Geplante Obsoleszenz: Eine kurze Geschichte des gewollten Verschleißes

| Redakteur: Dr. Anna-Lena Gutberlet

Das bekannteste Beispiel für geplante Obsoleszenz kommt aus der Glühbirnenindustrie: Das Pheobuskartell hat die künstliche Begrenzung der Lebensdauer von Glühbrinen auf 1000 Stunden begrenz.
Das bekannteste Beispiel für geplante Obsoleszenz kommt aus der Glühbirnenindustrie: Das Pheobuskartell hat die künstliche Begrenzung der Lebensdauer von Glühbrinen auf 1000 Stunden begrenz. (Bild: CCO Public Domain, pixabay.com)

München, 27. Januar 2017 - Ein Weg aus der Wirtschaftskrise oder bloß eine Verschwörungstheorie? Der Blick in die Vergangenheit zeigt einige Beispiele für die umstrittene geplante Obsoleszenz.

Produkte altern – gewollt oder nicht. Durch verschiedene Maßnahmen seitens der Hersteller und auch der Nutzer lässt sich die Lebens- und Nutzungsdauer von Produkten beeinflussen. Umstritten ist, ob Hersteller heutzutage gezielt die Lebensdauer von Produkten verkürzen – diese Strategien, werden unter dem Begriff „geplante Obsoleszenz“ zusammengefasst.

Anzeichen dafür, dass schon früher geplante Obsoleszenz eingesetzt wurde, um den Umsatz zu steigern gibt es zu genüge. Das bekannteste Beispiel kommt aus der Glühbirnenindustrie, hier soll das Konzept auch erstmals umgesetzt worden sein.

1924 gründeten die damaligen führenden Lampenhersteller (General Electric, Philips, Osram, Compagnie des Lampes usw.) das Pheobuskartell, ein Gebiets-, Normen- und Typenkartell. Ziel des Kartells waren Absprachen zum Austausch von Patenten und technischen Informationen sowie die Aufteilung des Weltmarktes für Glühlampen unter den Beteiligten. Eine der zentralen Übereinkünfte war zudem die Standardisierung – und damit auch die künstliche Begrenzung – der Lebensdauer von Glühbirnen auf 1000 Stunden. Die Brenndauer der Glühlampen erreichte vor dem Ersten Weltkrieg gut 2000 bis 2500 Stunden.

Auch wenn es keinen direkten Nachweis dafür gibt, dass es sich dabei um eine absatzsteigernde Festlegung zum Nachteil der Kunden handelt – bei Glühlampen besteht bekanntermaßen ein gesetzesmäßiger Zusammenhang zwischen Lichtausbeute und Lebensdauer – wurde ein enormer Aufwand betrieben, zum Beispiel durch technische Versuchsreihen, um die Brenndauer künstlich zu reduzieren. Und die Einhaltung der festgesetzten Brenndauer wurde streng überwacht. Bei Nichteinhaltung waren hohe Strafen fällig, gestaffelt nach Höhe der über 1000 Stunden gehenden Brenndauer. Bekannt wurde das Kartell allerdings erst in den 1950er Jahren.

Auch weitere Beispiele lassen auf geplante Obsoleszenz schließen. Zu nennen sind unter anderem die Nylonstrümpfe von Du Pont – hier wurde offenbar vorsätzlich über einen chemischen Prozess die Haltbarkeit der Damenstrümpfe reduziert.

Geplante Obsoleszenz – der Weg aus der Wirtschaftskrise?

Das Konzept „geplanten Obsoleszenz“ wurde einige Jahre später sogar als volkswirtschaftlich begründeter Lösungsweg aus der Weltwirtschaftskrise diskutiert. Der Ökonom Bernard London gibt 1932 in seinem Pamphlet „Ending the Depression Through Planned Obsolecene“ aus dem Jahre 1932 den Konsumenten die Schuld an der Wirtschaftskrise und forderte sogar eine gesetzlich vorgeschriebene maximale Lebensdauer.

Ein weiteres Beispiel findet sich in der Automobilbranche: Alfred P. Sloan, Präsident von General Motors gilt sogar als ein „Erfinder“ der geplanten Obsoleszenz. Im Gegensatz zu Henry Ford, der mit seinem „Model T“ auf Qualität und lange Haltbarkeit setzte, entwickelte Sloan in den 1920er Jahren das Jahreskonzept. Mit neuen Modellen und neuen Technologien brachte er die Verbraucher dazu, regelmäßig ein neues Auto zu kaufen. Die Industrie und die Wirtschaft boomte und der „Ford T“ musste aus mangelndem Erfolg vom Markt genommen werden.

Dieses Beispiel zeigt, dass die geplante Obsoleszenz viele Seiten hat. Mit ihrer Hilfe sollte der Verkauf neuer Produkte angekurbelt, die Wirtschaft gestärkt und neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Im Film „Kaufen für die Müllhalde“ heißt es: „Geplante Obsoleszenz ist zur gleichen Zeit entstanden wie die Massenproduktion und die Konsumgesellschaft.“

Die jüngere Vergangenheit zeigt weitere Beispiele auf, die auf die geplante, frühzeitige Alterung von Produkten schließen lassen: Zum einen stellte Apple Anfang der 2000er Jahre den iPod vor. Dieser besaß einen eingebauten, nicht austauschbaren Akku mit offenbar vorsätzlich begrenzter Lebensdauer von 18 Monate. War der Akku kaputt, musste der komplette iPod entsorgt werden.

Auch das Verbot der Glühlampen und die Einführung der Energiesparlampen wurden kürzlich wieder diskutiert: Ein technisch perfektes Produkt wird durch ein unzulängliches ersetzt. Dieses Gesetz war und bleibt umstritten.

Genauso wie die Umweltprämie von 2009, vielleicht besser bekannt als „Abwrackprämie“. Eingeführt wurde diese Aufgrund der der Finanzkrise. Es folgten Rekordumsätzen in der Automobilbranche – und es wurden 1.746267 zum Großteil funktionstüchtige PKW verschrottet.

Das Problem jedoch ist, dass die geplante Obsoleszenz vielfältig ist und nur sehr schwer bis überhaupt nicht zu beweisen ist. Der amerikanische Designer Brook Stevens sagte 1954 in einem Vortrag in einer werbewissenschaftlichen Konferenz : “Planned Obsolescence means instilling in the buyer the desire to own something a little newer, a little better, a little sooner than is necessary”. Unter den Begriff „geplante Obsoleszenz” fällt also mehr, als „nur“ die vorprogrammierte Lebensdauer von Produkten. Auch der frühzeitige Austausch, wie schon das Beispiel von Ford zeigt, aufgrund von neueren, besseren oder auch energiesparenderen Produkten fällt darunter.

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Referenzen:

Technological Roulette – a multi-disciplinary study of the dynamics of innovation in electrical, electronic and communications engineering; 4.7.13.2 The Phoebus Organization.

Der profitable Tod der Glühbirne, Deutschlandradio.

Stefan Schridde, Christian Kreiß, Janis Winzer: Geplante Obsoleszenz. Gutachten im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, 21. März 2013.

Kaufen für die Müllhalde, Dokumentarfilm von Cosima Dannoritzer, 75 Minuten, 2010.

„Ending the Depression Through Planned Obsolecene“ aus dem Jahre 1932, Bernard London.

Geplante Obsoleszenz, ntv-Wissen.

Umweltprämie, Wikipedia.

Studie der österreichischen Arbeitskammer, 2013.

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Für alles Mögliche gibt es Zertifikate. Wieso nicht hier? Dafür, dass man auf die Planung von...  lesen
posted am 30.12.2017 um 11:54 von Unregistriert

Nun ja, dafür muss man heute generell mit deren bescheidener Lichtqualität leben - oder als...  lesen
posted am 07.02.2017 um 12:09 von socas

Also ich finde das Verbot nicht schlecht. Hatte ich früher allein im Wohnzimmer 200Watt Lampen so...  lesen
posted am 06.02.2017 um 13:36 von Unregistriert

Auch das Verbot der Glühlampen und die Einführung der Energiesparlampen wurden kürzlich wieder...  lesen
posted am 03.02.2017 um 15:38 von Unregistriert

Die Ablösung der Glühlampe durch Energiesparlampen und LED´s ist ein ganz schlechtes Beispiel: Das...  lesen
posted am 01.02.2017 um 12:45 von Unregistriert


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