CES 2018: Vom Roboterwagen bis zum Luftmess-System

| Autor / Redakteur: mit Material der dpa / Sebastian Gerstl

Die Firma LG präsentiert auf Monitorwänden die neue Technik von OLED Fernsehern. In diesem Jahr stand die größte Consumermesse der Welt ganz im Zeichen von selbstfahrenden Autos, künstlicher Intelligenz und UHD-Displays. Securityseitig wurde das Event aber von Sicherheitslücken wie Meltdown oder KRACK ein wenig überschattet - und geprägt.
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Die Firma LG präsentiert auf Monitorwänden die neue Technik von OLED Fernsehern. In diesem Jahr stand die größte Consumermesse der Welt ganz im Zeichen von selbstfahrenden Autos, künstlicher Intelligenz und UHD-Displays. Securityseitig wurde das Event aber von Sicherheitslücken wie Meltdown oder KRACK ein wenig überschattet - und geprägt. (Bild: Jack Dempsey/FR42408 AP/dpa)

Die Mobilität der Zukunft, hochauflösende Displays, VR-Brillen, ein Luftmess-System - die Technik-Messe in Las Vegas präsentierte sich einmal mehr von ihrer vielfältigen Seite. Zudem wurden zahlreiche Sicherheitsthemen adressiert - ob in Prozessoren oder Wi-Fi-Protokollen.

Automotive: Im Zeichen der autonomen Fahrzeuge

Der japanische Autobauer Toyota stellte bereits am Montag das Konzept e-Palette vor, eine Art mobilen autonomen Raum in der Größe eines Lieferwagens. Er könne beliebig eingesetzt werden: Als Transporter, Büro, Arztpraxis, Spielhalle, Hotelraum oder Minibus. "Heute müssen Sie zum Laden fahren, morgen kommt der Laden zu Ihnen", nannte Firmenchef Akio Toyoda ein weiteres Beispiel auf der CES. Die Wagen können zu Ketten verbunden und immer wieder umkonfiguriert werden. Debütieren sollen sie zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio.

Als Partner für eine "e-Palette-Allianz" gewann Toyota bereits den Online-Händler Amazon, die Fahrdienst-Vermittler Uber und Didi Chuxing aus China, die Restaurant-Kette Pizza Hut sowie Mazda .Die Technologie zum autonomen Fahren im e-Palette kann von Toyota kommen - oder von anderen Anbietern. Auch Vodafone Deutschland und der Kartendienst Here haben am Mittwoch auf der Technikmesse CES in Las Vegas eine umfassende Partnerschaft vereinbart.

Apropos Uber: Uber-Konkurrent Lyft bot rechtzeitig zur Messezeit in Las Vegas mit seiner Fahrdienst-App die Option an, ein Robotertaxi zu bestellen, um damit eines von 20 möglichen Hotels im Raum Las Vegas anzusteuern. Die Wagen wurden ausgestattet vom Technologie-Zulieferer Aptiv, der zu diesem Zweck die entsprechenden Fahrtwege noch einmal minuziös selbst vermessen hat. Für Lyft ist Las Vegas die zweite Roboterwagen-Teststadt nach Boston. Der Fahrdienst-Vermittler setzt dabei für die Zukunft auf den Plan, selbstfahrende Autos verschiedener Hersteller auf seine Plattform zu holen - anders als Konkurrent Uber, der an einer eigenen Technologie forscht und in diesem Zusammenhang mit der Google-Tochter Waymo in rechtliche Auseinandersetzungen geraten ist..

Ford will seine Zukunft durch eine Schlüsselrolle bei der Neugestaltung der Mobilität sichern. Der US-Autokonzern richtet eine Plattform ein, die verschiedene Robotertaxis, Fahrdienste sowie öffentlichen Nahverkehr und die Infrastruktur der Städte verknüpfen soll. Die Plattform binde auch Navigations- und Bezahldienste ein und stehe anderen Herstellern offen, betonte Fords Mobilität-Chefin Marcy Klevorn auf der Technik-Messe CES in Las Vegas.

Der chinesische E-Fahrzeug-Hersteller Byton stellte in Las Vegas ein intelligent-intuitives Fahrzeug vor. Der smarte Elektro-SUV des unter anderem von mehreren ranghohen Ex-BMW-Managern geführten Unternehmens besitzt als Markenzeichen unter anderem einen großen gebogenen Touchscreen im Cockpit, der fast von einer Tür zur anderen reicht. Bytons Prototyp vereint intelligente Technologien, die das automobile Leben angenehmer, unterhaltsamer, einfacher vernetzt und entspannter machen. Das Fahrzeug soll ab 2020 in Europa und den USA erhältlich sein.

Reine Luft für die Smarte Stadt

Bosch präsentierte auf der CES eine Messstation für die Luftqualität im Straßenverkehr, die deutlich günstiger ist als bislang verwendete Systeme. "Die meisten Mikroklima-Monitoringsysteme haben ungefähr die Größe von Schiffscontainern und sind recht teuer", sagte Stefan Hartung, Mitglied der Bosch-Geschäftsführung, am Montag in Las Vegas. Das gemeinsam mit dem Chiphersteller Intel entwickelte Bosch-System "Climo" sei nur ein Hundertstel so groß und koste etwa ein Zehntel.

Die Bosch-Station misst und analysiert zwölf Parameter, die für die Luftqualität wichtig sind - darunter verschiedene Gase wie Kohlendioxid und Stickoxid, aber auch Temperatur und relative Feuchtigkeit. "Die Städte können die gemessenen Daten auf verschiedene Arten nutzen, etwa für die Regelung des Verkehrsflusses und als Basis für künftige Maßnahmen oder die Stadtplanung."

"Climo" sei nur ein Baustein für eine breiter angelegte Strategie für "Smart Cities", betonte Hartung. Nach einer von Bosch in Auftrag gegebenen Studie wächst der Markt jährlich um 19 Prozent und wird 2020 ein Volumen von 680 Milliarden Euro erreichen.

VR-Brillen: Neuer Schwung oder bereits Ende des Hypes?

Der unter Druck stehende HTC-Konzern will im Geschäft mit virtueller Realität mit einer verbesserten Version seiner Brille Vive aufholen. Das Modell Vive Pro soll eine deutlich höhere Bildauflösung und hochwertigeren Sound bekommen. Der Preis und ein Termin für die Markteinführung sollen zu einem späteren Zeitpunkt genannt werden, sagte Amerika-Chef Daniel O'Brien auf der Technik-Messe CES in Las Vegas am Montag. Die verbesserte Qualität dürfte ihren Preis haben. "Wir fokussieren uns auf Premium-VR", betonte O'Brien.

Samsung stellte am Montag das Thema der vernetzten Geräte in den Vordergrund. Das Konzept umfasst nicht nur Computer, Smartphones und Fernseher, sondern auch, Klimaanlagen und Waschmaschinen. Der südkoreanische Konzern kündigte eine Reihe von Online-Diensten und Apps an, die dieses Konzept in die Praxis umsetzen sollen. Außerdem stellte Samsung mit "Flip" ein neuartiges interaktives Whiteboard für den Einsatz in Unternehmen und Schulen vor. Und wie es fast schon jährliche Tradition ist, präsentierte das Unternehmen einmal mehr einen "intelligenten Kühlschrank", diesmal im Rahmen des vernetzten Haushaltsgerätepools "Family Hub".

Security: Antworten auf Meltdown, Spectre und KRACK

Zahlreiche Chiphersteller mussten sich dieses Jahr auf der CES einem für sie brenzligem Thema widmen: Die Veröffentlichung von "Spectre" und "Meltdown" hatte vergangene Woche eine Schockwelle in der IT-Branche ausgelöst. Dabei handelt es sich um Angriffsszenarien, die mit herkömmlichen Softwareschwachstellen nicht vergleichbar sind. Ihre Besonderheit liegt darin, dass sie direkt das Design des Chips ausnutzen, das eigentlich die Rechenprozesse beschleunigen soll. Während von "Meltdown" vorwiegend Prozessoren von Intel betroffen sind, gibt es das "Spectre"-Problem bei Chips nahezu aller Hersteller, also auch von AMD und IBM sowie bei Chips des Designers ARM, die vorwiegend in Smartphones verbaut werden.

Intel will bis Ende der Woche 90 Prozent seiner Chips gegen "Spectre" und "Meltdown" absichern, wie das Unternehmen im Rahmen der CES erneut versicherte. Bis Ende des Monats sollen dann alle Prozessoren ab Jahrgang 2013 gepatcht sein. Unterdessen bleibt Intel-Chef Brian Krzanich wegen seines millionenschweren Aktienverkaufs im Gespräch. Zwei amerikanische Senatoren wandten sich an die US-Börsenaufsicht SEC und das Justizministerium. Sie seien verstört über Berichte, der Aktienverkauf sei im Oktober abgesegnet worden, als Intel schon über die Schwachstelle informiert gewesen sein soll, schrieben die Senatoren Jack Reed und John Kennedy. Krzanich hatte das Aktienpaket Ende November abgestoßen, die Sicherheitsprobleme waren allerdings bereits seit dem Sommer bekannt. Intel erklärte damals, dass der Verkauf nicht damit zusammenhänge.

Dieser Druck auf Intel überschattete ein wenig die andere bedeutende technologische Enthükllung des Unternehmens auf der CES: unter dem Namen "Tangle Lake" präsentierte Intel erstmals einen 49-Qubit-Prozessor für Quantencomputer. Wie Brian Krzanich betonte sei man mit dieser Technologie auf dem Westen Weg in Richtung "Quantenüberloegenheit" gegenüber konkurrierender Projekte wie von IBM oder Google/D-Wave. Dennoch ist man sich allgemein einig, dass bis zur kommerziellen Nutzbarkeit von Quantencomputern noch viele Jahre ins Land ziehen werden.

Nvidia-Chef Jensen Huang betonte am Rande der Technik-Messe CES in Las Vegas am Mittwoch, dass die Grafikchips des Unternehmens entgegen anderslautenden Berichten nicht betroffen sind. "Unsere GPUs sind nach heutigem Wissen immun", versicherte Huang. Nvidia habe lediglich ein Sicherheits-Update für seine Software veröffentlicht, um auf die Schwachstelle des Hauptprozessors zu reagieren. "Jeder, der dafür Software anbietet, muss aktualisieren", sagte Huang. Ansonsten opräsentierte Huang mit "Drive Xavier" den Prototypen eines NVIDIA-Chips, der sich – ebenfalls – an das Gebiet des autonomen Fahrens richtete.

Nicht mit Meltdown oder Spectre, aber dennoch mit dem Thema Sicherheitslücken zu tun hatte die Ankündigung der Wi-Fi-Alliance: Sie stellte zur CES das neue Verschlüsselungsprotokoll WPA 3 vor, dass Wi-Fi-Kommunikation ab sofort besser absichern soll. Die Allianz reagierte damit auf die im vergangenen Oktober entdeckte "KRACK"-Attacke, die eine massive Sicherheitslücke im bereits seit Jahren fest etabliertem Kryptographie-Vorgänger WPA2 entdeckt worden war. Geräte, die das neue Protokoll WPA3 unterstützen, sollen noch 2018 auf den Markt kommen.

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