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Leitungen Gewappnet gegen Feuer und Flamme durch brandsichere Kabel

| Redakteur: Kristin Rinortner

Wo Menschenleben gefährdet sind, muss auf Sicherheitstechnik hundertprozentig Verlass sein – etwa im Falle eines Brands. Das gilt insbesondere für elektrische Leitungen.

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Brandsichere Leitungen: Bei der Leitung ETHERLINE HEAT 6722 besteht der Mantel aus Polyurethan (PUR). Die Leitung gibt es in drei Leistungsklassen als Cat.5e-, Cat.6A- und Cat.7-Varianten.
Brandsichere Leitungen: Bei der Leitung ETHERLINE HEAT 6722 besteht der Mantel aus Polyurethan (PUR). Die Leitung gibt es in drei Leistungsklassen als Cat.5e-, Cat.6A- und Cat.7-Varianten.
(Bild: Lapp)

Ein Brand im Krankenhaus, Bahn-Tunnel oder im Einkaufszentrum: Die Feuerwehr arbeitet unter Hochdruck, um das Feuer zu löschen. Dabei muss sie sich auf die Technik verlassen können: Sind noch Personen im Gebäude? Möglichst lange müssen nicht nur die Überwachungskameras funktionieren, ebenso lebensrettend sind die Brandmelder, die die Ausbreitung des Feuers anzeigen, oder die Lüftungssteuerung.

Der kritische Faktor ist die Datenübertragung, die zwischen Anlagen und Gebäudeleitzentrale störungsfrei weiterlaufen muss, auch wenn eine Leitung direkt durch das Feuer führt. Deshalb sind dort, wo sich Menschen aufhalten, nur spezielle Leitungen erlaubt, die nicht in Brand geraten und die nach dem Löschen nicht von selbst weiterglimmen.

Die Lapp Gruppe hat etliche Leitungen im Angebot, die für derartige Einsatzzwecke geeignet sind, darunter ETHERLINE HEAT 6722, die für die Verkabelung in Bussen entwickelt wurde, wo sich viele Menschen auf engem Raum aufhalten. Oder die ETHERLINE FIRE Cat.5e PH120, ein flexibles industrie­taugliches Hochgeschwindigkeits-Datenkabel für die feste Verlegung in Gebäuden. Es besitzt eine hochwertige Abschirmung und einen Isolationserhalt bei Brandeinwirkung für mindestens 120 Minuten, gemäß der Norm EN50200, welche den Erhalt der grundlegenden elektrischen Eigenschaften fordert.

Mit dieser Leitung hat sich der Stuttgarter Hersteller für Verbindungstechnik eine Alleinstellung erarbeitet: „So weit wir wissen, ist es das einzige Kabel auf dem Markt, das mindestens zwei Stunden im Feuer aushält, und dabei immer noch Daten überträgt“, berichtet Ralf Moebus, Leiter Automation & Networks bei der Lapp Gruppe.

Solche Brandeigenschaften lassen sich nur mit einem hohen Aufwand erzielen. Das ETHERLINE FIRE Cat.5e PH120 besteht aus einer Kombination verschiedener Materialien und Verarbeitungsverfahren: Die Datenübertragung erfolgt über acht biegsame Kupferdrähte mit einem Querschnitt von je 0,25 mm2. Der Draht ist mit Polyethylen ummantelt, darum ist ein nicht brennbares Tape aus mineralisiertem Glasgarn gewickelt. Je zwei Adern sind als Aderpaar verdrillt und mit Polyethylenband sowie noch einmal mit Mineralglastape umwickelt. Die vier Aderpaare sind durch ein Kreuz aus Polyethylen getrennt und um dieses herumgedrillt, hinzu kommt ein Beidraht zur Erdung.

Dieses Bündel wird mit einer weiteren Schicht Mineralglastape umhüllt. Es folgt die Schirmung mit einem Aluminium-Polyester-Tape mit der metallischen Seite innen. Die hier besonders dicke Aluminiumfolie dient sowohl als Abschirmung gegen elektromagnetische Störungen als auch als Hitzebarriere.

Außen folgt schließlich der Mantel aus einem thermoplastischen Elastomer (TPE). Dieser Kunststoff ist hochflammwidrig und erzeugt wenig Rauchgas, wenn er abbrennt. Passend zum Einsatzzweck ist der Mantel feuerrot. Das Kabel misst im Durchmesser 8,3 mm und wiegt ungefähr 75 g/m.

Brandhemmende Leitungen ohne Halogene

Der TPE-Mantel enthält keine Halogene. Leitungen, die besondere Brandschutzanforderungen erfüllen müssen, sind oft aus Polyvinylchlorid (PVC). Neben großen Mengen Chlor enthalten diese Leitungen als Brandhemmer weitere Halogene wie Fluor und Brom. Diese Additive verhindern das schnelle Abbrennen des Kabelmantels und begünstigen das Verlöschen eines Brandes am Kabel, wenn die äußere Brandursache wegfällt, etwa wenn die Feuerwehr gelöscht hat.

Wo sich Menschen aufhalten sind PVC-Leitungen allerdings tabu, denn die Halogene können sich mit Wasser zu Säuren verbinden, die die Atemwege verätzen. Ein Vorteil von FRNC-Mantelmaterial liegt in der geringen Rauchgasdichte. Das bedeutet, dass im Brandfall keine großen Rauchmengen freigesetzt werden, die Sicht also nur wenig beeinträchtigt wird.

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