Über 5G-Kernnetz der Deutschen Telekom 5G-Standalone-Netz: Erster erfolgreicher Videoanruf

Redakteur: Michael Eckstein

Bis dato funkt kein 5G-Netz in Deutschland ohne 4G-Unterbau. Nun berichtet die Deutsche Telekom von der ersten erfolgreich aufgebauten 5G-Standalone-Datenverbindung. Die Technik wird wichtig für industrielle Anwendungen. Bislang ist das aber noch Zukunftsmusik.

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Zwitterwesen: In vielen Ballungszentren ist 5G-Mobilfunk bereits verfügbar. Allerdings handelt es sich durchweg um Hybridlösungen auf Basis von 4G/LTE-Kernnetzen.
Zwitterwesen: In vielen Ballungszentren ist 5G-Mobilfunk bereits verfügbar. Allerdings handelt es sich durchweg um Hybridlösungen auf Basis von 4G/LTE-Kernnetzen.
(Bild: Clipdealer)

Alle Welt spricht über den raschen Aufbau von 5G-Infrastrukturen, die mit ultrakurzen Latenzzeiten und irrwitzigem Tempo Daten auf 5G-fähige Endgeräte schaufeln. Die Realität sieht etwas anders aus: Bis heute gibt es kein einziges reines 5G-Standalone-(SA-)Netz in Deutschland – von einigen frühen privaten Campusnetzen abgesehen.

Bislang setzen die 5G-Zugangsnetze, also die New-Radio-Basisstationen inklusive Antennen, Funktechnik und Anbindung auf den vorhandenen 4G/LTE-Kernnetzen auf. 5G ist bislang nur ein zusätzlicher schneller Datenkanal im Downlink (eMBB, enhanced Mobile Broadband), telefoniert wird weiterhin über LTE, auch der Uplink läuft über die alte Technik. Dieses Vorgehen nennt sich 5G „Non-Standalone“ (NSA). Und damit gibt es stand heute zwar schnelle Datenverbindungen, aber keine ultrakurzen Reaktionszeiten im einstelligen Millisekundenbereich (URLLC, Ultra Reliable and Low Latency Communications). Realistisch sind hier eher 50 ms. Auch das Network Slicing, bei dem das physische Netz in mehrere virtuelle Netze unterteilt wird, um definierte Geschwindigkeiten und Latenzen bereitstellen zu können, ist mit 5G-NSA noch nicht möglich.

Durchgängig 5G: Von Garching über Bamberg nach Bonn

Jetzt gibt es Licht am Ende des Tunnels: Nach eigenen Angaben hat die Deutsche Telekom an ihrem ersten 5G-Standalone-Standort nun erstmals einen Video-Call erfolgreich durchgeführt. Demnach konnte das Gespräch unterbrechungsfrei in einer reinen 5G-Umgebung durchgeführt werden. Der Anruf lief über die Standalone-Antenne in Garching nach Bamberg in das erste 5G-Standalone-Kernnetz der Telekom und von dort nach Bonn.

Die verbaute SA-Antenne von Partner Ericsson hat eine Besonderheit zu bieten. Sie ist aktiv und kann direkt mit einem Glasfaserkabel angesteuert werden. Bisherige passive Antennen, die etwa bei 2G, 3G, 4G und auch 5G zum Einsatz kommen, erfordern hingegen eine Verbindung von externer Funktechnik und Antenne per Kupferkabel. „Mit der Länge einer solchen Kupferleitung steigt die Signaldämpfung“, erklärt Ulf Schmidt, Projektleiter von Ericsson. „Und damit sinkt die Reichweite. Mit der aktiven Antenne lässt sich also die Reichweite optimieren.“

Neben der stabilen Daten-Verbindung konnten laut Telekom im Live-Netz sehr geringe Latenzzeiten realisiert werden. So lag die Reaktionszeit in Garching bei 13 ms. Das ist zwar noch weit entfernt von der immer wieder kolportierten Zahl von 1 ms, aber ein wichtiger Schritt. Im Zuge von Netz-Optimierungen will die Telekom die Latenz in nächster Zeit weiter reduzieren.

Bis jetzt praktisch nur Non-Standalone-5G-Netze

Das Unternehmen spricht bereits von einem Durchbruch: „Mit unserer ersten Datenverbindung über 5G Standalone schreiben wir wieder Geschichte. Als erster Netzbetreiber in Deutschland“, freut sich Walter Goldenits, CTO der Telekom Deutschland. Bereits heute könnten über zwei Drittel der Menschen in Deutschland das 5G Netz der Telekom nutzen. Was die Anbieter dabei gerne verschweigen: Die Millionen potenziellen Nutzer konzentrieren sich auf wenige Ballungsgebiete. Von einem flächendeckenden Ausbau sind alle Provider noch weit entfernt.

Wie oben erwähnt basiert die aktuell in Deutschland eingesetzte 5G-Technologie auf der Netzarchitektur 5G NSA. Das bedeutet, dass die heutigen 5G-Angebote technisch noch auf ein gleichzeitig verfügbares 4G-Netz (LTE) angewiesen sind. Damit SA-Betrieb und damit durchgängige Ende-zu-Ende-5G-Verbindungen möglich werden, müssen die Provider erhebliche Änderungen in ihren Kernnetzen vornehmen. Und das kostet viel Geld.

5G Standalone wichtig für industrielle Anwendungen

Die Telekom will ihre Infrastruktur im Kernnetz vollständig auf eine neue, cloudbasierte 5G-Architektur umrüsten. Dies sei die Voraussetzung für neue Einsatzmöglichkeiten. „Unser Ziel ist es, die Zukunft des Mobilfunks weiter aktiv zu gestalten. 5G-Standalone ist wichtig, um Technologien wie Network Slicing oder Edge Computing nutzen zu können“, sagt Claudia Nemat, Vorstand Technologie und Innovation bei der Telekom.

Tatsächlich ist der SA-Betrieb besonders für industrielle Anwender wichtig, bei denen über Mobilfunk ablaufende Prozesse schnelle Reaktionszeiten erfordern. Private Endkunden, die per Smartphone oder Tablet im Internet surfen, werden den Unterschied wohl nicht bemerken. Als Enhanced-Mobile-Broadband-Nutzer (eMBB) werden sie jedoch für den überwiegenden Teil der Umsätze mit 5G sorgen.

Video der Deutschen Telekom

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