Autonome Waffensysteme Hawking, Wozniak und Musk warnen vor Entwicklung militärischer KI

Autor: Sebastian Gerstl

Die Entwicklung intelligenter, autonom agierender Kampfmaschinen, popularisiert durch Filme wie "Terminator", könnten schon bald Realität werden. In einem offenen Brief warnen zahlreiche KI- und Robotik-Forscher daher eindringlich vor dem Beginn eines militärischen KI-Wettrüstens.

Szene aus dem Film "Terminator: Genisys". Forscher und Technologie-Industriegrößen wie Stephen Hawking, Noam Chomsky, Steve Wozniak und Elan Musk warnen in einem offenen Brief von der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz für moderne Waffensysteme.
Szene aus dem Film "Terminator: Genisys". Forscher und Technologie-Industriegrößen wie Stephen Hawking, Noam Chomsky, Steve Wozniak und Elan Musk warnen in einem offenen Brief von der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz für moderne Waffensysteme.
(Bild: Paramount Pictures)

Intelligente Drohnen und andere autonome Waffensysteme, die Menschen eigenständig aufsuchen und töten können, sind bereits plausibel und könnten in wenigen Jahren zur Realität werden. In einem offenen Brief warnten zur Eröffnung der Fachkonferenz zu Künstlicher Intelligenz IJCAI (Internationan Joint Conference on Artificial Intelligenz) zahlreiche Forscher und bekannte Persönlichkeiten aus Technologie und Industrie vor den Gefahren eines möglichen militärischen Wettrüstens im Bereich der autonomen Waffensysteme. Zu den Unterzeichnern des Briefs gehören unter anderem der Physiker Stephen Hawking, Apple-Mitbegründer Steve Wozniak, der CEO von Tesla Motors Elon Musk, der Wissenschaftshistoriker George Dyson und der Linguist und Soziologe Noam Chomsky.

Autonome Waffen wählen ihre Ziele eigenständig. Bislang steuern noch Menschen Flugdrohnen, um aus der Ferne anzugreifen. Doch ein mit künstlicher Intelligenz aufgerüsteter, bewaffneter Quadcopter könnte nach vorbestimmten Kriterien eigenständig Gebäude oder gar bestimmte Menschen aufsuchen und eliminieren. Autonome Waffensysteme seien demnach, so der Brief nach Schießpulver und Atomwaffen die dritte Revolution in der Kriegsführung. Jede größere Militärmacht, die mit der Entwicklung Künstlicher Intelligenz für den militärischen Einsatz beginnt, würde andere Nationen zwingen nachzuziehen. Die Folgen eines solchen militärischen Wettrüstens mit KI-Waffensystemen wäre nach Auffassung der Forscher katastrophal.

Anders als Atomwaffen seien solche autonomen Waffensysteme einfacher herzustellen und nicht von seltenen Rohstoffen abhängig. Sie sind demnach einfacher und billiger zu produzieren. Somit wäre es nur eine Frage der Zeit, bis eine solche Technologie auf dem Schwarzmarkt auftaucht und in die Hände von Diktatoren, Terroristen oder Warlords gerät. Ohne einen eingreifenden menschlichen Faktor könnten diese autonomen Waffensysteme damit leicht missbraucht werden: Für Anschläge, zur Unterdrückung der Zivilbevölkerung, oder gar zur gezielten ethnischen Säuberung anhand nahezu frei wählbarer Parameter.

So wie auch die meisten Chemiker und Biologen kein Interesse daran hätten, dass ihre Ideen für Waffen verwendet wären, seien auch die meisten KI-Forscher nicht an der Entwicklung von autonomen Waffensystemen interessiert. Zum Wohle der Menschheit appellieren daher die fast 2000 Unterzeichner des offenen Briefs an die Weltregierungen, von vorneherein die Entwicklung solcher mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Waffensysteme zu verbieten. "Wir glauben, dass KI das Potential hat, der Menschheit auf vielfältige Weise zu helfen, und dass dies das Ziel des Forschungsfeldes sein sollte," heißt es in dem Statement. "Ein militärisches KI-Wettrüsten zu beginnen ist eine schlechte Idee, und sollte vorsorglich durch ein Verbot autonomer Angriffswaffen, die sich jenseits bedeutsamer menschlicher Kontrolle befinden, verhindert werden".

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