Meilensteine der Elektronik Halbleiterinnovationen aus der Wiege des Silicon Valley

Redakteur: Sebastian Gerstl

1957 gründeten acht Forscher und Entwickler ein neuartiges Hightech-Unternehmen. Innovationsdrang und ungewöhnliche Strategie machten Fairchild Semiconductor zur Urzelle des modernen Silicon Valley.

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Die "verräterischen Acht", 1957: Die Fairchild-Gründer Julius Blank, Victor Grinich, Eugene Kleiner, Jean Hoerni, Jay Last, Gordon Moore, Robert Noyce und Sheldon Roberts.
Die "verräterischen Acht", 1957: Die Fairchild-Gründer Julius Blank, Victor Grinich, Eugene Kleiner, Jean Hoerni, Jay Last, Gordon Moore, Robert Noyce und Sheldon Roberts.
(Bild: Fairchild Semiconductor)

Die Geschichte beginnt eigentlich bereits 1955. In jenem Jahr heuerte der Transistor-Miterfinder und Nobelpreisträger William Shockley, zuvor bei den AT&T Bell Labs tätig, zwölf junge Wissenschaftler, Ingenieure, Chemiker und Physiker an, um sie in seinen Shockley Semiconductor Laboratories im kalifornischen Mountain View südlich von San Francisco mit der Kommerzialisierung seiner Erfindung zu betrauen. Alle waren jung und tatendurstig, alle waren Experten ihres Faches: „the greatest collection of electronic genius ever assembled“, wie der Kenner und Biograph des Silicon Valley, Michael Malone, die Gruppe in seinem 1985 erschienenen Buch „The Big Score, The Billion Dollar Story of Silicon Valley“ nannte.

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Acht von ihnen sollten später eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der entstehenden Halbleiterindustrie spielen, als Technologen, Firmengründer oder Finanziers des Silicon Valley: Julius Blank, Victor Grinich, Eugene Kleiner, Jean Hoerni, Jay Last, Gordon Moore, Robert Noyce und Sheldon Roberts.

Fairchild Semiconductor – die Begründung des Silicon Valley

Das Geschäftsmodell der Shockley Labs war nicht besonders erfolgreich und der Bestand der Firma recht kurz. Nach nur zwei Jahren waren Shockleys junge Genies von der Launenhaftigkeit ihres Chefs so frustriert, dass sie kurz entschlossen kündigten und mit finanzieller Unterstützung – einer Investition von von 1,5 Mio. US-$ – des Ostküsten-Magnaten John Carter von Fairchild Camera and Instruments Corp. und mit ihrer „Mesa“-Diffusionstechnik für Siliziumtransistoren ihr eigenes Unternehmen gründeten: Fairchild Semiconductor. Shockley verwünschte diese Gruppe geradezu als „Traitorous Eight“: die acht Verräter.

Die erste Bestellung lief umgehend ein. Sie kam vom Mainframe-Giganten IBM: 100 Mesa-Transistoren zum Preis von 150 US-$ pro Stück. Damit war Fairchild Semiconductor als Startup lanciert. Robert Noyce und Jean Hoerni entwickelten als Erstes den legendären Transistor 2N696 – in einer doppelt diffundierten Silizium-Technologie anstelle des damals gängigen Germaniums. Bereits ein Jahr später verzeichnete Fairchild einen Umsatz von 500.000 Dollar.

1958 kam auch der historische Durchbruch: die Entwicklung der ersten planar integrierten Silizium-Schaltung durch Jean Hoerni, mit Kollektor, Basis und Emitter in einer Ebene an der Oberfläche des Chips. Robert Noyce zeichnete 1961 als Erfinder der planaren Chiptechnologie – nicht ohne Jahrzehnte lange Anfechtungen seitens des Wettbewerbers Texas Instruments, die Jack Kilby als maßgebendem Erfinder führten.

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