Abgekündigte Halbleiter Gigantisches Ersatzteillager

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Oldtimerfans kennen das Problem und haben gelernt, damit zu leben: Das geliebte Schnauferl muss wie-der mal in der Garage bleiben, weil ein wichtiges Ersatzteil nicht lieferbar ist. Das betrifft nur Oldtimer? Weit gefehlt! Aufgrund der immer kürzer werdenden Produktzyklen sind gerade in der Elektronik immer mehr Bauelemente vom Originalhersteller nicht mehr lieferbar.

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In der Geschichte wurden schon immer regelmäßig alte durch neue Technologien ersetzt. Heute wird ein Technologiewechsel bereits in wenigen Monaten vollzogen und das Tempo wird vor allem von der Computer-, Kommunikations- und der Konsumelektronik-Branche be-stimmt. Für Hersteller und Betreiber speziell von langlebigen Wirtschaftsgütern verursacht die Beschaffung von Ersatzteilen oft hohe Kosten und Qualitätsprobleme, für die Lieferanten ist sie eine ernste und manchmal schwer lösbare Herausforderung.

Vereinigung der Obsolescence-Opfer

Erstmals fanden sich 1997 vom Thema Obsolescence Betroffene in Großbritannien zusammen und gründeten die Component Obsolescence Group (COG), in der mittlerweile 160 Unternehmen Mitglied sind. Dazu gehören u.a. Bauteile-Hersteller und -Distributoren, After-Market-Lieferanten, Anbieter von Obsoleszenz-Management-Werkzeugen, Organisationen der Regierung und der Industrie sowie vor allem OEMs u.a. aus der Luft- und Raumfahrt, Telekommunikation, Atom-Energie, Medizintechnik, usw.

Autorisierter Lieferant für obsolete ICs

Als Mitglied der COG UK bzw. COG Deutschland fehlt hier weder Rochester Electronics als der Spezialist für abgekündigte ICs, noch die municom GmbH in Traunstein, ein Distributor für Produkte der Hochfrequenz- und optischen Übertragungstechnik. Eine Spezialität der municom (25 Mitarbeiter) ist die Lieferung obsoleter Halbleiter. „Die obsoleten Bauelemente liefert uns unser Partner Rochester in den USA“, erläutert Isolde Snyder, Verkaufsleiterin und Prokuristin der municom, die Rochester seit über 15 Jahren auf dem deutschsprachigen Markt vertritt.

Die Rochester Electronics, Inc., mit Sitz in Newburyport, Massachusetts, und Verkaufszentralen in England und China wurde 1982 von Eigentümer, President und CEO Curt Gerrish gegründet. Sein Ziel war von Anfang an, ein umfassendes Produktspektrum abgekündigter Bauelemente anzubieten, die von den Originalherstellern legitimiert sind. „Rochester Electronics ist der weltweit einzige vom Originalhersteller autorisierte Hersteller und Lieferant für abgekündigte ICs“, bekräftigt Isolde Snyder, „unsere Kunden erhalten über Rochester Electronics ausschließlich Originalware, inklusive Ursprungsnachweis (CoC)!“

Exklusive Verträge mit allen renommieren Herstellern

Wie Frau Snyder verrät, hat Rochester mit mehr als 40 der weltweit führenden Halbleiterherstellern Exklusivverträge abgeschlossen wobei mittlerweile als erster europäischer Hersteller auch Infineon dazugekommen ist.

Wie Rochester zu den begehrten Bauelementen kommt erklärt die langjährige municom-Mitarbeiterin so: „Alle Restbestände an abgekündigten Halbleitern der Original-Hersteller werden auf Basis kontinuierlicher Warentransfers an Rochester überstellt – und zwar vom einzelnen Chip, über den Wafer bis hin zum Fertigprodukt.“

Bei Bedarf wird nachgefertigt

Rochester deckt alle abgekündigten Halbleiterprodukte der Originalhersteller ab und kann über 700 Mio. fertige ICs ab Lager liefern. Darüber hinaus besitzt Rochester eine Wafer-Bank mit über 7 Mrd. Chips/Wafern vom Original-Hersteller, gelagert in Stickstoff (Class 10.000 Reinraum), für die Nachfertigung von ICs in der gewünschten Version. Das Unternehmen hat darüber hinaus Zugriff auf Werkzeuge, Masken, Testprogramme, Burn-in-Boards der Original-Hersteller zum Nachfertigen neuer Bausteine. So sind über 16.000 verschiedene Halbleiter aus der Rochester-Produktion erhältlich. „Damit ist Rochester eine zuverlässige Quelle für abgekündigte Halbleiter“, versichert Snyder.

Rochester verfügt über eigene Test- und Burn-in-Labors sowie über Konzepte und Kapazitäten zur Langzeitversorgung und Langzeitlagerung. Möglich ist das Screening nach MIL-STD-883, SMD oder Kundenspezifikation. Eine weitere Rochester-Dienstleistung, die schon mehrfach in Anspruch genommen wurde, ist das Reverse-Engineering. Über die Rochester Online-Suche kann der Anwender nach seinen gewünschten Produkten suchen oder auch die erweiterten Suchmöglichkeiten von municom nutzen.

Und was ist mit RoHS?

Rochester fertigt bereits eine ganze Reihe von obsoleten Halbleitertypen auf Wunsch auch RoHS-konform. Erwartungsgemäß sind diese ICs ein Form-Fit-Function-Ersatz für den Original-Baustein, Hersteller-Gewährleistung/-Nachweis inklusive. Die Nachfertigung ist dabei vom Ori-ginal-Hersteller autorisiert.

Vorsicht Fälschung!

Ein Problem, das in jüngster Zeit immer größer wird, sind gefälschte Bauelemente, so Snyder: „Es gibt immer mehr gefälschte Bauelemente, sogenannte Counterfeits, die illegal produziert und angeboten werden.“ Äußerlich sind die Fälschungen vom Original kaum zu unterscheiden, aber das Innenleben hat es oftmals in sich – nicht selten mit äußerst unangenehmen und durchaus auch sehr ernsten Konsequenzen, wenn der Baustein bereits verbaut ist. „Rochester Electronics übernimmt nur Warenbestände vom Original-Hersteller. Das heißt, Rochester bürgt in jedem Fall für Qualität und Ursprung der Bauteile“, beteuert Isolde Snyder.

Zum Beispiel der Baustein in Bild 4 wurde im Testlabor von Rochester geprüft und analysiert. Dabei wurden signifikante Abweichungen in Aufschrift, Material und Konstruktion gegenüber dem authentischen Baustein von Rochester festgestellt. Damit war das verdächtige Bauelement eindeutig als nicht bei Rochester Electronics produzierte Fälschung identifiziert.

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