Next Hour Delivery

Heute bestellt, morgen geliefert – die Logistik im Wandel

| Autor / Redakteur: Chris McAneny * / Margit Kuther

Blick ins Lager von Future Electronics: Kunden verlangen Next Day Delivery
Blick ins Lager von Future Electronics: Kunden verlangen Next Day Delivery (Bild: Future Electronics)

Die Zeiten wochenlangen Wartens auf Bestellungen sind vorbei. Aktuell erwarten Kunden Lieferungen am nächsten Tag – der Trend geht zur Next-Hour-Verfügbarkeit. Die Supply Chain muss sich wandeln.

Die Konsummentalität der Endkunden hat sich gravierend verändert. Heute dominiert der Wunsch nach sofortiger Verfügbarkeit eines Guts, so dass sich die Zeitspanne zwischen Bestellvorgang und Lieferung von einigen Wochen Lieferzeit auf Next Day Delivery verkürzt hat.

Die Distribution kann Kunden dabei helfen, mit dieser neuen Realität Schritt zu halten. Next Day Delivery tritt an, sich als neuer Standard zu etablieren, aufbauend auf dem Bedürfnis einer Konsumgeneration, die nicht mehr auf eine bestellte Ware warten möchte. Schon spekulieren Visionäre, dass zukünftig Next-Hour-Verfügbarkeit zur Realität wird, wenn erst Drohnen die Auslieferung von Gütern via unbemannter Luftfracht übernehmen.

Dann steht der Bedürfnisbefriedigung der Konsumenten kein langer Lieferzyklus mehr im Wege. Diese neue Konsumwelt bringt nicht nur die Bedeutung des stationären Fachhandels ins Wanken, sondern auch die etablierten Prozesse des Supply-Chain-Managements und Forecastings beim Hersteller der Waren. Solange Kunden etwa ihre neue Waschmaschine im Laden bestellten und eine vierwöchige Lieferfrist in Kauf nahmen, war die Vorratshaltung der benötigten Komponenten beim Hersteller absehbar.

Bei einem solchen Built-to-Order-Modell ist der Bedarf an Endprodukten und dementsprechend Bauteilen kalkulierbar. Leichte Nachfrageschwankungen konnten gegebenenfalls noch durch Anpassungen der Produktionsauslastung korrigiert werden. Der Forecast war über einen Monatszeitraum möglich und damit die Bauteilelieferkette gewährleistet. Bestellung und Bevorratung von Komponenten waren im Einklang mit dem Forecast, auf den sich auch das Supply-Chain-Management zuverlässig stützen konnte.

Diese Regelmäßigkeit trifft in vielen Industriesegmenten heutzutage nicht mehr zu. Durch die Mentalität der Kunden, die ihre Ware gleich nach der Bestellung einfordern, müssen Hersteller ihre Lieferkette an eine variable Nachfrage anpassen.

Verfügbarkeit am nächsten Tag statt Built-to-Order

OEMs können nicht mehr vorhersehen, wie viele Einheiten der Markt in der nächsten Woche in einer solch schnelllebigen Konsumwelt verlangt. Gleichzeitig ist der Hersteller einem noch größeren Kosteneffizienzdruck ausgeliefert, der ihn zwingt, mit minimaler Bevorratung für wenige Tage zu operieren. Plötzliche Nachfragespitzen haben katastrophale Folgen, da die Lieferkette nicht auf Schwankungen ausgelegt ist. Denn im Hintergrund des Bestellvorgangs laufen noch die herkömmlichen Systeme der Supply Chain ab.

Die Hersteller haben zwar nicht die Kunst des Forecastings verlernt, aber der Markt hat sich verändert, so dass oftmals die Vorhersagen nicht das Papier wert sind, auf denen die Prognosen ausgedruckt sind. In der Realität weiß der Hersteller nicht, wie viele Einheiten der Markt nächste Woche, geschweige denn in vier Wochen abfragt. Die Konsumwelt ist sehr viel schneller, flüchtiger und unvorhersehbarer geworden.

In einer solchen Welt kann sich die Supply Chain nicht mehr nur auf Prognosen stützen und sich aus Kostengründen auf Vorratshaltung von wenigen Tagen verlassen. Auch wenn so das arbeitende Kapital auf ein Minimum reduziert werden kann und das Risiko eliminiert wird, unbenötigte Vorräte zu vermeiden. Auf unvorhergesehene Nachfragespitzen ist ein solches Modell nicht ausgelegt. Die Verknappung einer einzigen Komponente bringt in einem solchen System die komplette Produktion zum Stillstand. Wenn die Supply Chain nur für wenige Tage Buffer Stocks bevorratet, ist das Risiko zu kurzatmig kalkulierter Vorräte höher.

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