Developer Preview zeigt Potential der Smartphone-Alternative

Geeksphone Peak mit Firefox OS im Test

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Welche Möglichkeiten und Sicherheitsrisiken die Beschränkung auf HTML5 und entsprechende APIs bedeuten, wagen wir an dieser Stelle nicht abschließend zu erörtern. Uns beeindruckte zumindest, dass sich offenbar auch die Telefonie-Funktion des Firefox OS per HTML5 umgesetzt wurde. Als Indiz für ein durchdachtes Sicherheitskonzept könnte die App-spezifische Rechtevergabe in den Settings des Telefons herhalten.

Dateisystem

Das Peak verfügt über einen "Device storage" von vier GByte. Davon sind knapp zwei GByte für Apps verfügbar. Musik, Fotos und Filme müssen zwingend auf einer microSD-Karte abgelegt werden; die wird vom Smartphone separat als "Media storage" verwaltet und kann per USB als Massenspeicher angesprochen werden. Aufgespielte MP3-Dateien sucht sich der Musik-Player selbst zusammen.

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Performance

Firefox OS ist mit dem Ziel angetreten, besonders performant zu laufen. So heißt es in einem Telefónica-Blogbeitrag vom Vorjahr wörtlich: "The result is a better experience and performance, even at low end price points."

Anspruch und Wirklichkeit klaffen derzeit allerdings noch weit auseinander – selbst auf dem recht ordentlich ausgestatteten Topmodell Peak. Als Prozessor nutzt dieses einen Qualcomm Snapdragon S4 8225 mit 1,2 GHz Taktrate und zwei Kernen. Das genügt, um im Rightware Browsermark 2.0 einen Wert von 2.236 Punkten zu erreichen. Damit schlägt das Firefox-Phone nicht nur den Safari eines iPad mini (1.949 Punkte), sondern laut Rightware auch 82 Prozent aller getesteten Smartphones.

Im Alltag kann das Peak die mit dem guten Benchmark geweckten Erwartungen leider nicht erfüllen, soll heißen: Von einer butterweichen Bedienung ist das System noch entfernt und reagiert auf Eingaben teils ausgesprochen träge. Selbst das Scrollen in den Einstellungen funktioniert nicht vollkommen ruckelfrei.

Zuverlässigkeit

Auch in puncto Zuverlässigkeit kann das Geeksphone Peak noch zulegen. Bei unseren Tests stürzte etwa die Telefoniefunktion ab, als wir per *100# die Höhe des Guthabens einer Prepaid-Karte abfragen wollten. Mitunter bockte das Telefon, als wir es aus dem Ruhemodus aufwecken wollten oder brauchte einen Neustart, um Funktionen zu aktivieren, etwa das WLAN-Tethering. Gelegentlich zeigte sich der Bildschirm auch kurzzeitig komplett verrauscht; die automatisch geregelte Bildschirmhelligkeit machte generell einen so unruhigen Eindruck, dass wir sie lieber komplett deaktivierten.

Preis

Geeksphone bietet das Peak für 149 Euro an. Zuzüglich Steuern, Standardversand und Nachnahmegebühr hatten wir schließlich 207,15 Euro auf der Rechnung stehen. Als Schnäppchen kann man das Gerät damit nicht mehr bezeichnen. Ähnlich potente Mittelklasse-Smartphones gibt es deutlich günstiger, etwa das derzeit für knapp 130 Euro bei Amazon gelistete Huawei Ascend Y300 mit Android 4.1 und Doppelkernprozessor.

Anbieter

Nach dem offiziellen Launch waren zunächst nicht nur Geeksphones Server überlastet, sondern auch der Anbieter selbst. Trotz Bestellung am 23. April erhielten wir unser Gerät erst am 10. Mai – und dabei handelte es sich offenbar auch noch um ein Vorserienmodell, dem die komplette Kopfhörerbuchse fehlte. Den Umtausch wickelte der Anbieter dann aber rasch und freundlich ab: Binnen einer Woche hatten wir ein Austauschgerät; für die Rücksendekosten der Fehllieferung sind wir selbst aufgekommen.

Aktuell gibt es offenbar erneute Lieferengpässe.

Fazit

Für eine "Developer Preview" ist das Geeksphone Peak ein erstaunlich komplettes Smartphone geworden. Als Alternative für den produktiven Einsatz – egal ob privat oder geschäftlich – taugt das Vorabsystem allerdings nicht: Die Bedienung ist zu zäh und das Betriebssystem weder vollständig noch stabil genug. Auch preislich gesehen ist die Hardware kein wirkliches Schnäppchen. Entwickler und Experimentierfreudige werden das offene System dennoch zu schätzen wissen. Otto Normalanwender kann sich derweil auf ein vielversprechendes Smartphone-Betriebssystem mit schicker Oberfläche und sehr viel Potential freuen: "Smartphones mit Firefox OS soll es bis spätestens Ende 2014 auch bei uns geben" kündigt Telefónica Germany an.

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