Gewinn trotz Marktflaute: Infineon schlägt sich wacker in schwierigem Halbleitermarkt

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Infineon stellt sich gegen den Trend: Während die meisten Unternehmen auf dem globalen Halbleitermarkt Verluste hinnehmen mussten gelang es dem deutschen Halbleiterhersteller, entgegen der allgemeinen Marktentwicklung an Umsatz zuzulegen. Andernorts sieht es düsterer aus, teilweise mussten Unternehmen einen Umsatzrückgang von über 50% einstecken. Auch Osram steht nach den letzten Quartalsberichten stark angeschlagen da.
Infineon stellt sich gegen den Trend: Während die meisten Unternehmen auf dem globalen Halbleitermarkt Verluste hinnehmen mussten gelang es dem deutschen Halbleiterhersteller, entgegen der allgemeinen Marktentwicklung an Umsatz zuzulegen. Andernorts sieht es düsterer aus, teilweise mussten Unternehmen einen Umsatzrückgang von über 50% einstecken. Auch Osram steht nach den letzten Quartalsberichten stark angeschlagen da. (Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Während in der Halbleiterbranche die Umsätze auf breiter Fläche rückläufig sind, hat sich Infineon trotz schwieriger Bedingungen im vergangenen Quartal wacker geschlagen. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 4% auf knapp 2 Milliarden Euro. Andere Chiphersteller wie TI, Qualcomm oder NXP stehen deutlich schlechter da.

Nahezu jeder der zehn weltweit größten Halbleiterhersteller musste im vergangenen Halbjahr im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2018 einen Rückgang der Umsätze hinnehmen. Infineon schaffte es dagegen, sich in dem derzeit schwierigen Marktumfeld zu behaupten: Mit einem Umsatz 2,015 Milliarden Euro konnte der deutsche Chiphersteller sich gegen den Trend stellen und im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um vier Prozentpunkte zulegen.

Solide Nachfrage trotz schwächelnder Weltwirtschaft

Im Vergleich zum Vorquartal verzeichnete Infineon ein Plus von zwei Prozent. Damit lag Infineon im Rahmen der eigenen Erwartungen. Das operative Ergebnis ging im Jahresvergleich allerdings um 11% auf 317 Millionen Euro zurück. Im Quartalsvergleich stand ein Minus von 5% zu Buche. Seine im März wegen der Flaute der Automärkte und des schwächeren Wachstums in China gesenkte Prognose für das Geschäftsjahr 2018/19 (per Ende September) bestätigte Infineon.

„Obwohl die Weltwirtschaft weiterhin schwächelt, ist der Konzernumsatz im dritten Quartal weiter gewachsen“, sagt Dr. Reinhard Ploss, Vorsitzender des Vorstands von Infineon. „Die Nachfrage war insgesamt solide,

größere Wachstumsimpulse blieben jedoch aus. [...] Die strukturellen Treiber in unseren Zukunftsmärkten sind intakt und die langfristige Wachstumsperspektive von Infineon ist weiterhin gut.“

Auch in das restliche Jahr blickt Infineon mit Optimismus: Bei einem unterstellten EUR/USD-Wechselkurs von 1,15 wird ein Umsatzanstieg von 1% plus oder minus 2 Prozentpunkte gegenüber dem Vorquartal erwartet. Die Segmentergebnis-Marge wird voraussichtlich etwa 14,5% in der Mitte der Umsatzspanne betragen.

Des Weiteren plant Infineon mit einer Kapitalerhöhung von 1,5 Milliarden Euro, die sich aus der geplanten Übernahme des amerikanischen Chipherstellers Cypress ergeben soll. Im Juni 2019 hatte Infineon angekündigt, Cypress für 9 Milliarden Euro übernehmen zu wollen. Zum endgültigen Abschluss der Transaktion bedarf es noch der Zustimmung der Aktionäre von Cypress und der zuständigen Aufsichtsbehörden sowie der Erfüllung weiterer üblicher Bedingungen. Abschluss und Vollzug der Transaktion werden gegen Ende des Kalenderjahres 2019 oder zu Beginn des Kalenderjahres 2020 erwartet.

Qualcomm-Ausblick enttäuscht Anleger

Bei der unmittelbaren Konkurrenz sehen die Umsätze dagegen nicht so rosig aus. Der Chipkonzern Qualcomm hat die Börse mit seinem Ausblick auf das laufende Quartal enttäuscht. Qualcomm verwies unter anderem auf eine schwächere Nachfrage nach LTE-Geräten angesichts des anstehenden Übergangs zum superschnellen 5G-Datenfunk

Der Konzern rechnet für das noch bis Ende September laufende vierte Geschäftsquartal mit Erlösen zwischen 4,3 und 5,1 Milliarden US-$ (3,78 bis 4,6 Mrd Euro) - das wäre ein Rückgang von bis zu 26 Prozent im Jahresvergleich. Beim Gewinn pro Aktie geht Qualcomm von bis zu 0,75 US-$ aus, während Analysten mit mehr als einem US-$ gerechnet hatten.

Das dritte Geschäftsquartal war noch von der Beilegung des Patentstreits mit Apple geprägt. Qualcomm beziffert den positiven Effekt der Einigung auf 4,7 Milliarden US-$ durch Zahlungen von Apple und den Wegfall von Verpflichtungen beim iPhone-Konzern und seinen Auftragsfertigern. Von Apple und den Herstellern bekam Qualcomm im vergangenen Quartal nun auch wieder Zahlungen für Patentlizenzen.

Die Quartalszahlen zeigen erneut, wie wichtig und lukrativ für Qualcomm das Geschäft mit Patentlizenzen ist. Es warf bei einem Umsatz von knapp 1,3 Milliarden US-$ fast 900 Millionen US-$ operativen Gewinn ab. Beim Chipverkauf kam Qualcomm unterdessen auf ein operatives Ergebnis von 504 Millionen US-$ bei knapp 3,57 Milliarden US-$ Umsatz.

Texas Instruments zeigt trotz Umsatzrückgang positiven Ausblick

Texas Instruments hat die Märkte mit einem optimistischen Blick auf das dritte Quartal positiv überrascht. Damit will der US-Chipkonzern Befürchtungen dämpfen, dass der Handelsstreit zwischen den USA und China die US-Wirtschaft abwürgt.

Im vergangenen Quartal konnte der US-Chipkonzern beim Gewinn pro Aktie im zweiten Quartal 1,36 US-$ verzeichnen, vier Cent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das Unternehmen selbst hatte 1,12 bis 1,32 US-$ in Aussicht gestellt. Der Umsatz fiel um 9,5% auf 3,67 Milliarden US-$. Die Rückgänge waren dabei sowohl im Analogsegment (-6%) sowie im Embedded-Prozessorengeschäft (-16%) zu verzeichnen. Trotzdem blickt der amerikanische Chiphersteller zuversichtlich in das restliche Halbjahr und erwartet, im kommenden Quartal wieder zulegen zu können.

Samsung-Gewinn mehr als halbiert

Die andauernde Schwäche des Chipmarkts auch beim Technologieriesen Samsung zu einem deutlichen Gewinnrückgang geführt. Die Profite des südkoreanischen Unternehmens für das zweite Quartal 2019 haben sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als halbiert, wie aus dem neuesten Geschäftsbericht von Samsung Electronics hervorgeht. Der Betriebsgewinn beläuft sich für die Monate April bis Juni auf umgerechnet knapp mehr als 5 Milliarden Euro - ein Minus von fast 60 Prozent im Jahresvergleich.

Die Zahlen des Marktführers bei Speicherchips, Smartphones und Fernsehern übertrafen zwar leicht den Ergebnisausblick, den Samsung im Vormonat veröffentlicht hatte. Für die zweite Jahreshälfte erwarte man, dass die Nachfrage wieder wachsen werde, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

In der Halbleiter-Sparte verbuchte Samsung jedoch für das zweite Jahresquartal einen Betriebsgewinn von umgerechnet knapp 2,6 Milliarden Euro. Dies ist der niedrigste Wert seit Herbst 2016. Unterm Strich verbuchte Samsung einen Nettogewinn von 5,18 Billionen Won (3,9 Mrd Euro), das war ein Rückgang von 53%.

Samsung konnte zwar nach eigenen Aussagen kurzzeitig von dem derzeit schwelenden Handelskonflikt zwischen den USA und China profitieren. Allerdings befürchtet das Unternehmen eine zweite Handelskrise, die derzeit zwischen Südkorea und Japan schwelt.

Andere Halbleiterhersteller wie Micron, SK Hynix oder Toshiba, deren Schwerpunkte in der Speicherherstellung liegen, mussten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ebenfalls Umsatzrückgänge von 40% oder mehr verbuchen. Generell brach der Speichermarkt deutlich ein, bei DRAM-Bausteinen meldet Marktforschungsinstitut IC Insights einen globalen Rückgang von 37,8%.

Europäische Konkurrenz: NXP und ST Microelectronics verzeichnen Rückgang

Auch NXP und ST Microelectronics, die zwei größten direkten Konkurrenten zu Infineon auf europäischem Boden, mussten in der ersten Jahreshälfte 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum Federn lassen. NXP erzielte im zweiten Quartal einen Umsatz von 2,217 Milliarden US-$ bzw 2,007 Milliarden Euro und ist damit leicht hinter Infineon zurückgefallen. Im Vorhjahreszeitraum hatten die Umsätze noch drei Prozentpunkte höher bei 2,290 US-$ (ca 2,056 Milliarden Euro) gelegen .

Auch ST Microelectronics musste im entsprechenden Zeitraum einen Umsatzrückgang hinnehmen. Der Chiphersteller mit Geschäftshauptsitz in der Schweiz lag in der ersten Jahreshälfte 2019 bei einem Umsatz von 2,173 Milliarden US-$ (1,946 Milliarden Euro), ein Rückgang von 4,2% gegenüber dem Vorjahreszeitraum (2,269 Milliarden US-$ / 2.032,34 Milliarden Euro).

Bei Osram, nach Infineon einer der größten deutschen Anbieter von Halbleitern, sieht es dagegen deutlich düsterer aus: Die Geschäfte brachen im vergangenen Quartal abermals stark ein. So sank der Umsatz im Automobilgeschäft um 12,5% auf 431 Mio. Euro, selbst der ansonsten starke Geschäftsbereich Osram Opto Semiconductors am Standort in Regensburg musste einen Umsatzeinbruch von 21% hinnehmen. Angesichts der schlechten Zahlen haben sich Anfang Juli Osrams Unternehmensführung und Aufsichtsrat darauf geeinigt, das Übernahmeangebot von Bain Capital zu 35 Euro je Aktie zu akzeptieren. (Mit Material von dpa).

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