Gemeinsam gewachsen

| Autor / Redakteur: Dr. Anna-Lena Gutberlet / Dr. Anna-Lena Gutberlet

Bild 1: Sascha Gerstberger, Prüfmittelbau In-Circuit Test und Flying Probe, am SPEA 3030 Compact in der „Denkfabrik“ in Erlangen.
Bild 1: Sascha Gerstberger, Prüfmittelbau In-Circuit Test und Flying Probe, am SPEA 3030 Compact in der „Denkfabrik“ in Erlangen. (Bild: )

Pantel Elektronik hat es geschafft, stetig mit seinen Kunden zu wachsen und sich seit 60 Jahren am Markt zu behaupten. Neben flachen Hierarchien, einfachen Strukturen und kurzen Wege ist die langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten die Basis für den anhaltenden Erfolg.

Auf den ersten Blick scheint Pantel Elektronik ein klassischer E2MS-Dienstleister zu sein. Das Leistungsspektrum deckt die Auftragsfertigung elektronischer Baugruppen, Geräte und Systeme ab – angefangen bei der Entwicklung, über die Elektronik-Fertigung, Leiterplatten-Bestückung und Endmontage kompletter elektronischer Geräte, bis hin zu den gängigen, selbst entwickelten Test- und Prüfmethoden. Weiterhin bietet Pantel Reparaturdienstleistungen sowie Logistik und Materialmanagement für seine Kunden an.

Im Gegensatz zu den meisten anderen E2MSlern hat Pantel seine Fertigung nach Rumänien ausgelagert. Seit 1999 fertigt Pantel ausschließlich in Rumänien und zwar an den drei Standorten Timisoara, Caransebes und Bistrita. Für die Kunden sei das aber kein Nachteil, denn die zentrale Anlaufstelle und die „Denkfabrik“, in der die Elektronik-Entwicklung stattfindet, befinden sich in Erlangen im Hauptquartier.

Die Wahl fiel auf Rumänien, da dort das Ausbildungsniveau sehr hoch ist, es keine Sprachbarriere gibt (die Kommunikation findet auf Deutsch oder Englisch statt) und die wirtschaftliche Lage gut ist. „Wir können dort deutsche Qualität zu osteuropäischen Preisen erzielen“, erklärt Christian Borchert, Senior Advisor des Vorstands. Ein weiterer Vorteil von Rumänien ist die geographische Lage, gerade im Vergleich zu Niedriglohnländern im asiatischen Raum. Rumänien ist nur ein paar Autostunden entfernt, ein LKW fährt regelmäßig drei Mal in der Woche, bei Bedarf auch öfter.

SPEA als langjähriger Partner

Als Pantel Elektronik 2006 ihre In-Circuit-Testsysteme ersetzen wollte, waren John Hofner, Leiter Prüfmittelbau bei Pantel, mehrere Punkte wichtig: Neben schnellen Testläufen sollten zudem die vorhandenen Prüfadapter weiter nutzbar sein. In die engere Auswahl kamen Geräte verschiedener Hersteller. Durchgesetzt hatte sich am Ende ein Tester von SPEA aus Fernwald-Steinbach bei Gießen.

Der SPEA 3030 Compact ist ausgestattet mit bis zu 2048 Kanälen und konzipiert für den schnellen und kostengünstigen In-Circuit-Test. Zusätzlich bietet er die Möglichkeit, tiefergehende Tests durchzuführen wie zum Beispiel ein erweiterter ICT oder funktionale Tests unter Betriebsspannung. Speziell für Cluster- und Funktionstests kann das System-Interface mit spezifischen Anschlüssen ausgestattet bzw. mit speziellen Schnittstellen belegt werden. Für die Durchführung digitaler In-Circuit-Tests mit Testpattern ist eine Konfiguration mit 1024 hybriden Kanälen möglich.

Neben einer relativen Nähe der beiden Unternehmen zu einander, waren noch andere Punkte ausschlaggebend: „Wir haben uns aufgrund der schnellen Hardware und der innovativen Software für den 3030 Compact entschieden“, erinnert sich Hofner. „Der 3030 Compact konnte damals Dinge, die noch nicht üblich waren. Zum Beispiel das Einlesen von CAD-Daten sowie die Board Navigation.“ Und auch das K.O.-Kriterium, die Weiterverwendung der vorhandenen Adapter, wurde erfüllt. Pantels Tester sind ausgestattet mit 512 analogen Kanälen und neben den Standardmodulen haben die Systeme einen Waveform-Generator integriert. Speziell für Pantel hat SPEA eine kundenspezifische Systemschnittstelle für die Tester realisiert.

Und auch in ihre Traceability-Lösung hat Pantel die SPEA-Tests integriert. Dazu wurde der SPEA 3030 mit einem Scanner ausgestattet, um den 2D-Code zu lesen, mit dem jede Leiterplatte zu Beginn der Produktion versehen wird. Nach dem Scan des 2D-Codes wird die Leiterpatte in den Testadapter gelegt und der Code des kundenspezifischen Aufklebers mit einem im Adapter fest installierten Scanner gelesen. Nachdem die Seriennummern in die Datenbank geschrieben wurden, wird die Seriennummer des Aufklebers über die TCP/IP Schnittstelle des SPEA 3030 an diesen gesendet. Der Test beginnt. „Dank dieser Fernsteuermöglichkeit können wir ohne Mehraufwand die Daten verknüpfen und den Test starten“, so Hofner.

Ergänzendes zum Thema
 
Pantel Elektronik

Mittlerweile stehen 14 SPEA-Tester verteilt auf die drei Fertigungslinien in Rumänien und ein weiterer in der „Denkfabrik“ in Erlangen (Bild 1). Und auch die Pantel Mitarbeiter sind zwischenzeitlich richtige SPEA-Experten geworden und nehmen die Geräte in Rumänien selbst in Betrieb. Unterstützung von Mitarbeiter aus Deutschland oder dem Service von SPEA ist nicht nötig. „Dafür haben wir einen eigenständigen Kalibrieradapter, was anfangs relativ teuer war, aber bei 15 System lohnt es sich“, führt Hofner aus.

Mit dem Wachstum von Pantel ist auch die Zusammenarbeit mit SPEA gewachsen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sich Pantel 2013 als die Anschaffung eines Flying Probe Systems für den Test von Long-Boards nötig war, wieder für ein Gerät von SPEA entschieden hat. Die Gründe lagen hierfür aber nicht nur in der bisherigen vertrauensvollen Zusammenarbeit. Gepunktet hat der SPEA 4020 (mittlerweile abgelöst vom SPEA 4050), da er eine, den Boardtestern SPEA 3030 sehr ähnliche und mit diesen kompatible Software verwendet, was den Wechsel zwischen den Systemen vereinfacht.

Der Tester ist speziell für den Einsatz in automatischen Produktionslinien mit Inline-Betrieb und High-Volume-Produktion entwickelt worden. Er verfügt über 4 Probes, die von der Oberseite kontaktieren. Hinzu kommt die Möglichkeit der Kaskadierung. Ähnlich wie bei modernen und modularen Pick-and-Place-Systemen werden hier zwei oder mehrere Testzellen durch Kaskadierung zu einem System mit deutlich reduzierten Taktzeiten kombiniert.

Bild 2: Die Besonderheiten des Longboard-Testers bei Pantel sind die spezielle Zuführung der Boards sowie spezielle Module für den Test der Longboards.
Bild 2: Die Besonderheiten des Longboard-Testers bei Pantel sind die spezielle Zuführung der Boards sowie spezielle Module für den Test der Longboards. (Bild: Pantel)

Auch bei diesem Testsystem fließt eine gemeinschaftliche Entwicklung der beiden Unternehmen mit ein: Die Besonderheiten des Testers bei Pantel sind die spezielle Zuführung der Boards sowie spezielle Module für den Test von Longboards. Die Stabilisierung der Baugruppen erfolgt über Vakuumpipetten, die flexibel eingesetzt werden können. Der Werkstückträger wird über die SPEA-Klemmtechnik im System fixiert (Bild 2).

So hat es Pantel geschafft, stetig mit seinen Kunden zu wachsen und sich seit 60 Jahren am Markt zu behaupten. Wichtige Gründe hierfür sind flache Hierarchien, einfache Strukturen und kurze Wege. „Normen zwängen uns in ein Korsett. Aber wir sind flexibel genug, um schnell auf Kundenwünsche zu reagieren“, so Borchert. Und auch die langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten ist die Basis für den anhaltenden Erfolg.

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