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Merger und Akquisitionen Halbleiterjahr 2016: Rekordübernahmen bei stagnierendem Markt

| Autor: Sebastian Gerstl

Die Konsolidierung der Halbleiterbranche, die 2015 begonnen hatte, setzt sich nahezu ungebremst fort: 2016 geht als neues Rekordjahr der Firmenübernahmen ein. Über 130 Milliarden US-Dollar wurden für Merger und Akquisitionen ausgegeben – und das, obwohl das Wachstum des Halbleitermarkts in diesem Jahr effektiv stagnierte. Doch die Zukunft ist vielversprechend.

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Mit einem jährlichen Wachstum von gerade 2% scheint der Halbleitermarkt zu stagnieren. Die Unternehmen stürzen sich daher verstärkt auf einzelne Wachstumssegmente oder widmen sich Fusionen und Übernahmen, um die eigenen Marktanteile aufzupolstern. Wir liefern einen Überblick über die wichtigesten Merger und Akquisitionen der Halbleiterbranche – und einen Ausblick auf das, was die Branche 2017 erwartet.
Mit einem jährlichen Wachstum von gerade 2% scheint der Halbleitermarkt zu stagnieren. Die Unternehmen stürzen sich daher verstärkt auf einzelne Wachstumssegmente oder widmen sich Fusionen und Übernahmen, um die eigenen Marktanteile aufzupolstern. Wir liefern einen Überblick über die wichtigesten Merger und Akquisitionen der Halbleiterbranche – und einen Ausblick auf das, was die Branche 2017 erwartet.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Es ist noch nicht einmal die Anzahl der Firmenübernahmen an sich, die so überwältigend wirkt. Bereits 2015 hatte der ZVEI festgestellt: Während die eigentliche Zahl an Akquisen und Merger rückläufig war (33 im Jahr 2014, 25 im Jahr 2015), nahm das Transaktionsvolumen im direkten Vergleich um mehr als das Doppelte zu: Etwa 103 Milliarden US-$ wurden im Vorjahr umgesetzt.

Dieser Trend setzte sich durch das gesamte Jahr 2016 weiter fort: Während die eigentliche Anzahl an Verschmelzungen und Akquisitionen stabil blieb, nahm der Gesamtwert der Transaktionen weiter zu: 115 Milliarden US-$ waren es, die nach Erhebungen des ZVEI letztendlich für Merger ausgegeben wurden.

Das hatte dementsprechend auch Auswirkungen auf den durchschnittlichen Kaufwert einer Akquisition: 2014 wurde für eine Übernahme laut ZVEI im Schnitt noch weniger als 1 Mrd. US-$ ausgegeben. 2015 stieg diese Summe auf 4. Mrd. US-$. 2016 lag der Durchschnittswert einer Firmenübernahme nun bei rund 6 Mrd. US-$.

Ein Rückblick auf die bedeutendsten Merger und Akquisitionen des Jahres

Die besonderen Halbleiter-Akquisen und Merger, die 2016 begonnen bzw. abgeschlossen wurden. Transaktionen unter 500 Millionen US-$ wurden in dieser Grafik aus Platzgründen nicht berücksichtigt.
Die besonderen Halbleiter-Akquisen und Merger, die 2016 begonnen bzw. abgeschlossen wurden. Transaktionen unter 500 Millionen US-$ wurden in dieser Grafik aus Platzgründen nicht berücksichtigt.
(Bild: Vogel Business Media)

Damit lag die erste namhafte Akquisition 2016 für die Jahresverhältnisse noch deutlich unter dem Durchschnitt: Am 17. Januar 2016 verleibte sich Microchip den Mitkonkurrenten Atmel ein, für insgesamt 3,42 Mrd. US-$. Dabei setzte sich Microchip letztendlich siegreich in einem Bieterstreit gegen Mitbewerber Dialog Semiconductor durch. Tatsächlich hatte Microchip schon jahrelang an einer Übernahme Atmels, das vor allem im Feld der Mikrocontroller mit angegliederter Peripherie konkurrierte, interessiert.

Microchip hat inzwischen zugesichert, neben der hauseigenen PIC-Familie auch Atmels AVR-Reihe fortzusetzen. Das Unternehmen möchte damit Kunden quasi weiterhin eine "second source" an ähnlichen Mikrocontrollern offerieren - nur eben vom selben Anbieter.

Cypress, das schon in den letzten Jahren stetig durch Zukäufe gewachsen war, übernahm im Mai für 550 Millionen US-$ die Sparte Wireless IoT von Broadcom, der sich nach seiner eigenen Akquisition durch den in Singapur ansässigen Avago-Konzern von einigen Teilsparten trennte. Für deutlich mehr Aufsehen sorgte hingegen wenige Tage später die Übernahme des angeschlagenen japanischen Elektronikriesen Sharp durch das taiwanesischen Foxconn-Konglomerat: Zum ersten Mal in der Geschichte Japans übernahm ein ausländisches Unternehmen die Führung über einen Traditionskonzern im eigenen Land. Damit die japanische Regierung hierzu einwilligte, waren umfassende Zugeständnisse notwendig. Tai Jeng-Fu, Vize-Chairman von Foxconn und derzeit agierender CEO von Sharp, kündigte kürzlich an, die Führungsposition wieder abzugeben, sobald man das japanische Traditionsunternehmen wieder zurück in die schwarzen Zahlen geführt habe.

Auch die deutsche Halbleiterindustrie mischte auf dem Weltmarkt mit: Für 850 Millionen US-$ verleibte sich Infineon am 14. Juli 2016 den HF-Spezialisten Wolfspeed ein. Das deutsche Elektronikunternehmen interessierte sich dabei insbesondere für die Expertise des Konkurrenten im Feld der Siliziumkarbid- und Galliumnitrid-Technologie (GaN). Während die Transaktionssumme im Jahr 2014 noch für Aufsehen gesorgt hätte, mutet der Kaufpreis für 2016er-Verhältnisse dabei noch vergleichsweise bescheiden an.

(ID:44423376)

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