Harting „pusht“ die Gruppe mit erneut zweistelligem Umsatzwachstum

| Redakteur: Kristin Rinortner

Der HARTING Vorstand ist mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 sehr zufrieden: Andreas Conrad, Dr. Michael Pütz, Margrit Harting, Dr. Frank Brode, Philip Harting, Maresa Harting-Hertz und Dietmar Harting (von links nach rechts).
Der HARTING Vorstand ist mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 sehr zufrieden: Andreas Conrad, Dr. Michael Pütz, Margrit Harting, Dr. Frank Brode, Philip Harting, Maresa Harting-Hertz und Dietmar Harting (von links nach rechts). (Bild: Harting)

Die Harting-Technologiegruppe hat auch das aktuelle Geschäftsjahr mit einem Umsatzwachstum von 13,4 Prozent auf 762 Mio. Euro abgeschlossen. Das größte Plus kam aus den Regionen Asien und EMEA.

Harting ist im Geschäftsjahr 2017/18 erneut zweistellig gewachsen. Mit einem Plus von 13,4 % erzielte das weltweit tätige Familienunternehmen einen Umsatz von 762 Mio. € (Vorjahr: 672 Mio. €) und damit einen weiteren Rekord in der 73-jährigen Konzerngeschichte.

Das Wachstum übertraf deutlich die Prognose des Vorstands von fünf bis sechs Prozent aus dem Dezember 2017. „Das ist eine Top-Performance, die uns stolz macht. Mit der geschäftlichen Entwicklung sind wir sehr zufrieden“, freut sich Vorstandsvorsitzender Philip Harting. Der Umsatz hat sich innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt: Im Geschäftsjahr 2007/08 betrug der Umsatz 345 Mio. €.

Das Unternehmen aus Espelkamp hat mit diesem Ergebnis einen weiteren großen Schritt in Richtung Weltunternehmen gemacht. Das Wachstum kam aus allen Regionen und allen Märkten.

„Mit unserem globalen Netzwerk aus Entwicklungs-, Produktions- und Vertriebsgesellschaften sind wir bestens aufgestellt. Unsere Kunden wissen, dass sie sich auf die Qualität unserer Produkte, Konnektivitätslösungen und Services verlassen können.“, so Philip Harting. Das Unternehmen sei Wegbereiter und Partner von Industrie 4.0, machte Philip Harting weiter deutlich: „Dort, wo es um Automatisierung, Digitalisierung und die Vernetzung von Maschinen mit der Cloud geht, gehören unsere Produkte und Lösungen zu den weltweit besten in der Branche.“ Wachstumstreiber waren die Impulse aus den Marktsegmenten Transportation, Maschinenbau, Automation und Robotik.

Wachstum in allen Regionen

Zum positiven Ergebnis trugen alle Regionen bei. Das stärkste Plus gab es in der Region Asien mit einer Steigerung von 18% auf 187 Mio. € (Vorjahr: 158 Mio. €). In Europa (ohne Deutschland) und dem Nahen Osten, nahm der Umsatz um 17% auf 263 Mio. € (Vorjahr: 225 Mio. €) zu. In der Region Americas verzeichnete die Technologiegruppe ein Plus von 8% auf 79 Mio. € (Vorjahr: 73 Mio. €).

Auch in Deutschland entwickelte sich das Geschäft weiter positiv. Hier verbuchte das Unternehmen ein Plus von 8% auf 233 Mio. €. (Vorjahr: 216 Mio. €). „Auf dem bereits hohen Niveau in Deutschland konnten wir noch einmal eine Schippe drauflegen. Das ist eine erfreuliche Leistung“, sagt Philip Harting. Rund 70% (69,4%; Vorjahr: 67,8%) des Gesamtumsatzes erzielt die Technologiegruppe mittlerweile im Ausland.

Kernkompetenzen helfen anderen Unternehmen in OWL

Harting wird das Thema Digitalisierung weiter mit Hochdruck vorantreiben, wie Philip Harting deutlich machte. Von den innovativen Lösungen in der Digitalisierung und der Marke HARTING profitieren auch einzelne Tochtergesellschaften der Technologiegruppe. So stellte Harting Applied Technologies für die Produktion von Bernstein-Sicherheitsschaltern eine Produktionsanlage her, die im August in der Produktionsstätte in Hille-Hartum übergeben wurde. Harting Applied Technologies ist ein anerkannter Spezialist im Sondermaschinenbau.

„Mit unserer Kompetenz im Bereich Konnektivität, Infrastruktur und Maschinenbau helfen wir anderen Mittelständlern hier in der Region Ostwestfalen-Lippe noch effektiver und leistungsfähiger zu werden“, betont Philip Harting. Auch Harting Systems, Spezialist für Verkaufssysteme und Warenverkaufsautomaten im Retail-Bereich, profitiert von der Digitalisierung und dem Knowhow in der Technologiegruppe.

Elektromobilität eröffnet große Chancen

Große Chancen sieht der Vorstandsvorsitzende in der Elektromobilität. Die Espelkamper haben mit den Partnern Rinspeed und KUKA eine automatisierte Lade-Lösung geschaffen: Der Ladeassistent – ein Greifroboter von KUKA – führt den DC-Combo-2-Steckverbinder optimal in die Ladesteckdose am Fahrzeug ein. Nach dem Ladevorgang zieht der Roboter den Steckverbinder samt Kabel wieder ab, und das Fahrzeug ist nach kurzer Zeit wieder einsatzbereit. Die DC-Versorgung ist an den Ladeassistenten angepasst.

Die Tochtergesellschaft Harting Automotive ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen und investiert in die Ausweitung ihrer Produktionskapazitäten in Sibiu und Agnita (Rumänien). Das Unternehmen ist seit langem auf dem Markt der Zulieferindustrie Automotive zuhause und verzeichnete zuletzt eine stark gestiegene Nachfrage nach E-Mobility-Lösungen.

Auf der Basis seiner jahrzehntelangen Erfahrungen im Bereich von Anschluss- und Übertragungstechnik entwickelt und produziert das Unternehmen Lade-Equipment für Elektro- und Plug-In-Hybridfahrzeuge. Die Schnellladetechnik (Fast-Charging) ist ein überzeugendes Beispiel des wachsenden Marktbedarfs und führt zu einem stetigen Aufbau des Portfolios an Produkten und Komponenten.

Investitionen in Entwicklung, Produktion und Vertrieb

„Wir haben im abgelaufenen Geschäftsjahr insgesamt rund 63 Mio. € investiert“, verkündet Vorstand Maresa Harting-Hertz. Ein erheblicher Teil davon floss in das European Distribution Center (EDC) in Espelkamp. Ebenfalls investiert wurde in die Neuproduktentwicklung im Harting Development Center (HDC) in Rahden. Im HDC werden die Entwicklungskompetenzen mit Fokus auf Industrie 4.0 gebündelt. „Damit haben wir unser Standorte in Espelkamp und Rahden gestärkt“, fasst Harting-Hertz zusammen.

Nicht zuletzt baut die Firma ihr globales Produktionsnetzwerk weiter aus und schafft damit die Voraussetzungen für weiteres Wachstum und eine flexiblere und performantere Produktion. „In Espelkamp wurde daher im abgelaufenen Geschäftsjahr die digitale und automatisierte Produktion erweitert“, so Vorstand Andreas Conrad.

Aus- und Weiterbildung

Das erneute zweistellige Umsatzwachstum und die Investitionen in die Zukunftssicherung hatten einen positiven Effekt auf die Personalentwicklung, wie Vorstand Dr. Michael Pütz erklärte. Die Zahl der Mitarbeitenden (einschließlich Auszubildende) stieg im Verlauf des Geschäftsjahres 2017/18 auf 4.980 (Vorjahr: 4.639). Das entspricht einem Anstieg von 7,4%.

Im Inland wurden 77 neue Stellen geschaffen (3,1%), in den ausländischen Produktionsstätten und Tochtergesellschaften 264 Mitarbeitende eingestellt (12,3%). An den deutschen Standorten (Espelkamp, Rahden, Minden) waren damit am 30. September 2018 insgesamt 2.577 Mitarbeitende tätig, im Ausland 2.403.

Aus- und Weiterbildung haben bei der Technologiegruppe seit Jahrzehnten einen hohen Stellenwert. Derzeit werden 150 kaufmännische und technisch-gewerbliche Auszubildende sowie Duale Studenten in 22 Berufen auf ihre künftigen Tätigkeiten vorbereitet. Das 2008 eröffnete und 2015 erweiterte Neue Ausbildungszentrum HARTING (NAZHA) konnte Mitte des Jahres ein kleines Jubiläum feiern. Über 400 junge Leute wurden im ersten NAZHA-Jahrzehnt ausgebildet und alle bestanden ihre Abschlussprüfung.

Digitalisierung des Unternehmens ist Pflicht

Die Digitalisierung und der technologische Umbau des Unternehmens wird Harting auch die nächsten Jahre fordern. Alles was vernetzt werden könne, werde vernetzt. „Um in der Branche langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben und um auch in den nächsten Jahren zu wachsen, müssen wir alle Prozesse digitalisieren, die notwendig sind“, unterstreicht der Vorstandsvorsitzende. Er sieht Bundes- und Landesregierung in der Pflicht, in die digitale Infrastruktur (Stichworte: Breitbandausbau und 5G) zu investieren.

Philip Harting sieht die Technologiegruppe gut aufgestellt, dennoch gelte es, die Märkte und konjunkturelle Entwicklung aufmerksam und genau zu beobachten: „Wir haben die Risiken und die Herausforderungen im Blick“. Als Risiken nannte er in diesem Zusammenhang „Handelskriege“, Strafzölle und auch den Brexit. „Die Konjunktur hat sich im vierten Quartal unseres Geschäftsjahres eingetrübt“, führte er weiter aus. In einigen Geschäftsfeldern setze sich eine Abschwächung fort, die Entwicklung sei heterogen.

Verhalten optimistisch ins neue Geschäftsjahr

Die Zuwachsraten in den ersten Monaten des neuen Geschäftsjahrs 2018/19 sind somit schwächer ausgefallen. „Der Zenit des Wachstums ist überschritten“, macht Philip Harting klar. Die Technologiegruppe rechnet für das laufende Geschäftsjahr 2018/19 daher nur noch mit einer Umsatzsteigerung von knapp unter fünf Prozent. Der Branchenverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) erwartet beim Elektro-Weltmarkt einen Zuwachs von vier Prozent im kommenden Kalenderjahr. // KR

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