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Nach Austritt aus Klimaabkommen Halbleiterhersteller stellen sich gegen Trump

Redakteur: Franz Graser

Obwohl der amerikanische Präsident das Pariser Klimaabkommen verlassen will, bleibt die Halbleiterindustrie auf Kurs. Die großen Halbleiterhersteller und weitere Tech-Giganten wie Apple, Google und Microsoft bleiben der Nachhaltigkeit weiterhin verpflichtet.

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Hitzewallungen auf der Erde: Zahlreiche namhafte Tech-Unternehmen und Halbleiterhersteller fühlen sich dem Pariser Klimaabkommen weiterhin verpflichtet – auch deshalb, weil sich Investitionen in nachhaltige Fertigung wirtschaftlich auszahlen.
Hitzewallungen auf der Erde: Zahlreiche namhafte Tech-Unternehmen und Halbleiterhersteller fühlen sich dem Pariser Klimaabkommen weiterhin verpflichtet – auch deshalb, weil sich Investitionen in nachhaltige Fertigung wirtschaftlich auszahlen.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Die Tech-Unternehmen unterschrieben einen offenen Brief, in dem sie Trumps Austritt aus dem Klimaabkommen scharf kritisierten. Darüber hinaus erklären sie, dass die Unternehmen und Investoren, „die einen beträchtlichen Teil der US-Wirtschaft darstellen, weiterhin ehrgeizige Klimaziele verfolgen werden und zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass die Vereinigten Staaten eine globale Führungsstellung bei der Reduzierung von Emissionen behalten.“

Zu den Unterzeichneten zählen AMD, Apple, Google, IBM, Intel und Microsoft, aber auch Facebook, Twitter, Autodesk und Tesla. Insbesondere der Halbleiterhersteller Intel hatte sich für einen Verbleib der USA im Pariser Abkommen stark gemacht. „Der Klimawandel ist real. Und wir sind fest davon überzeugt, dass die USA sich weiterhin an dem Pariser Klimaabkommen beteiligen sollten“, zitiert die EETimes Stephen Harper, den Direktor für Umwelt- und Energiefragen bei Intel.

„Ein Rückzug wird an unseren Investitionen in erneuerbare Energien nichts ändern, und wir werden uns weiterhin dafür aussprechen, dass sich die USA weiterhin engagieren werden“, so das Statement von Intel-Manager Harper.

Der Interessenverband der Halbleiterindustrie, SEMI, sprach sich insgesamt dafür aus, sich für Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu engagieren. „Die Halbleiterbranche hat sich schon lange vor dem Klima-Abkommen zu nachhaltigen Fertigungsverfahren verpflichtet“, sagte SEMI-Präsident Ajit Manocha gegenüber der EETimes. „Der Beitrag unserer Industrie zu dem Problem des Klimawandels ist zwar vergleichsweise klein, wenn man es mit anderen Branchen der amerikanischen Wirtschaft vergleicht, aber unsere Führungsrolle als Anwälte für verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt und für technische Innovation ist sehr wichtig.“

Manocha betonte zudem, dass die Entscheidung der Trump-Administration nicht unumkehrbar sei. Der Rückzug aus dem Vertragswerk erfordere eine dreijährige Wartezeit sowie eine einjährige Kündigungsfrist. Der Austritt werde somit frühestens im November 2020 wirksam. „Bis dahin erwarte ich, dass mehr Unternehmen, Bundesstaaten und andere Einrichtungen grüne Aspekte in den Vordergrund stelloen“, sagte Manocha.

David Isaacs, Vizepräsident der Semiconductor Industry Association (SIA), verwies außerdem auf den Beitrag der Halbleiterindustrie bei der Steigerung der Energieeffizienz. „Halbleiter – die grundlegende Technologie der modernen Elektronik und der Informations- und Kommunikationstechnik – legen die technische Basis für Lösungen, die in praktisch allen Industriebranchen die Nachhaltigkeit und die Energieeffizienz verbessern.“

Der SIA-Vize betonte, dass die amerikanischen Halbleiterfertiger ihren Energieverbrauch zwischen 2001 und 2015 um 34 Prozent reduziert habe. Viele Nachhaltigkeitsinitiativen der Branche würden vom Ausstieg der USA aus dem Klimaabkommen nicht berührt. Philippe Brun, Vice President für Personalfragen und nachhaltige Entwicklung beim Halbleiterhersteller STMicroelectronics, ergänzte gegenüber der EETimes, dass der CO2-Ausstoß je Chip-Wafer über 20 Jahre um 75 Prozent zurückgegangen sei und sich die Fertigungskosten dadurch enorm reduziert hätten.

Insofern ist es für die Unternehmen der Halbleiterbranche auch aus wirtschaftlichen Gründen sinnvoll, weiter in Nachhaltigkeit und reduzierte Emissionen zu investieren. „Nachhaltigkeit verleiht uns einen starken Wettbewerbsvorteil. Dadurch reduzieren sich unsere langfristigen Kosten und Risiken, was uns wiederum attraktiver für Investoren macht“, so Brun.

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