Verkauf nach Taiwan? Globalwafers bietet 4,4 Mrd. Euro für Wafer-Hersteller Siltronic

| Aktualisiert am 25.01.2021Autor / Redakteur: dpa / Sebastian Gerstl

In der Chipindustrie bahnt sich die Übernahme des deutschen Unternehmens Siltronic an. Der Vorstand empfiehlt die Annahme des nachgebesserten Angebots aus Taiwan. Die Aktionäre haben noch wenige Tage Zeit für eine Entscheidung.

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Der deutsche Waferproduzent Siltronic erwähtr einen Verkauf an den taiwanischen Wettbewerbskonkurrenten Globalwafers.
Der deutsche Waferproduzent Siltronic erwähtr einen Verkauf an den taiwanischen Wettbewerbskonkurrenten Globalwafers.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Der taiwanesische Chip-Zulieferer Globalwafers bangt offenbar um den Erfolg der angestrebten Übernahme des deutschen Waferherstellers Siltronic. Erst hatte der Konzern in den vergangenen Tagen den gebotenen Preis gleich zweimal aufgestockt auf nun 145 Euro je Aktie. Damit ist das Angebot nun knapp 4,4 Milliarden Euro schwer. Am Montag senkte er laut einer Mitteilung nun die Mindestannahmeschwelle von 65 auf 50 Prozent und verlängerte die Annahmefrist um zwei Wochen bis zum 10. Februar.

Gleichzeitig versucht die Chefin von Globalwafers, Doris Hsu, Druck zu machen. Eine weitere Aufbesserung des Gebots schließt sie aus. Der Siltronic-Kurs geriet unter Druck.

„Wir können bestätigen, dass wir umgehend alternative Wachstumspläne verfolgen werden, die sich in einem fortgeschrittenen Planungsstadium befinden und wir kein weiteres öffentliches Angebot für Siltronic abgeben werden, wenn die notwendige Mindestannahmeschwelle nicht erreicht wird", sagte die Managerin laut Mitteilung.

Sie betonte zudem, dass auch ohne einen Beherrschungs- und/oder Gewinnabführungsvertrag (BGAV) ausreichend Synergien zwischen beiden Unternehmen möglich seien. Es werde innerhalb der kommenden drei Jahre keine Maßnahmen ergriffen, um einen BGAV abzuschließen, hieß es vom Unternehmen. Die Managerin verspricht sich einen Ausbau der technischen Kompetenzen, eine flexiblere Produktion sowie eine breitere geografische Abdeckung und einen besseren Kundenzugang. Beide Unternehmen produzieren sogenannte Wafer. Das sind dünne Siliziumscheiben, aus denen Computerchips hergestellt werden.

Hohe Strompreise in Deutschland machen Waferproduktion zunehmend unrentabel

In diesem Zusammenhang hatte Globalwafers bereits im Dezember angekündigt, das Werk im bayerischen Burghausen als führenden Forschungs- und Entwicklungsstandort von Siltronic erhalten sowie in Deutschland bis mindestens Ende 2024 auf betriebsbedingte Kündigungen oder Standortschließungen verzichten zu wollen. Allerdings kritisiert Siltronic-Chef Christoph von Plotho schon lange die hohen Strompreise in Deutschland, wo Werke in Freiberg und Burghausen stehen.

Ende 2020 hatten die Taiwaner zunächst 125 Euro je Aktie geboten. Das war zwar ein deutlicher Aufschlag im Vergleich zu dem Kurs, zudem die Papiere vor der Bekanntgabe von Gesprächen zwischen beiden Unternehmen notiert hatten. Allerdings hatte sich das Halbleitermarktumfeld gegen Ende letzten Jahres auch stark aufgehellt, Chiphersteller kommen angesichts des Digitalisierungs- und Elektroautobooms mit der Produktion kaum hinterher. Anleger hatten vor diesem Hintergrund recht schnell auf mehr als die zunächst gebotenen 125 Euro gesetzt.

Selbst mit der gesenkten Mindestannahmeschwelle braucht Globalwafers nun weitere 13,05 Prozent aller ausstehenden Aktien, um erfolgreich zu sein. Die Taiwaner halten mittlerweile selbst gut 6 Prozent an Siltronic. Zudem hatte Wacker Chemie bereits im Dezember vertraglich zugesichert, seinen knapp 31 Prozent Anteil an Siltronic abzugeben.

Das Management von Siltronic stand von Anfang an hinter dem geplanten Zusammenschluss. Er „ist eine große Chance für Siltronic und Globalwafers, gemeinsam ein Unternehmen zu bilden, das sowohl technologisch wie auch effizienzseitig an der Weltspitze agiert", sagte Siltronic-Chef von Plotho im Dezember.

Bei einem Preis von 140 Euro je Aktie dürfte sich der Konzern die Vorteile der Übernahme mit den Aktionären von Siltronc in etwa fair teilen, hatte Analyst Florian Treisch von der Commerzbank erst vergangene Woche errechnet. Eine Aufstockung - wie sie dann am Wochenende auch erfolgte - hielt er für möglich, allerdings ohne große Sprünge. Denn: Zwar passten die beiden Unternehmen sehr gut zusammen, zum Überleben brauche Globalwafers einen Deal aber nicht. Mit Blick auf eine Expansion etwa durch einen Werksneubau sei der Konzern in einer guten Position.

Für Siltronic bestehe ebenfalls eine solche Möglichkeit, allerdings seien die Optionen weniger attraktiv, da der Großaktionär Wacker Chemie offenbar nicht so engagiert sei, wie er es sein sollte, erklärte Treisch.

Der Bau einer neuen Fabrik würde denn auch erst einmal viel Geld kosten und laut dem Analysten Constantin Hesse vom Investmenthaus Jefferies zwei bis drei Jahre dauern. Allerdings würden die bis dahin notwendigen hohen Investitionen wohl auch durch stark laufende Geschäfte teilweise ausgeglichen. So dürften die derzeit ohnehin knappen Produktionskapazitäten der Branche schon bald vollständig ausgelastet sein. Im Zuge möglicher Werksneubauten dürften die Anbieter also umfangreiche Preiserhöhungen bei ihren Kunden durchsetzen können.

Angesichts dieser glänzenden Perspektiven erscheinen die Aktien laut Hesse auf dem aktuellen Kursniveau fair bewertet. Er errechnet - ebenso wie Commerzbank-Experte Treisch - ein Kursziel von 150 Euro.

Für ein wenig Verunsicherung unter den Aktionären sorgten die klaren Worte der Globalwafers-Chefin am Montag dann allerdings doch. Einige machten lieber Kasse. Die Siltronic-Aktien fielen um 2,69 Prozent auf 141,30 Euro, nachdem sie vor dem Wochenende noch bis auf 147,35 Euro und damit auf ein Hoch seit August 2018 gestiegen waren. Ihre Bestmarke hatten sie im selben Jahr bei gut 160 Euro erreicht./mis/men/stk

Originalmeldung von 09:56 Uhr:

Das Führungsgremium des Waferherstellers Siltronic hat sich für das nochmals erhöhte Übernahmeangebot des taiwanischen Chip-Zulieferers Globalwafers ausgesprochen. Der Vorstand begrüße das aufgestockte Kaufgebot und halte die Offerte insgesamt für attraktiv, teilte Siltronic am Samstagabend mit. Das Unternehmen verwies darauf, dass der nun angehobene Angebotspreis einer Erhöhung von 16 Prozent zum ursprünglichen Gebot entspreche. Siltrionic, das seinen Hauptsitz in München hat, produziert Wafer aus Reinstsilizium und zählt zu den größten reinen Waferproduzenten der Halbleiterindustrie.

Großaktionär Wacker signalisiert Bereitschaft zum Verkauf

Globalwafers hatte am Samstag mitgeteilt, statt wie zuletzt 140 Euro würden den Siltronic-Aktionären nun für alle ausstehenden Stammaktien 145 Euro je Anteilsschein gezahlt. Dies sei das „endgültige Übernahmeangebot“, hieß es. Erst am Freitag hatte Globalwafers die Offerte von 125 auf 140 Euro erhöht.

Alle anderen Bedingungen des Übernahmeangebots blieben unverändert. Die Aktionäre können damit weiterhin bis zum 27. Januar überlegen, ob sie die Offerte annehmen. Wafer sind dünne Scheiben aus Silizium, die als Grundplatte für elektronische Bauelemente wie Mikrochips dienen.

Der Großaktionär Wacker Chemie hatte bereits im Dezember vertraglich zugesichert, seinen knapp 31 Prozent Anteil an Siltronic abzugeben, was knapp 1,2 Milliarden Euro in die Kasse spülen würde. Zudem hatte Globalwafers im Dezember eine Mindestannahmeschwelle von 65 Prozent genannt. Insgesamt hält der Konzern laut der Mitteilung vom Freitag derzeit 4,53 Prozent an Siltronic.

Deutsche Standorte sollen vorerst erhalten bleiben

Für den Fall, dass es zu einer erfolgreichen Übernahme kommt, hatte Globalwafers angekündigt, dass deutsche Siltronic-Standorte bis Ende 2024 vor Schließungen ebenso geschützt sind wie die Mitarbeiter in Deutschland vor betriebsbedingten Kündigungen.

In Deutschland unterhät Siltronic neben dem Hauptsitz in München noch Standorte in Burghausen und im sächsischen Freiberg. Außerhalb Deutschlands ist Siltronic zudem in Portland (USA) und in Singapur aktiv.

Chipmangel in Autoindustrie: Bundesregierung wendet sich an Taiwan

Taiwan ist neben China das wichtigste Herstellerland für die Halbleiterelemente. In der deutschen Automobilindustrie gibt es derzeit einen Mangel an Mikrochips und Sensoren. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier wandte sich deshalb per Brief an die taiwanische Regierung und bat um Hilfe bei der Lösung der derzeitigen Versorgungsprobleme, wie die „Saarbrücker Zeitung“ berichtete. Das sei für ihn „von herausragender industriepolitischer Bedeutung“, da sonst die wirtschaftliche Corona-Erholung der Branche gefährdet werde.

Der Verband der Automobilindustrie war an Altmaier herangetreten, weil der Chip-Mangel die Autoproduktion erheblich beeinträchtigt. Hintergrund ist unter anderem eine hohe Nachfrage nach Halbleitern: Das Autogeschäft hat sich nach dem Corona-Einbruch früher als erwartet belebt, während andere Branchen wie Unterhaltungselektronik oder Medizintechnik ebenfalls versorgt werden wollen.

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