Expertenrunde Bauteilebeschaffung Halbleiterhersteller, Distributoren und Supply-Chain-Experten diskutieren Lieferengpässe bei Bauelementen

Redakteur: Margit Kuther

Seit Wochen lässt der ersehnte Nachfrageanstieg die Elektronikbranche aufatmen. Obwohl das Umsatzniveau von 2008 noch längst nicht erreicht ist, gefährden lange Beschaffungszeiten bei den Bauelementen den Aufschwung. ELEKTRONIKPRAXIS diskutierte mit Experten aus der Halbleiterbranche, Bauelementedistributoren, Baugruppenproduzenten und Supply-Chain-Experten über diese Situation und mögliche Lösungsansätze.

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Dem Thema „Lieferengpässe bei elektronischen Bauteilen, erforderliche Reaktionen und Lösungsvorschläge“ stellen sich auf der Distributionsseite Michael Knappmann, Regional Director Central Europe bei Avnet Abacus, Sven Krumpel, Geschäftsführer Codico, und der Dienstleister für Materialeinkauf und Kommissionierung für Baugruppenfertigung, Andreas Kaiser, Kaiser Elektronik.

Die Sicht der Halbleiterhersteller schildern Susanne Horn, Vice President Distribution Management bei Infineon und Alan Burdis, Director Sales and Customer Management bei Fujitsu Microelectronics Europe.

Die Baugruppenproduzenten vertreten Anke Bartel, Customer Relationship Management bei BMK professional electronics GmbH und Prozessexperte Hubertus Andreae, dreiplus - Praxisbeleitende Innovationsförderung. Unterstützung erhält die Runde von Supply-Chain-Management-Experte Heinz Schmid, Schmid & Wolff Management Consultants. ELEKTRONIKPRAXIS ist vertreten durch Chefredakteur Johann Wiesböck, die stellvertretende Chefredakteurin und Diskussionsleiterin Claudia Mallok sowie Redakteurin Margit Kuther.

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Ehrlich miteinander reden und Vertrauen schaffen

Die Diskussionsrunde offenbarte ein Dilemma, das sich quer durch die Supply Chain zieht: Alle Beteiligten wissen, dass sie aufeinander angewiesen sind. Doch das Gerangel um die beste Ausgangssituation macht sie zu Einzelkämpfern. Die Lieferkette gleicht einem System, dessen Teile zwar von einander abhängig sind, in dem aber jedes Glied unabhängig agiert.

So sieht z.B. Diskussionsteilnehmer Hubertus Andreae den Begriff Partnerschaft derzeit überstrapaziert und oft folgendermaßen definiert: „Du machst, was ich will und hast nicht zu widersprechen.“ Als Beispiel nennt er Einkäufer, die sagen: „Wir wollen den besten Preis, wir wollen vier Wochen Verfügbarkeit, aber Garantien geben wir keine.“

Wie die Elektronikbranche von Commitment profitieren kann

Vor rund 15 Jahren stand die Non-Food-Industrie vor einem ähnlichen Dilemma wie die Elektronikbranche heute. Deren Pole, die Hersteller, die ihre Produkte kannten und der Handel, der wusste, was die Kunden wollen, behielten ihr Wissen für sich, um es dem anderen gegenüber auszuspielen. Als Folge fielen die Preise und zwar so sehr, dass die Beteiligten handeln mussten.

Es entstand die Initiative Efficient Consumer Respone (ECR, auch Effiziente Konsumentenresonanz) zur Zusammenarbeit zwischen Herstellern und Händlern. Ziel war Kostenreduktion, das Ausschöpfen von Wachstumspotenzialen und eine bessere Befriedigung von Konsumentenbedürfnissen durch eine Rationalisierung der Logistik.

Dabei wurde die gesamte Wertschöpfungskette, von der Produktion bis hin zur Kaufentscheidung der Verbraucher, auf Optimierungspotenziale hin untersucht. Durch die Kooperation zwischen Industrie und Handel wurden Potenziale aufgedeckt bzw. realisiert, die durch eine isolierte interne Betrachtung nicht möglich gewesen wären.

Die Runde fasst folgende Maßnahmen zusammen, um Lieferengpässe zu vermeiden:

  • Bestellungen zeitgerecht platzieren.
  • Mehrfachbestellungen vermeiden.
  • Qualifikation der Mitarbeiter.
  • Prozessstörungen abstellen.
  • Prozesse automatisieren.
  • Neben den eigenen auch die möglichen Bedarfe vor- und nachgeschalteter Glieder der Supply Chain beachten.
  • Risiken innerhalb der Supply Chain gleich verteilen.
  • Verlässlichkeit, Vertrauen und Transparenz innerhalb der Supply Chain gemeinsam aufbauen.

Drei Thesen, die eine Wertediskussion auslösen sollen

Können wir uns Werte heutzutage überhaupt noch leisten? Oder ist Gewinnmaximierung um jeden Preis das Gebot der Stunde, so dass Vertrauen und partnerschaftliches Verhalten auf der Strecke bleiben.

Darf es tatsächlich nur ums Geld gehen oder liegt darin nicht auch eine Gefahr, dass ein Unternehmen durch diese Sicht gar in Schieflage geraten kann?

Bremst die Unkenntnis über die Probleme und Bedarfe der Beteiligten innerhalb der Supply Chain gar den Aufschwung?

Silica-Chef Karlheinz Weigl nimmt in einem Video-Interview Stellung zu den Lieferengpässen bei elektronischen Bauteilen

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Wie sehen Sie diese Thesen und welche Ansätze können helfen?

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Nehmen Sie teil an unserer Diskussion und sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema „Bauteileverknappung in der Elektronikbranche“ und „Verbesserungen innerhalb der Lieferkette“.

Mailen Sie uns Ihre Meinung: margit.kuther@vogel.de

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