Kohlenstoffneutrale Industrie Grüne Wasserstoffwirtschaft: Belgisches Konsortium Hyve will Vorreiter werden

Redakteur: Michael Eckstein

Im Hyve-Projekt bündeln die flämischen Forschungszentren imec und VITO ihre Kräfte mit den Unternehmen Bekaert, Colruyt Group, DEME und John Cockerill. Ziel ist es, die Produktion von grünem Wasserstoff zu voranzutreiben.

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Großes Potenzial: Die Brennstoffzelle gilt als CO2-neutrale Energiequelle – wenn der genutzte Wasserstoff „grün“ erzeugt wurde.
Großes Potenzial: Die Brennstoffzelle gilt als CO2-neutrale Energiequelle – wenn der genutzte Wasserstoff „grün“ erzeugt wurde.
(Bild: Imec)

Gemeinsam treten die Partner unter dem Namen Hyve auf. Das Hyve-Konsortium strebt eine kosteneffiziente und nachhaltige Produktion von Wasserstoff auf Gigawatt-Niveau an. Hyve soll die flämische Region in Belgien zu einer Vorreiterin bei der Einführung einer grünen Wasserstoffwirtschaft und beim Übergang zu einer kohlenstoffneutralen Industrie in Europa machen.

Die Verpflichtung der EU, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen, ein Teil des europäischen Green Deals, lässt sich nur durch einen drastischen Umbau der Energieerzeugung erreichen. Innerhalb des Green Deals wird die Wasserstofftechnologie als essenziell für die Energiewende hin zu einer klimaneutralen Gesellschaft angesehen.

Grüner Wasserstoff als Schlüssel zur Dekarbonisierung

Besonders in der chemischen Industrie, der Stahl- und Zementindustrie und im Schwerlastverkehr wird grüner Wasserstoff als Schlüssel zur Dekarbonisierung angesehen. Heute ist die chemische Industrie auf grauen Wasserstoff angewiesen, der durch Wasserdampfreformierung hergestellt wird. Leider ist dieser Prozess mit dem Ausstoß großer Mengen an CO2 verbunden.

Grüner Wasserstoff hingegen wird durch die Elektrolyse von Wasser mit Hilfe von erneuerbarer Energie hergestellt. Um grünen Wasserstoff wettbewerbsfähig zu machen, muss der Preis für grünen Strom nach Ansicht nicht nur des Hyve-Konsortiums sinken, müssen kosteneffiziente Elektrolyseure verfügbar sein und Skaleneffekte zum Senken von Produktionskosten beitragen.

Akteure aus der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette vereint

Zum Erreichen dieses ehrgeizigen Ziels bringt das Konsortium Akteure aus der gesamten Wertschöpfungskette zusammen. Es vereint die Expertise in der Entwicklung neuer Komponenten für die Elektrolyse mit Materiallieferanten, Industrieunternehmen, die die neuen Komponenten in ihre Elektrolyseure integrieren werden, und Unternehmen, die diese innovative Infrastruktur zur Erzeugung von grünem Wasserstoff nutzen werden.

Die flämischen Forschungszentren imec und VITO, die bereits im Projekt EnergyVille zusammenarbeiten, wollen nach eigenen Angaben dazu beitragen, effizientere Elektrolyse-Technologien zu entwickeln. Imec gilt als stark bei Festkörperelektrolyten, Elektrodenoberflächen und Prozesstechnologie im Nanobereich. „Technologie ist ein wichtiger Schlüssel zum Verwirklichen einer nachhaltigen Gesellschaft ist“, sagt Luc Van den hove, CEO von imec. Im eigenen „Power-to-Molecules“-Programm erforsche sein auf Nanoelektronik und Digitaltechnik ausgerichtetes Forschungszentrum, wie CO2 in wertvolle Moleküle für die Industrie umgewandelt werden könne.

Problemstellungen in der Energiewende sind komplex

VITO ist ein auf Membranen, Katalyse und Systemintegration spezialisiertes Unternehmen. „Wir setzen auf einen systemischen Ansatz, der die gesamte technisch-wirtschaftliche Wertschöpfungskette berücksichtigt“, sagt Dirk Fransaer, Geschäftsführer des VITO. Das sei der beste Weg, um die komplexen Problemstellungen der Energiewende anzugehen.

Bekaert, Anbieter von metallischen porösen Transportschichten für die Elektrolyse, soll die entsprechenden Materialien zuliefern. John Cockerill, Weltmarktführer in der Herstellung von alkalischen Elektrolyseuren, soll die Ergebnisse in seine Produktion integrieren. DEME, weltweit führend bei Schwimmbaggerarbeiten und Offshore-Energiedienstleistungen, will die neuartigen Elektrolyseure schließlich zur Umwandlung von Wind- und Sonnenenergie in grünen Wasserstoff und daraus abgeleitete grüne Produkte („e-fuels“) einsetzen.

Erster wasserstoffbetriebender Schwerlastkraftwagen in Betrieb

Durch das sogenannte Hyport-Konzept will DEME zudem günstige grüne Wasserstoffprodukte nach Europa importieren, ergänzend zur lokalen europäischen Produktion. Der Handelskonzern Colruyt Group will Forschungsanwendungen für nachhaltigen Transport unterstützen. Die Colruyt Group betreibt bereits eine Wasserstofftankstelle, testet wasserstoffbetriebene Gabelstapler sowie die ersten Schwerlastkraftwagen, arbeitet über die Energieholding Virya Energy an einer grünen Wasserstoffanlage in Zeebrugge mit und forscht über Dats24 an E-Fuels.

„Die Colruyt-Gruppe produziert seit etwa zehn Jahren ihren eigenen grünen Wasserstoff. Vor drei Jahren haben wir die erste voll integrierte öffentliche Wasserstofftankstelle in Europa eröffnet. In den kommenden Monaten werden vier weitere öffentliche Wasserstofftankstellen ausgerüstet.“

Kürzlich habe sein Konzern den ersten wasserstoffbetriebenen 44-Tonnen-Elektro-Schwerlastkraftwagen in Europa auf die Straße gebracht. „Wir glauben ganz klar an die Wasserstofftechnologie als eine vielversprechende emissionsfreie Lösung für Transport und Logistik und sind entschlossen, in innovative Wasserstoffanwendungen zu investieren.“ Mit den Partnern im Hyve-Konsortium könne man in einer strategischen Kooperation zur Entwicklung einer neuen, vielversprechenden Wasserstoff-Elektrolyse-Komponente wichtige Schritte in Richtung einer nachhaltigeren Mobilität und Energieversorgung gehen.

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