Halbleiter-Schmieden im 3. Quartal: Licht und Schatten

| Redakteur: Martina Hafner

ifo Konjunkturumfrage Oktober 2019: Die ifo Exporterwartungen basieren auf ca. 2.300 monatlichen Meldungen von Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes. Die Unternehmen werden gebeten, ihre Exporterwartungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Sie können ihre Erwartungen für die nächsten drei Monate als "zunehmen", "gleich bleiben" oder "abnehmen" kennzeichnen. Der Saldowert der Planungen ist die Differenz der Prozentanteile der Antworten "zunehmen" und "abnehmen".
ifo Konjunkturumfrage Oktober 2019: Die ifo Exporterwartungen basieren auf ca. 2.300 monatlichen Meldungen von Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes. Die Unternehmen werden gebeten, ihre Exporterwartungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Sie können ihre Erwartungen für die nächsten drei Monate als "zunehmen", "gleich bleiben" oder "abnehmen" kennzeichnen. Der Saldowert der Planungen ist die Differenz der Prozentanteile der Antworten "zunehmen" und "abnehmen". (Bild: ifo Insitut)

Viele börsennotierte Halbleiter-OEMs haben kürzlich ihre Quartalszahlen für das dritte Quartal veröffentlicht. Trotz vermeintlichem Konjunkturabschwung zeigt sich der eine oder andere positive Trend. Und auch das Ifo Institut vermeldet wieder eine optimistischere Stimmung unter den Exporteuren – insbesondere in der Elektrobranche.

Die gute Nachricht vorneweg: Die Stimmung unter den deutschen Exporteuren hat sich deutlich aufgehellt. Zumindest legen dies aktuelle Umfrageergebnisse zu den Exporterwartungen deutscher Unternehmen nahe, die das ifo Institut gestern veröffentlicht hatte.

Trotz der weiter unklaren Lage beim Brexit schauen deutsche Exporteure vereinzelt wieder optimistisch auf die kommenden Monate. Die ifo Exporterwartungen der Industrie sind im Oktober auf minus 1,2 Saldenpunkte gestiegen, von minus 5,3 Saldenpunkten im September. Der Anstieg sei vor allem auf die Unternehmen aus der Elektrotechnik zurückzuführen. Jedoch herrsche dort noch kein Optimismus, sondern eher merklich weniger Pessimismus. Gleiches gälte auch für die Automobilindustrie.

Ebenfalls im Oktober legen diverse Halbleiterunternehmen ihre Zahlen für das dritte Quartal offen. Hierbei zeigten sich Licht und Schatten:

Texas Instruments: schwacher Markt

Texas Instruments hatte Ende Oktober Börsen-Experten mit Aussagen zum laufenden Quartal aufgeschreckt. Im abgelaufenen dritten Quartal war der Umsatz des Halbleiterherstellers um 11 Prozent zum entsprechenden Vorjahreszeitraum auf 3,77 Milliarden Dollar gesunken. Der Gewinn fiel unter dem Strich um 9 Prozent auf 1,43 Milliarden Dollar. Der Aktienkurs sackte im nachbörslichen Handel in einer ersten Reaktion um neun Prozent ab. Der US-Chipkonzern rechnet laut Mitteilung mit einem Umsatz von 3,07 bis 3,33 Milliarden US-Dollar und einem Gewinn je Aktie von 0,91 bis 1,09 Dollar. Analysten hatten 3,59 Milliarden Dollar beziehungsweise 1,28 Dollar erwartet. Die meisten Märkte hätten weiter geschwächelt, sagte TI-Firmenchef Rich Templeton laut Mitteilung. Auch die Kurse anderer Branchenvertreter gerieten nach diesen Neuigkeiten unter Druck.

Dialog Semiconductor: besser als erwartet

Der Chipentwickler Dialog Semiconductor hat im dritten Quartal besser als erwartet abgeschnitten. In den drei Monaten bis Ende September habe der Umsatz ca. 409 Millionen Dollar (367 Mio Euro) betragen, teilte das im MDax notierte Unternehmen überraschend am Donnerstag in London mit. Damit lag der Erlös etwas über der zuletzt in Aussicht gestellten Spanne von 360 Millionen bis 400 Millionen Dollar. Im zweiten Quartal hatte der Konzern ohne einen Einmaleffekt einer hohen Lizenzzahlung 336 Millionen Dollar umgesetzt.

Dank des gestiegenen Umsatzes zog auch das operative Ergebnis an. Der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn betrug im dritten Quartal den Angaben zufolge rund 104 (zweites Quartal: 82) Millionen Dollar. Das detaillierte Ergebnis für das dritte Quartal will Dialog am 6. November vorlegen.

Bei den Investoren kamen die Eckdaten gut an: Im Xetra-Handel stieg der Kurs um rund 1,9 Prozent auf einen Wert von rund 41 Euro. Die Dialog-Semiconductor-Anteile befinden sich seit Monaten auf einem Höhenflug – zuletzt geriet die Rally allerdings etwas ins Stocken.

Dialog ist besonders im Bereich Automobil und Mobilfunk tätig. Wichtiger Kunde ist Apple. Die Kalifornier hatten erst im Frühjahr diesen Jahres die Übernahme von Technologielizenzen von Dialog Semiconductor sowie rund 300 Angestellter abgeschlossen. Dialog versucht aktuell, sein Wachstum im Segment Internet of Things auszubauen. Dazu will das Unternehmen für rund 80 Millionen US-Dollar den in Bingen am Rhein angesiedelten Chiphersteller Creative Chips kaufen. Der Abschluss der Transaktion wird für das vierte Quartal 2019 erwartet.

Intel: Prognose angehoben

Gute Nachrichten vermeldete auch Intel. Der Branchenprimus hat nach einem guten dritten Quartal die Prognose für das gesamte Jahr angehoben. Der Chipkonzern rechnet nun mit Erlösen von 71 Milliarden Dollar – das sind 1,5 Milliarden Dollar mehr als bisher erwartet.

Im PC-Geschäft unterschätzte Intel allerdings den Nachfrageschub vor dem Auslaufen der Unterstützung des noch oft eingesetzten Betriebssystems Windows 7. Das führte zu Engpässen bei Intel-Chips. Intel arbeite hart daran, die Produktion hochzufahren – rechne für das laufende Quartal aber weiterhin mit Engpässen, sagte Intel-Chef Robert Swan. Microsoft lässt Mitte Januar die Unterstützung für Windows 7 auslaufen. Deswegen steigen viele Unternehmen noch schnell auf Windows 10 um und tauschen dabei oft auch gleich die Hardware aus.

Zudem trieb die Angst vor neuen US-Strafzöllen auf Waren aus China zuletzt die Nachfrage an. Nach Berechnungen der Analysefirma Canalys legte der lange schwächelnde Computer-Absatz im vergangenen Quartal um 4,7 Prozent zu.

Beim zweiten großen Standbein, Technik für Rechenzentren, legten die Erlöse nach zuletzt eher verhaltenen Quartalen um vier Prozent auf 6,4 Milliarden Dollar zu. In der Autosparte Mobileye, die unter anderem Technologie für autonomes Fahren entwickelt, wuchs der Umsatz um 20 Prozent auf 229 Millionen Dollar.

Insgesamt übertraf Intel im vergangenen Quartal die Markterwartungen. Der Umsatz blieb auf dem Vorjahreswert von 19,2 Milliarden Dollar, während Analysten mit rund einer Milliarde weniger gerechnet haben. Der Gewinn ging um sechs Prozent auf sechs Milliarden Dollar zurück. Der Konzern stockte zugleich sein Aktienrückkaufprogramm um 20 Milliarden Dollar auf. Die Aktie legte im nachbörslichen Handel am Donnerstag (24.10.) nach der Veröffentlichung der Zahlen um gut vier Prozent zu.

Infineon: Gewinn trotz Marktflaute

Europa größter Halbleiterhersteller hatte bereits im August seine aktuellen Quartalszahlen für das das am 30. Juni 2019 abgelaufene dritte Quartal veröffentlicht. Infineon schaffte es, sich in dem derzeit schwierigen Marktumfeld zu behaupten: Mit einem Umsatz von 2,015 Milliarden Euro konnten sich die Münchner gegen den Trend stellen und im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um vier Prozentpunkte zulegen.

Dr. Rainer Ploss, Vorsitzender des Vorstands von Infineon, prognostizierte: „Infineon hält Kurs. Obwohl die Weltwirtschaft weiterhin schwächelt, ist der Konzernumsatz im dritten Quartal weiter gewachsen. Die Nachfrage war insgesamt solide, größere Wachstumsimpulse blieben jedoch aus. Trotz des anhaltend schwierigen makroökonomischen Umfelds gehen wir davon aus, dass wir unsere Ziele für das laufende Geschäftsjahr erreichen. Die strukturellen Treiber in unseren Zukunftsmärkten sind intakt und die langfristige Wachstumsperspektive von Infineon ist weiterhin gut.“

STMicroelectronics: wieder bessere Geschäfte

STMicroelectronics wiederrum hat im dritten Quartal von wieder besseren Geschäften mit Mikrocontrollern, Sensoren und Chips für die Autoindustrie profitiert. Der Chiphersteller steigerte seinen Umsatz im Vergleich zum Vorquartal um 17,5 Prozent auf 2,55 Milliarden US-Dollar (2,3 Milliarden Euro), wie das Unternehmen letzte Woche am Donnerstag (24.10.) in Genf mitteilte. Damit übertraf STMicro die Erwartungen der Analysten, die im Schnitt 2,49 Milliarden Dollar auf dem Zettel hatten.

Seine nach einem schwachen zweiten Quartal gesenkte Umsatzprognose konkretisierte der Infineon-Konkurrent: Demnach erwartet der Konzern nun Erlöse von rund 9,48 Milliarden Dollar – und liegt damit in der Mitte der zuvor angepeilten Spanne zwischen 9,35 bis 9,65 Milliarden Dollar.

Das operative Ergebnis sprang im Quartalsvergleich um fast 71 Prozent auf 336 Millionen Dollar. Unter dem Strich blieben mit 302 Millionen Dollar sogar fast 90 Prozent mehr hängen als im Vorquartal. Allerdings lag die von Analysten viel beachtete Bruttomarge mit 37,9 Prozent um 0,3 Prozentpunkte unter dem Vorquartal. Aufgrund der teils starken Schwankungen werden Geschäftszahlen in der volatilen Chipbranche üblicherweise mit dem Vorquartal verglichen.

Das gute dritte Quartal kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass STMicro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bislang deutlich schlechter abgeschnitten hat. Zwar liegt der Umsatz 1,2 Prozent im Plus, doch sowohl das operative Ergebnis als auch der Überschuss sind klar zurückgegangen. Hier bekommt STMicro die insgesamt schwächere Nachfrage nach Chips für die Autoindustrie und Mikrocontrollern zu spüren.

Konzernchef Jean-Marc Chery hatte angekündigt, dass STMicro in der zweiten Jahreshälfte wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren wolle. Entsprechend zufrieden zeigte er sich mit den vorgelegten Zahlen.

Siltronic: weitere Stellenstreichungen

Der Hersteller von Halbleiter-Wafern Siltronic dagegen wird wegen der andauernden Schwäche der Chipindustrie etwas vorsichtiger für das Gesamtjahr. „Die anhaltenden konjunkturellen und geopolitischen Turbulenzen führen (...) zu einer stark eingeschränkten kurz- bis mittelfristigen Vorhersehbarkeit der Märkte“, sagte Konzernchef Christoph von Plotho laut Mitteilung. Zudem hätten die Kunden immer noch recht hohe Lagerbestände. Von Plotho sieht Umsatz und operative Gewinnmarge (Ebitda-Marge) 2019 daher eher in den unteren Hälften der Prognosebandbreiten.

Siltronic hatte beim Jahresausblick bereits zweimal zurückrudern müssen und stellt seit Juni einen Umsatzrückgang um circa 10 bis 15 Prozent sowie eine Ebitda-Marge von 30 bis 35 Prozent in Aussicht. Nach einem Umsatz von 1,46 Milliarden Euro im Jahr 2018 impliziert das einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) zwischen rund 371 bis etwa 459 Millionen Euro nach 589 Millionen Euro im besonders starken Vorjahr.

Angesichts des Drucks auf die Geschäfte plant Siltronic weitere Stellenstreichungen. „Um den niedrigen Auslastungen Rechnung zu tragen, haben wir bereits im ersten Halbjahr 2019 eine beträchtliche Zahl an Zeitarbeiternehmern in Deutschland freigesetzt und verringern derzeit die Anzahl der Mitarbeiter in Portland“, erklärte Siltronic-Chef von Plotho.

Die schwächelnden Smartphone-, PC- und Automärkte, auch wegen des US-chinesischen Handelsstreits, machen Chipkonzernen wie Infineon oder Intel schon eine Weile zu schaffen. Das bekommen dann auch die Hersteller von Halbleiter-Wafern zu spüren. Der Umsatz von Siltronic fiel in den drei Monaten bis Ende September im Vergleich zum zweiten Jahresviertel um 3,8 Prozent auf 299,8 Millionen Euro. Das Ebitda um 8,5 Prozent auf 91,5 Millionen Euro. Das entspricht einer Marge von 30,5 Prozent. Unter dem Strich verdiente Siltronic mit 59,5 Millionen Euro 13,1 Prozent weniger als im zweiten Jahresviertel.

Trotz der deutlichen Einbußen will Siltronic 2019 weiterhin einen Netto-Mittelzufluss erzielen. Dieser Netto-Cashflow soll rund 180 Millionen Euro unter dem Vorjahresniveau liegen. Das entspräche letztendlich einem Jahreswert von rund 60 Millionen Euro und impliziert nach 72,4 Millionen Euro in den ersten neun Monaten einen negativen Wert im Schlussquartal. 2020 soll der auch mit Blick auf die Dividende wichtige Netto-Mittelzufluss dann wieder deutlich steigen.

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(Mit Material von dpa)

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