Aktuelle Studie von ELEKTRONIKPRAXIS und semica Gehaltsreport Elektroingenieure 2012

Redakteur: Margit Kuther

Gehaltsportale gibt es viele. Doch ELEKTRONIKPRAXIS und semica bieten im Gehaltsreport Elektronikbranche 2012 einen Vergleich zu Gehältern von Elektro-Ingenieuren sowie eine detaillierte Motivationsstudie.

Firma zum Thema

ELEKTRONIKPRAXIS präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Job-Portal Semica den Gehaltsreport Elektronikbranche 2012.
ELEKTRONIKPRAXIS präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Job-Portal Semica den Gehaltsreport Elektronikbranche 2012.
(Bild: berlin-pics/pixelio.de)

Gehaltsportale gibt es wie Sand am Meer. Etliche verweisen sogar auf Tausende von Teilnehmern. Doch wie aussagekräftig sind deren Daten für Elektotechnik-Ingenieure, wenn von der Fachkraft für Sozialwesen, über die Hotellerie und dem Handwerk alle Berufszweige vertreten sind? Anlass für die ELEKTRONIKPRAXIS, ein Gehaltsportal speziell für Elektronikfachleute zu schaffen. Als Profi in puncto Gehaltsumfragen und Partner konnte semica gewonnen werden, das Karriereportal, das speziell auf die Elektronikbranche zugeschnitten ist.

Bildergalerie

Elektroingenieure sind neugierig auf den EP-Gehalts-Check

Die Online-Gehaltsbefragung von ELEKTRONIKPRAXIS und semica startete vor sechs Monaten. Innerhalb weniger Wochen nahmen rund 2500 Ingenieure am Gehalts-Check teil. „Für uns ein Indiz dafür, dass Ingenieure richtig neugierig darauf sind, einen aussagekräftigen Benchmark für ihr persönliches Gehalt in Erfahrung zu bringen“, betonen Chefredakteur Johann Wiesböck und Renate Schuh-Eder, Geschäftsführerin der Personalberatung SchuEder Consulting, die eng mit semica zusammenarbeitet. Für den Gehalts-Check von ELEKTRONIKPRAXIS und semica sind rund 15 Minuten einzuplanen. Er ist deshalb so zeitaufwändig, da verschiedenste Faktoren in die Umfrage einbezogen wurden.

Nur so ließ sich ein wirklich fundierter, realistischer Benchmark erstellen. Wichtige Anhaltspunkte sind etwa, ob ein Ingenieur in der Entwicklung tätig ist oder im Vertrieb. Ist er Berufseinsteiger, oder steht er kurz vor der Rente. Arbeitet er als technischer Spezialist oder Manager – im Norden oder Süden von Deutschland, in einer Großstadt oder im ländlichen Gebiet. Arbeitet er in der Digital- oder Analogtechnik. Ist das Marktumfeld eher positiv oder negativ und welches Image hat der Arbeitgeber. Gibt es Zusatzleistungen oder nur Grundgehalt. Nur wenn all diese Parameter berücksichtigt werden, erhalten Ingenieure verlässliche Angaben für ihr persönliches Gehalt.

Teilnehmer der Umfrage erhalten sofort eine Einschätzung. Seit dem 1.3.2012 liegt zudem die detaillierte Auswertung des Gehaltsportals von ELEKTRONIKPRAXIS und semica vor. Details erfahren Sie in diesem Beitrag.

Der Vertrieb erzielt die höchsten Gehälter

Ein Job im Vertrieb ist ein Garant für ein gutes Gehalt. Doch richtig Geld verdienen kann nur, wer technisch fit ist und gut verkauft. Der hohe variable Gehaltsanteil ist nämlich eng an den eigenen Umsatz gekoppelt. Mit durchschnittlich 73.263 € (ohne variable Bestandteile) bzw. 88.743 € (inkl. variabler Bestandteile) Brutto-Jahresgehalt liegt der Vertrieb deutlich vor dem technischen Marketing mit 65.077 € (ohne variable Bestandteile) bzw. 74.665 € (inkl. variabler Bestandteile) und dem Produktmarketing mit 67.416 € (ohne variable Bestandteile) bzw. 76.621 € (inkl. variabler Bestandteile).

Generell erwarten die Unternehmen einen fundierten technischen Background und einen Beitrag zur Umsatzsteigerung. In einzelnen Marketing-Positionen, etwa im Business Development, ist es durchaus möglich, den Gehaltslevel eines Sales-Mitarbeiters oder darüber hinaus zu erreichen. Auch in einzelnen Branchen wie in der Industrieelektronik oder bei den Distributoren kommt das Marketing recht nah an das durchschnittliche Gehalt der Vertriebskollegen heran.

Das Gros der Befragten arbeitet in der Elektronikentwicklung

Rund die Hälfte aller Teilnehmer am Gehaltsreport ist in der Forschung und Entwicklung tätig. Das durchschnittliche Jahresgehalt in der Forschung und Entwicklung liegt derzeit bei 58.910 € (ohne variable Bestandteile) bzw. 62.433 € (inkl. variabler Bestandteile) – unabhängig von Position, Branche und Berufserfahrung. Allerdings ist der variable Gehaltsanteil mit knapp 6% deutlich geringer als in anderen Unternehmensbereichen, etwa im technischen Marketing (15%) und Sales (21%). Die häufigsten variablen Bestandteile in Forschung & Entwicklung sind der Umsatz des Unternehmens und individuelle Ziele (MBOs).

In puncto Karriere spielt bei Entwicklungsingenieuren die fachliche Mitarbeiterverantwortung eine wichtige Rolle: 51% der Befragten haben keine Führungsverantwortung. 44,5% übernehmen eine temporäre fachliche Führungsverantwortung im Sinne eines Projektleiters. Lediglich 4,5% der Entwickler üben eine disziplinarische Mitarbeiterverantwortung aus. Die höchsten Gehälter in der Elektronikentwicklung werden in der Halbleiterbranche bezahlt (rund 68.000 € ohne variable Anteile), gefolgt vom Bereich passive, elektromechanische Komponenten (rund 57.000 € ohne variable Anteile) und der Automobilelektronik (rund 60.000 € ohne variable Anteile). Die niedrigsten Gehälter erhalten die Mitarbeiter der Ingenieurdienstleister (rund 52.000 € ohne variable Anteile).

Applikation – Karrieresprung für Elektronik-Entwickler

Für erfahrene Entwickler kann eine Tätigkeit in der Applikation der nächste Schritt auf der Karriereleiter sein, wie der branchenunabhängige Brutto-Jahresgehaltsvergleich zwischen Forschung & Entwicklung (41.500 € bis 73.950 €) und Applikation (60.000 € bis 108.000 €) zeigt. Allerdings relativierten sich die Unterschiede in unserem Gehalts-Check beim positionsunabhängigen, also branchenabhängigen Brutto-Jahresgehaltsvergleich erheblich.

Bei der Arbeitgeberwahl werden in der Applikation produzierende Elektronikunternehmen den Distributoren oftmals vorgezogen. Die befragten Applikationsmitarbeiter, die derzeit in der Distribution tätig sind, sind mit ihrem Arbeitgeber jedoch durchaus zufrieden. Ihre Angaben zeichnen ein positives Bild vom „Distributor als Arbeitgeber“. In Bezug auf die Zufriedenheit im Job bewerten sie den Distributor, bei dem sie beschäftigt sind, durchschnittlich mit der Schulnote 2,56.

Qualität & Test – Arbeitssicherheit hat Vorrang

Fachkräfte aus dem Bereich Qualität & Test befinden sich auf dem gleichen durchschnittlichen Gehaltslevel wie die Kollegen aus der Entwicklung. Dennoch gibt es einige Besonderheiten, z.B. hinsichtlich der Arbeitsplatzsicherheit. Das durchschnittliche Jahresgehalt im Funktionsbereich Qualität & Test – unabhängig von Position, Branche und Erfahrung – liegt derzeit bei 57.725 € (ohne variable Bestandteile) bzw. 62.193 € (inkl. variabler Bestandteile). Damit verdienen Qualitäts- und Testfachkräfte unwesentlich weniger als ihre Kollegen aus dem Fachbereich Entwicklung mit 58.910 € (ohne variable Bestandteile) bzw. 62.433 € (inkl. variabler Bestandteile). Dabei hat die Branche durchaus einen Einfluss auf das Gehalt:

Das höchste durchschnittliche Gehalt wird derzeit in der Telekommunikationsbranche und in der Industrieelektronik erzielt. Ein Qualitätsmanager verdient in der Industrieelektronik beispielsweise durchschnittlich 64.286 € (ohne variable Bestandteile) bzw. 76.466 € (inkl. variabler Bestandteile) im Jahr. Bei einem Ingenieurdienstleister liegt das durchschnittliche Jahresgehalt eines Qualitätsmanagers hingegen bei 57.667 € (ohne variable Bestandteile) bzw. 62.017 € (inkl. variabler Bestandteile). Die leistungsgerechte Vergütung ist für 57,6% der befragten Qualitäts- und Testfachkräfte der wichtigste Zufriedenheitsfaktor im Job. Auf Platz zwei liegt die Arbeitsplatzsicherheit, die für 51,4% (bei dieser Frage waren Mehrfachnennungen möglich) eine wichtige Rolle spielt.

Damit haben Mitarbeiter aus dem Bereich Qualität & Test im Vergleich zu den übrigen Funktionsbereichen das größte Sicherheitsbedürfnis. Derzeit scheinen die Elektronikunternehmen ihren Mitarbeitern diese Sicherheit jedoch bieten zu können. Der Zufriedenheitsfaktor „Arbeitsplatzsicherheit“ wurde von den Befragten mit einer durchschnittlichen Schulnote von 2,1 bewertet.

Ihr Chef verdient weniger, als Sie denken

Was verdient das obere Management in der Elektronik-Branchen? Diese Frage interessiert nicht nur die betroffenen Manager. Die Manager-Gehälter aus unserem Gehalts-Check liegen im Durchschnitt niedriger als gedacht. Das branchenunabhängige Brutto-Jahresgehalt ohne variable Anteile variiert je nach Position zwischen 72.000 und 96.000 €. In Zeiten von astronomischen Managerboni in anderen Wirtschaftszweigen erscheinen die erhobenen Ergebnisse aus der Elektronikbranche durchaus realistisch und bodenständig. Dabei verdient das Top-Management nicht in jeder Branche gleich gut. Die höchsten Jahresgehälter werden in der Halbleiterbranche und im Bereich der passiven und elektromechanischen Komponenten bezahlt. Die niedrigsten Gehälter erhalten die Ingenieur-Dienstleister.

Erfahrene Elektrotechnik-Ingenieure bleiben in Deutschland gefragt

Die Globalisierung hat die Verlagerung der Produktion ins Ausland in den vergangenen Jahren gefördert. Technisch qualifizierte Fachkräfte werden in Deutschland jedoch nach wie vor benötigt und erhalten ein gutes Gehalt. Das durchschnittliche Brutto-Jahresgehalt im Bereich Fertigung & Produktion liegt – unabhängig von Branche, Position oder Berufserfahrung – bei 60.793 € (ohne variable Bestandteile) bzw. 65.738 € (inkl. variabler Bestandteile).

Der Anteil an Absolventen eines Produktions- und Logistikstudiums ist unter den befragten Ingenieuren jedoch verschwindend gering. Denn in der Elektronikbranche vertrauen die Unternehmen in der Produktion in erster Linie auf erfahrene Elektrotechnikingenieure und ausgebildete Techniker bzw. Meister. Eine Erklärung wäre, dass der Studiengang Produktion & Logistik interdisziplinär angelegt ist und damit für die Abläufe in der Elektronikbranche, die eng mit dem Fachbereich Entwicklung verknüpft sind, zu wenig elektrotechnisches Wissen vermittelt.

Arbeitszufriedenheit bei Elektroingenieuren: Mehr als nur ein Hygienefaktor

Geld allein macht nicht glücklich, auch die Zufriedenheit im Job spielt eine wichtige Rolle. „Wir wissen, dass der Faktor Gehalt in der Motivationstheorie eher ein so genannter Hygienefaktor ist“, so Renate Schuh-Eder. „Das bedeutet, dass das Gehalt lediglich die Entstehung von Unzufriedenheit im Job verhindern, nicht aber unsere Zufriedenheit steigern kann. Entsprechend war es ELEKTRONIKPRAXIS und semica beim Gehalts-Check wichtig, herauszufinden, was die Fachkräfte in unserer Branche heute motiviert und was ihnen wirklich viel bedeutet. Zugleich versuchten wir in der Befragung herauszufinden, wie Arbeitgeber diese Bedüfnisse erfüllen. Diese Aussage dürfte auch für Arbeitgeber interessant sein.“

Die Auswertung des Gehalts-Checks ergab, dass die Arbeitszufriedenheit in der Elektronikbranche hoch ist. Die drei wichtigsten Faktoren waren für die Teilnehmer eine leistungsgerechte Vergütung, ein gutes Betriebsklima und Arbeitsplatzsicherheit. Weitere Faktoren wie Arbeitsinhalte, Freiräume, Entwicklungsmöglichkeiten und die Anerkennung im Job ergänzen die drei Spitzenfaktoren.

Die Befragten geben ihren Arbeitgebern durchwegs positive Bewertungen und schätzen insbesondere die Entwicklungs- und Weiterbildungsangebote sowie die erhaltene Anerkennung im Job. Die leistungsgerechte Vergütung, wichtigster Faktor für die Arbeitnehmer bei der Beurteilung der eigenen Zufriedenheit, rangiert bei der Arbeitgeberbewertung allerdings erst an 4. Stelle.

(ID:31407610)