Geplante Übernahme: Qualcomm verlängert Angebot für NXP

| Redakteur: Michael Eckstein

NXP liefert hochintegrierte Funklösungen für Mobilfunk, IoT und Automotive
NXP liefert hochintegrierte Funklösungen für Mobilfunk, IoT und Automotive (Bild: Zero40 Studios / NXP)

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Noch immer ist unklar, ob die europäische Regulierungsbehörde grünes Licht für den Verkauf des niederländischen Chip-Spezialisten NXP gibt. Daher verlängert Qualcomm sein Übernahmeangebot bis Ende Oktober. Das wird voraussichtlich nicht reichen.

Offiziell endet das Übernahmeangebot von Qualcomm für seinen europäischen Konkurrenten NXP Semiconductor an diesem Freitag. Nun hat der amerikanische Chiphersteller seine Offerte bis zum 20. Oktober 2017 verlängert. In der Hoffnung, dass die EU-Regulierer bis dahin grünes Licht geben.

Angesichts des Umfangs der Akquisition kann es allerdings gut sein, dass Qualcomm die Laufzeit für sein Angebot noch einmal verlängern muss. Die EU muss ihre Entscheidung spätestens im Dezember veröffentlichen.

Die Europäische Kommission, die Regulierungsbehörde der Europäischen Union, untersucht den Fall gründlich. Sie will ausschließen, dass das Geschäft den Wettbewerb verzerrt und beispielsweise Qualcomms Lizensierungsmodelle zu höheren Preisen, dem Ausschluss von Wettbewerbsprodukten und geringerer Innovation in der Halbleiterindustrie führt.

Schließlich ist NXP einer der größten Halbleiterhersteller in der gesamten EU. Die Mifare-Smartcard-Technologie des Unternehmens gilt als weltweit am meisten genutzte Kontaktlostechnik für Chipkarten. Nach eigenen Angaben hat NXP bereits über 10 Mrd. Karten und über 150 Mio. Kartenleser verkauft.

Börsenschaukel: Qualcomm nach unten, NXP nach oben

Aktuell liegt der von Qualcomm angebotene Kaufpreis bei 110 Dollar pro Aktie in bar. Damit ist NXP mit rund 47 Mrd. Dollar bewertet. Das entspricht einem Eigenkapitalwert von ca. 39 Mrd. Dollar. Doch nach Ansicht von Marktbeobachtern wird Qualcomm sein Angebot möglicherweise nachbessern müssen. Das hatten auch Elliott Management und zwei weitere große Anteilseigner von NXP gefordert. Nicht zuletzt deswegen, weil der Börsenwert von NXP seit Ankündigung der Kaufabsicht im Oktober 2016 deutlich zugelegt hat.

Qualcomm jedoch leidet unter der Unwägbarkeit der Situation: Der Börsenwert des Unternehmens ist seit Anfang des Jahres deutlich gesunken. An der NASDAQ fiel der Wert für eine Aktie von ca. 66 Dollar Anfang Januar auf aktuell knapp über 50 Dollar.

Fusion zum Branchenriesen

Mit einem Umsatz von zuletzt etwa 16 Mrd. Dollar ist Qualcomm derzeit die weltweite Nummer vier im Reigen der Halbleiterproduzenten, hinter Größen wie Samsung, Intel und SK Hynix. Das Unternehmen entwickelt und fertigt vor allem Chips für Mobilfunkanwendungen.

NXP ist eine Ausgründung des holländischen Tech-Konzerns Philips. 2015 hatte NXP seinen US-Konkurrenten Freescale übernommen – die ehemalige Halbleitersparte des Mobiltelefonpioniers Motorola. Heute gilt NXP Semiconductor mit einem Marktanteil von ca. 14 Prozent als größter Hersteller von Mixed-Signal-Chipsets für Mobilfunk- und IoT-Anwendungen.

Der Zusammenschluss beider Unternehmen würde einen Branchenriesen mit über 30 Mrd. Dollar Jahresumsatz hervorbringen. Der Konzern hätte zudem gute Chancen, sich in eine starke Position für den rasch wachsenden Markt für Mobilfunk-Chipsets der nächsten Generation zu manövrieren – ein Markt, der bereits 2020 auf ein Volumen von 138 Mrd. Dollar geschätzt wird. Und zu dem der Chip-Gigant Intel bislang keinen richtigen Zugang bekommt.

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