Aus für „Project Loon“ Google-Mutter gibt Ballon-Projekt zur Internet-Versorgung auf

Autor / Redakteur: dpa / Sebastian Gerstl

Die Idee schien einleuchtend: Entlegene und dünn besiedelte Gegenden könnten aus der Luft viel besser mit Internet versorgt werden als mit herkömmlichen Mitteln. Doch nach Drohnen sind jetzt auch die bei Google dafür erfundenen Ballons am Ende - weil es sich nicht rechnet.

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Die Luft ist raus: Google-Dachkonzern Alphabet gibt das Projekt Loon, das Internetverbindungen per Ballon in entlegene Regionen der Erde bringen sollte, als zu unwirtschaftlich auf.
Die Luft ist raus: Google-Dachkonzern Alphabet gibt das Projekt Loon, das Internetverbindungen per Ballon in entlegene Regionen der Erde bringen sollte, als zu unwirtschaftlich auf.
(Bild: Google/Alphabet)

Der Google-Mutterkonzern Alphabet beendet seinen Versuch, entlegene Regionen mit Hilfe von Ballons mit schnellem Internet zu versorgen. Die dafür gegründete Tochterfirma Loon wird geschlossen.

„Wir haben keinen Weg gefunden, die Kosten so weit zu senken, dass ein langfristig nachhaltiges Geschäft möglich wird“, schrieb Loon-Chef Alastair Westgarth am Freitag in einem Blogeintrag. Nach über sieben Jahren findet das ambitionierte Projekt Google Loon, das Internet per Ballon in entlegene Regionen der Erde bringen sollte, damit ein unvermitteltes Ende.

„Moonshot-Projekt“ rechnete sich nicht

Google hatte die großen Ballons, die monatelang in der Luft bleiben können, bereits im Jahr 2013 vorgestellt. Die Idee war, dass entlegene und dünn besiedelte Gegenden sich auf diese Weise günstiger mit Internet versorgen lassen könnten als mit herkömmlicher Telekommunikations-Infrastruktur. Zwischenzeitlich probierten Google und auch Facebook dafür zudem Drohnen aus, gaben diese Pläne aber relativ schnell auf.

Bei den Ballons sah Google dagegen nicht nur rein humanitäres, sondern durchaus Geschäftspotenzial. Unter dem Dach der später geschaffenen Konzernmutter Alphabet wurde das Projekt 2018 in die eigenständige Firma Loon gebracht. Erst im vergangenen Jahr startete Loon in Kooperation mit einem lokalen Netzbetreiber die Versorgung einer Region in Kenia.

Loon musste enorme technische Herausforderungen überwinden: Die Ballons schweben umher und übermitteln Daten untereinander. Doch am Ende war es noch schwieriger, ein Geschäftsmodell aufzubauen. Internet-Zugänge wurden in den vergangenen Jahren in immer mehr Regionen verfügbar - und in den verbliebenen sind sie für die Einwohner zu teuer oder uninteressant.

Deshalb sei er zu dem Schluss gekommen, dass Loon nie einen Beitrag zu den Gewinnen des Konzerns leisten werde, sagte der Chef des Alphabet-Innovationslabors X, Astro Teller, dem Magazin Wired. Er betrachte es trotzdem als erfolgreiches Experiment: „Wahres Versagen ist, wenn die Daten zeigen, dass man nicht das richtige tut - und man trotzdem weitermacht.“

Mehrere Dutzend Loon-Ballons sind noch in der Luft. Sie werden voraussichtlich im Laufe der kommenden neun Monate zur Erde absinken und sollen dann eingesammelt werden.

Alphabet lässt sich Zukunftswetten wie Loon, die intern als „Moonshot-Projekte“ bezeichnet werden, Jahr für Jahr Milliarden kosten, während das Google-Kerngeschäft mit Online-Werbung nach wie vor das Geld dafür liefert. Das bisher bekannteste Innovationsprojekt des Konzerns ist die Roboterwagen-Firma Waymo, die als ein führender Player beim autonomen Fahren gilt.

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