Hardware-Startups: Hinter den Kulissen des TI TechMatch

| Redakteur: Richard Oed

Matthias Knaup, Area Director Industrial Central Europe bei TI: „Start-ups dringen inzwischen in Bereiche vor, die früher den großen Playern vorbehalten waren.“
Matthias Knaup, Area Director Industrial Central Europe bei TI: „Start-ups dringen inzwischen in Bereiche vor, die früher den großen Playern vorbehalten waren.“ (Bild: Texas Instruments)

Was verspricht sich TI von der Unterstützung von Start-ups?

Wieder zurück zu dem Punkt: Für mich ist es die Innovation. Wir haben bereits beim letzten TechMatch Unternehmen gesehen, die durch unsere Produkte oder die enge Zusammenarbeit erfolgreich sind. Wenn wir unsere Produkte dort einsetzen können, dann sind wir letztendlich gemeinschaftlich am Markt erfolgreich.

Aber wahrscheinlich auch ein möglichst früher Zugang zu neuer Technologie?

Absolut! Das ist der zweite wesentliche Aspekt: Früh dabei zu sein, Innovationen zu sehen. Und es ist überraschend: Bei den zwölf Start-ups hat sich gezeigt, dass es ein Riesenthema ist, in innovative Bereiche hineinzugehen, sich mit großen Firmen anzulegen und trotzdem erfolgreich sein zu können. Und wir wollen diese Innovationen sehr früh aufgreifen.

Kann TI den Start-ups auch bei der Vernetzung mit der Industrie helfen?

Ich bin mir sicher, dass allein die Diskussionen mit den Vertretern der großen Spieler in der Industrie, die ja vor Ort in Bielefeld Präsenz gezeigt haben, entscheidend dazu beiträgt.

Dafür ist Ihrer Meinung nach so ein TechMatch eine ideale Plattform?

Aus meiner Sicht ist es die ideale Plattform, weil man daran sieht, dass auch sehr große Firmen, wie in diesem Fall Texas Instruments und die anderen teilnehmenden Partner, durch die frühe Unterstützung auch kleiner Unternehmen mit fünf oder zehn Mann, ihre Wertschätzung für diese Start-ups zum Ausdruck bringen.

Es ist eben wichtig, den Start-ups diese Plattform zu bieten und ihnen die Sichtbarkeit zu geben, die sie brauchen, um ihre Ideen Realität werden zu lassen. Und das auf Augenhöhe zu tun. Also nicht als großes Unternehmen mit viel Manpower ankommen. Das wirkt einschüchternd. Man muss zeigen, dass man sich auf einer Ebene befindet und gemeinsam etwas verwirklichen und sich gegenseitig befruchten möchte.

Viele bringen den Begriff „Start-up“ in erster Linie mit Software in Verbindung. Sehen Sie das auch so?

Ich sehe das komplett anders und habe mich in der letzten Zeit auch damit beschäftigt. Dabei habe ich gesehen, dass auf die Start-up-Veranstaltungen – nicht nur zu unserem TechMatch – immer mehr Start-ups kommen, die stark in die Hardware investieren. Ein jüngeres Beispiel ist, dass auf einem solchen Event 3D-Drucker vorgestellt wurden. Das geht aber auch hin bis zu Schweißgeräten mit neuen Technologien. Das war früher nicht denkbar.

In der Presse habe ich kürzlich gelesen, dass in Gilching, im Süden von Bayern, das Start-up Isar Aerospace angekündigt hat, bis 2021 eine Trägerrakete ins All zu schießen. Daran sieht man, welche Visionen die Start-ups heute haben, und hier bin ich wieder beim Thema Innovation. Diese Firmen investieren in Hardware, bis hin zu einer neuen Rakete. Das war vor Jahren noch absolut undenkbar! Da haben wir über Apps für irgendwelche Plattformen gesprochen. Und ich denke, Deutschland bietet Start-ups eine Riesenchance, denn wir haben, wie vorhin angesprochen, dieses breite Feld der Hidden Champions.

Sie würden also sagen, wir brauchen keine neue App für Essenslieferungen?

Es wird weiterhin starke Innovationen im Softwarebereich geben. Für uns hat sich das Bild verändert: Wir sind eine Halbleiterfirma, die natürlich am meisten Interesse daran hat, sehr früh mit Firmen zusammenzuarbeiten. Zum einen, um unsere Produkte dort zu positionieren, aber auch, um sie durch Innovation zu verbessern.

Welche drei Dinge müssen Start-ups in Ihren Augen beachten, damit sie erfolgreich sind?

Ich betone nochmal: Ich glaube wirklich, dass die Innovationstiefe ausschlaggebend ist, um am Ende natürlich auch Interesse zu wecken. Der zweite Punkt ist: Wie schnell ist man in der Lage, zum richtigen Zeitpunkt das Produkt auf den Markt zu bringen? Time-to-Market ist entscheidend. Und wir als Texas Instruments unterstützen dies ja durch unsere Referenz-Designs, die diesen Unternehmen schon frühzeitig eine skalierbare Teillösung bieten.

Der dritte Punkt ist: Wie durchdacht sind letztlich der Business-Case und das Marktumfeld, damit die Technologie erfolgreich sein kann. Das war beispielsweise beim Sieger Clevabit der Fall, der für seine Lösung in der Tierhaltung bereits sehr früh mit Tierärzten zusammengearbeitet hatte.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich von den Start-ups wünschen?

Mein Wunsch an Start-ups? Ich glaube der Wunsch ist: „Think Big“. Es ist absolut notwendig, auf Risiko zu gehen und in genau die Bereiche vorzudringen, die auf den ersten Blick vielleicht schwierig erscheinen. Das hat man in Bielefeld schön gesehen. Einfach diesen Mut haben, nicht nur kleinklein zu machen, sondern, wenn die Innovation passt, tatsächlich auch ein Risiko einzugehen

Sie haben mehrfach die Skalierbarkeit erwähnt. Wäre das ein vierter Punkt, den Start-ups im Auge behalten sollten?

Ja, natürlich! Ich war Teil der Jury und habe sehr oft die Frage gestellt: „Wie skalierbar ist das Ganze?“ Und ja, es gab dann auch das eine oder andere Start-up, bei dem erkennbar war: Die dargestellte Technologie ist richtig gut, aber man war nicht in der Lage das zu skalieren. Also das Modell von einer Kundenbasis von 5 bis 1000 auf eine viel größere Basis zu stellen. Und wenn die Skalierbarkeit bereits im Grundgedanken fehlt, dann wird es schwierig, das vielleicht benötigte Volumen zu erreichen.

Könnten Sie sich vorstellen, selbst ein Start-up zu gründen?

Ich habe in meiner Umgebung und in meinem Freundeskreis einige Leute, die in unterschiedlichsten Bereichen in Start-ups involviert waren. Ich finde das immer äußerst inspirierend. Für mich persönlich ist es ein dynamisches Umfeld. Es ist innovativ, es ist ein ganz spezieller Geist. Daher sagt mir das alles sehr zu.

Ich muss aber auch sagen: Ich habe bei Texas Instruments – also in einer großen Firma – genau dieses Umfeld mit einer hohen Dynamik und mit viel Innovation ebenso vorliegen. Und insofern bin ich da erst mal extrem glücklich.

Man kann innerhalb von TI ebenfalls eigene Ideen umsetzen und das ist ja nichts anderes, als was in einem Start-up passiert. Wir investieren ja extrem in diese Bereiche und hier komme ich wieder zu unseren Systems Teams und zu deren Referenz-Designs zurück: Dort leben sich gleichermaßen Leute mit innovativen Ideen aus, die einem Kunden – und natürlich auch Start-ups – am Markt helfen sollen, ein Problem zu lösen. Ich denke, da schließt sich der Kreis.

Herr Knaup, wir danken Ihnen für das interessante Gespräch.

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