32-Stunden-Woche für Eltern

Geförderte Arbeitszeit verbessert Vereinbarkeit von Beruf und Familie

| Redakteur: David Franz

Die Leistung soll gezahlt werden, wenn beide Eltern 80 Prozent arbeiten, und die Differenz zum Vollzeiteinkommen teilweise ersetzen – DIW-Forscher erwarten positive Auswirkungen auf Einkommen, Renten und Arbeitsangebot der Mütter
Die Leistung soll gezahlt werden, wenn beide Eltern 80 Prozent arbeiten, und die Differenz zum Vollzeiteinkommen teilweise ersetzen – DIW-Forscher erwarten positive Auswirkungen auf Einkommen, Renten und Arbeitsangebot der Mütter (Bild: clipdealer.de)

Das Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat die Wirkungen und Kosten einer neuen familienpolitischen Lohnersatzleistung bei Familienarbeitszeit untersucht, die Eltern bei einer partnerschaftlicheren Aufteilung von Familien- und Erwerbsarbeit unterstützen soll.

Das derzeit in den Koalitionsverhandlungen diskutierte neue Modell einer staatlich geförderten Familienarbeitszeit könnte die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Deutschland deutlich verbessern, zu einer partnerschaftlicheren Aufteilung der Familienarbeit führen sowie die Einkommen und Renten vieler Mütter steigen lassen. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), das die Kosten und Wirkungen einer solchen Familienarbeitszeit untersucht hat.

Das Modell sieht vor, dass beide Eltern für maximal drei Jahre ihre Arbeitszeit auf 80 Prozent anpassen und für die Differenz zum Vollzeitverdienst entschädigt werden. Die finanzielle Unterstützung soll dabei im Anschluss an das Elterngeld gezahlt werden und sich wie dieses am Nettoeinkommen der Eltern orientieren. Eltern mit kleineren Einkommen würden prozentual stärker entschädigt werden als Eltern mit hohen Einkommen.

Das Urteil der DIW-Forscher fällt dabei positiv aus: „Die Kosten der Lohnersatzleistung wären mit bis zu 140 Millionen Euro pro Jahr zu Beginn relativ moderat. Wenn sich die sozialen Normen langfristig ändern und mehr Familien das Modell nutzen, würden die Kosten zwar steigen, dann wäre aber auch viel für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erreicht. Zudem würde sich das Arbeitskräftepotenzial in Deutschland erhöhen, die Einkommen und Renten vieler Mütter würden steigen.“

Mehr als die Hälfte aller Kleinkind-Eltern hat Probleme, Familie und Job zu vereinbaren

Trotz vieler Verbesserungen in den letzten Jahren beklagt ein Großteil der Eltern von Kindern im Alter zwischen einem und drei Jahren – das sind immerhin 1,7 Millionen Familien im Land – die schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Deutschland. Mehr als die Hälfte der Eltern hat eigenen Angaben zufolge große oder sehr große Probleme, Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen. Etwa ebenso viele wünschen sich eine gleichmäßigere Aufteilung der Familienarbeit unter den Partnern.

„Viele der derzeitigen Steuer- und Arbeitsmarktregelungen wie das Ehegattensplitting, die beitragsfreie Mitversicherung bei der gesetzlichen Krankenversicherung, aber auch die Begünstigung der Minijobs bewirken, dass das Ein- bis 1,5-Verdiener-Modell in Deutschland finanziell attraktiver ist, als wenn die Eltern im gleichen Umfang arbeiten“, erläutern die DIW-Wissenschaftler Kai-Uwe-Müller, Michael Neumann und Katharina Wrohlich. „Das neue Modell soll hingegen explizit eine gleichmäßige Verteilung fördern. So soll die Leistung nur gezahlt werden, wenn beide Eltern eine 80-Prozent-Stelle ausüben. Das entspricht in den meisten Fällen einer Wochenarbeitszeit von rund 32 Stunden.“

Die drei Forscher haben die Auswirkungen einer solchen neuen familienpolitischen Leistung im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Hans-Böckler-Stiftung mit Hilfe von Mikrosimulationsmodellen untersucht. „Es zeigt sich, dass sich der Anteil der Eltern, die statt eines Ein- bis 1,5-Verdienermodells ein Arbeitszeitmodell wählen, in dem beide Partner 80 Prozent arbeiten, bei Einführung einer solchen Förderung kurzfristig verdoppeln würde“, fanden die Forscher heraus.

Diese Eltern hätten mit der Förderung im Durchschnitt 300 bis 350 Euro mehr Nettoeinkommen zur Verfügung, als sie mit dem klassischen 1,5-Verdiener-Modell verdienen würden, je nachdem wie großzügig die Leistung ausgestaltet wird. Die DIW-Wissenschaftler haben zwei Varianten durchgerechnet: Bei der ersten werden bei mittlerem Einkommen 50 Prozent der Verdienstdifferenz zur Vollzeitstelle ersetzt, bei der zweiten 65 Prozent.

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Einer finanziellen Förderung Bedarf es doch gar nicht. Angenommen, eine Reduktion auf 80% wäre mit...  lesen
posted am 18.11.2013 um 16:15 von Unregistriert


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