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US-Wahlen Hat Mitt Romney wegen eines Softwarefehlers gegen Obama verloren?

| Redakteur: Franz Graser

Vergangene Woche waren sich die US-Republikaner noch am Abend des Wahltages sicher, dass Mitt Romney der nächste Präsident der USA sein würde. Doch der Ex-Gouverneur verlor überraschend klar – vermutlich auch wegen eines Softwarefehlers.

Die Niederlage von Mitt Romney bei der US-Präsidentschaftswahl führen Republikaner unter anderem auf technische Fehler der Web-Applikation ORCA zurück.
Die Niederlage von Mitt Romney bei der US-Präsidentschaftswahl führen Republikaner unter anderem auf technische Fehler der Web-Applikation ORCA zurück.
(Bild: Mitt Romney by Gage Skidmore 6.jpg / Gage Skidmore, Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0)

Mit der Geheimwaffe ORCA wollten die Republikaner Barack Obama nach nur einer Amtszeit aus dem Weißen Haus vertreiben. ORCA war der Codename für eine webbasierte Applikation, die den Wahlhelfern der Romney-Kampagne einen Überblick verschaffen sollte, welche Bürger eines Wahlbezirks bereits abgestimmt hatten. Die noch ausstehenden Wähler sollten dann mit Telefonanrufen oder auch Hausbesuchen dazu aufgefordert werden, ihre Stimme abzugeben.

Ein US-Bürger, der sich in das Wählerverzeichnis seiner Gemeinde eintragen lässt, kann auch die Parteipräferenz angeben – damit ist er zum Beispiel berechtigt, an den Vorwahlen der Demokraten oder Republikaner teilzunehmen. Mit der ORCA-App sollten 34.000 freiwillige Helfer der Romney-Kampagne per Smartphone oder Tablet auf die Wählerlisten eines Stimmbezirks zugreifen können.

Strategisch günstig im Wahllokal platziert, sollten die Helfer im Lauf des Wahltags die Bürger, die ihre Stimme bereits abgegeben hatten, aus der Liste streichen. Wer noch nicht gewählt hatte, der sollte wie gesagt eine Aufmunterung durch einen Telefonanruf oder einen kurzen Hausbesuch anderer Wahlhelfer erhalten. Dadurch sollte das Romney-Team in dessen Hauptquartier in Boston jederzeit darüber im Bilde sein, ob in einem kritischen Bundesstaat ein Sieg in greifbarer Reichweite war – und falls nicht, sollten noch Wähler mobilisiert werden.

Als vergangene Woche der Ernsfall eintrat, versagte die Technik allerdings gründlich. Einerseits zeigte sich, dass die Wahlhelfer zum Teil nur unzureichend geschult waren. Laut einem Bericht der Online-Zeitung Huffington Post suchten manche Freiwillige in den App Stores von Google und Apple nach dem Programm, da die Instrukteure nicht klar genug gemacht hatten, dass es sich um eine webbasierte Applikation handelte. Die Unterlagen, die an die Wahlhelfer ausgehändigt worden waren, enthielten verwirrende Informationen sowie eine fehlerhafte Webadresse. Ein betroffener Kampagnen-Helfer erzählte dem Business Insider, dass er mehrmals versucht hatte, das Romney-Team telefonisch von dem Problem zu unterrichten. Er erreichte jedoch immer einen Anrufbeantworter und erhielt während des Wahltages keinen Rückruf.

Das Vertrauen des Romney-Teams in ORCA mag erklären, warum die Republikaner trotz der Umfragen, die auf einen Sieg von Obama hindeuteten, noch am Abend des 6. November zuversichtlich waren, die Wahl zu gewinnen.

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