Günstige Biosensoren aus Graphen bilden menschlichen Körper nach

| Redakteur: Hendrik Härter

Endlosfolie mit gedruckten Biosensoren: Fraunhofer-Forscher haben ein günstiges Rolle-zu-Rolle-Verfahren mit Graphen entwickelt.
Endlosfolie mit gedruckten Biosensoren: Fraunhofer-Forscher haben ein günstiges Rolle-zu-Rolle-Verfahren mit Graphen entwickelt. (Bild: Fraunhofer IBMT)

Mit zellbasierten Biosensoren lassen sich unter anderem Medikamente testen. Allerdings sind elektrisch messende Sensoren teuer. Wissenschaftler haben jetzt Biosensoren aus Graphen entwickelt.

Zellbasierte Biosensoren messen Veränderungen in Zellkulturen über elektrische Signale. Das geschieht über Elektroden, die innerhalb der Petrischale oder den Näpfchen einer sogenannten Wellplatte angebracht sind. Zerstören beispielsweise hinzugegebene Viren eine durchgängige Zellschicht auf den Elektroden, verringert sich der zwischen den Elektroden gemessene elektrische Widerstand. Auf diese Weise lässt sich die Wirkung von Impfstoffen oder Medikamenten testen: Je effektiver der Wirkstoff ist, desto weniger Zellen werden von den Viren zerstört und desto geringer ist die gemessene Widerstandsänderung.

Auch Toxizitätstests an Kosmetikprodukten können nach dem gleichen Prinzip ablaufen und in Zukunft möglicherweise Tierversuche ersetzen. Ein weiterer Vorteil: Verknüpft man Biosensoren mit einer Auswerteeinheit, können Messungen kontinuierlich und automatisiert ablaufen. Doch die Herstellung der beschriebenen Biosensoren ist teuer und aufwendig: Die Elektroden bestehen aus einem bioverträglichen und elektrisch leitfähigen Material wie Gold oder Platin.

Graphen für die Biosensoren

Für die Mikroelektrodenherstellung ist ein komplizierter lithografischer Prozess notwendig. Die Folge: Die Labore kaufen diese Biosensoren wegen der hohen Kosten oftmals erst gar nicht ein, die Untersuchung der Zellkulturen erfolgt weiter händisch unter dem Mikroskop. Alternativ zu Edelmetallen kann mittlerweile aber Graphen als Werkstoff für die Elektroden verwendet werden. Die Vorteile des aus Kohlenstoffen bestehenden Materials: Es ist elektrisch leitfähig, biokompatibel und lässt sich, sofern es in Form einer Tinte vorliegt, auf Oberflächen drucken.

Eine solche Graphen-Tinte haben sich Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Biomedizinische Technik IBMT aus St. Ingbert im Saarland zu Nutze gemacht. Gemeinsam mit Industriepartnern haben sie in dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF geförderten M-era.Net-Projekt BIOGRAPHY einen Druckprozess entwickelt, der es ermöglicht, Biosensoren aus Graphen in großer Stückzahl im kostengünstigen Rolle-zu-Rolle-Verfahren herzustellen.

Der Anlagen-Prototyp kann ungefähr 400 Biosensoren pro Minute auf eine Endlosfolie drucken. Während Druckanlage und Graphen-Tinte von Partnern stammen, haben sich die Wissenschaftler am IBMT um die Gestaltung des Druckprozesses gekümmert. Dabei kommt es auf Parameter wie Tintenviskosität, Druckgeschwindigkeit, Rakelanpressdruck – ein Rakel streift überschüssige Tinte ab – und Näpfchentiefe des Druckzylinders an. Ein interdisziplinäres Team aus Biologen und Technikern des IBMT entwickelte zudem eine Proteintinte, die nach dem Graphen direkt auf die Elektroden gedruckt wird. Erst durch die Proteine haften die Zellen ausreichend gut auf der Elektrodenfolie.

Ein komplizierter Vorgang

Die Oberflächenenergien von Folie und Tinte sind so aufeinander abzustimmen, dass der Transfer der Tinte vom Druckzylinder zur Folie optimal erfolgt. Besonders kritisch ist das Trocknen der gedruckten Strukturen, da die Proteine weder Lösemittel noch hohe Temperaturen vertragen. Nur der richtige Mix aus Tinteninhaltsstoffen und Trocknungsmethode gewährleistet, dass die Tinte ausreichend schnell trocknet. Die Forscher gehen davon aus, dass der Industrie spätestens in einem Jahr eine universelle Technikplattform zur Verfügung steht.

Laserquelle für nanophotonische Biosensoren

Medizintechnik

Laserquelle für nanophotonische Biosensoren

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