zolltarifen,“ sagte Lechner. „Doch die Einhaltung von belastenden Bestimmungen wie die Datenschutz-Grundverordnung der EU oder die Regelungen des internationalen Waffenhandels (ITAR) der USA behindert die Ausfuhr von Technologiekomponenten und –systemen.“

Die Forderung fiel im Rahmen eines Round-Table-Gespräch mit Patrick Wilson, Direktor des Büro für Geschäftsbeziehungen (Office of Business Liaison) des US-Handelsministeriums, und anderen Vertretern der US-Politik. Das US-Handelsministerium hatte im Rahmen der Hannover Messe mehrere Vertreter der High-Tech-Industrie von Unternehmen, die sowohl in den USA als auch der EU tätig sind, eingeladen.

Josef Lechner ließ Patrick Wilson wissen, dass Analog Devices gerne eine Vereinfachung der ITAR für zertifizierte Unternehmen sähe, die in Mitgliedsstaaten des NATO-Bündnisses aktiv sind. Analog Devices forderte auch die Verfügbarkeit von EU-Mitteln für Technologie- und Innovationsprogramme für die europäischen Niederlassungen von US-Unternehmen, wie sie großen heimischen europäischen Unternehmen zukommen.

Der bestehende USA-China-Konflikt könnte auf die EU übergreifen

Das US-Handelsministerium hatte während der Hannover Messe mehrere sowohl in den USA als auch in der EU tätige Unternehmen zu Gesprächen eingeladen. Ziel sei es zu verstehen, welche Probleme sich derzeit im transkontinentalen Handel zwischen den USA und der EU ergeben und über welche Schwierigkeiten multinationale Unternehmen besonders belasten. Der Warenhandel zwischen der EU und den USA hat einen Wert von rund 1,1 Billionen Dollar pro Jahr.

Im Oktober 2018 hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, ein Handelsabkommen mit der EU aushandeln zu wollen. Weitere Maßnahmen lassen aber derzeit noch auf sich warten. Zuvor hatte sich der US-Präsident immer als Gegner entsprechender Handelsabkommen erklärt. Die EU und die USA hatten vor der Wahl Trumps das gemeinsame Freihandelsabkommen TTIP fast zu Ende verhandelt, nach der Wahl von Trump und noch vor dessen Amtseinführung wurde es auf Eis gelegt.

Die EU zeigte sich grundsätzlich gesprächsbereit für ein Abkommen mit den USA über den Handel mit Industrieprodukten. Erst im März hatte der US-Präsident der EU erneut mit „ziemlich schwerwiegenden Maßnahmen“ gedroht, sollte sie nicht zu Verhandlungen über ein Handelsabkommen bereit sein. Konkret steht die Androhung von Zöllen auf Automobile und Autoteile aus der EU im Raum. Auch sprach Trump den – faktisch falschen – Vorwurf aus, die EU hätten schon unter seinem Amtsvorgänger Barack Obama nicht über Handel sprechen wollen.

Am Dienstag,den 9. 4. 2019, hatte Donald Trump zudem mit „Vergeltungen“ als Strafe für Subventionen für den Flugzeughersteller Airbus gedroht. Der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer legte bereits eine vorläufige Liste mit EU-Gütern vor, die als Vergeltung für die Airbus-Subventionen mit Strafzöllen belegt werden könnten. Sie umfasst neben Produkten für die Luftfahrtindustrie auch etliche andere Waren wie etwa etliche Käsesorten, Olivenöl, Orangen, Wein, Meeresfrüchte oder Bekleidung. Seit 2018 bestehen zwischen den USA und der EU bereits Zollschranken auf Stahl- und Aluminium-Importe.

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Bevor wir mit einem Land auf der Welt, Handel betreiben möchten, müssen wir erst in den USA fragen...  lesen
posted am 15.04.2019 um 11:36 von Unregistriert


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