Suchen

T-Book Gedruckte Lautsprecher bringen Buchseiten zum Sprechen

Redakteur: Jürgen Schreier

Buchseiten und Fotos, die sprechen: Darauf haben wohl alle jene gewartet, die Ihren Bekannten nicht nur optische Grüsse aus den Ferien zeigen wollen. Noch kann man das leider noch nicht kaufen. Für die Fotografen des 58. World-Press-Photo Wettbewerbs ist der Traum aber bereits wahr geworden. Gedruckte Elektronik macht es möglich.

Firmen zum Thema

Marlene Klüßendorf, die an der TU Chemnitz Print- und Medientechnik studiert, prüft die Qualität des Siebes für den Lautsprecherdruck.
Marlene Klüßendorf, die an der TU Chemnitz Print- und Medientechnik studiert, prüft die Qualität des Siebes für den Lautsprecherdruck.
(Bild: TU Chemnitz/Pressefoto Schmidt)

Als bei der Jahresveranstaltung des 58. World-Press-Photo-Wettbewerbs in Amsterdam die weltweit besten Pressefotos vorgestellt wurden, war dies auch die Premiere für eine klangvolle Innovation aus Chemnitz. Wissenschaftler des Instituts für Print- und Medientechnik der Technischen Universität Chemnitz haben einen grossformatigen Bildband, der die Siegerfotos in brillanter Qualität zeigt, mit gedruckter Elektronik ausgestattet.

Das T-Book informiert mit Ton über die Hintergründe des Bildes

Öffnet man dieses T-Book – das «T» steht für Ton – und blättert eine Seite um, dann beginnt diese Seite durch einen unsichtbar im Inneren des Blatt Papiers befindlichen Lautsprecher zu tönen. «Das T-Book ist ein Meilenstein in der Entwicklung gedruckter Informationen», meint Prof. Dr. Arved C. Hübler und ist sich sicher, dass das von seinem Team am Institut für Print- und Medientechnik entwickelte T-Book die Tür zu vielen weiteren Entwicklungen öffnet: «Die Tablets der Zukunft werden auf Papier gedruckt, und das T-Book gibt einen ersten Ausblick, was alles möglich sein wird.»

Bildergalerie
Bildergalerie mit 12 Bildern

Ein gedruckter Sensor stellt fest, welche Seite des Buches der Leser öffnet, sodass der genau passende Klang zu hören ist. Laut und deutlich kommt der Ton direkt aus dem Papier. Die Kreativagentur Serviceplan aus München, die das Buch zusammen mit den Forschern der TU Chemnitz entwickelt hat, schuf für jedes Siegerfoto ein eigenes Klangumfeld, in dem Stimmen, Geräusche und Musik die vom Fotografen eingefangene Stimmung erweitern.

«Die Technik, die hinter dem Soundbook steht, ist wirklich verblüffend», meint Cosimo Möller, Geschäftsführer Kreation bei Serviceplan Campaign, der das Projekt von Anfang an steuerte. «Man öffnet den Bildband mit den besten Fotos des Jahres und plötzlich beginnt die Seite zu vibrieren, Sound von sich zu geben und dem Betrachter seine eigene Geschichte zu erzählen. Das Buch informiert über die Hintergründe des Bildes und weckt mit Stimmen und authentischen Sounds Emotionen. Die Fotografien werden so für den Betrachter noch lebendiger.»

Gedruckter Lautsprecher: piezoelektrisches Polymer schwingt unter Spannung

Das T-Book basiert auf gedruckter Elektronik, einem Technologietrend, an dem das Institut für Print- und Medientechnik der TU Chemnitz seit 15 Jahren weltweit führend arbeitet. Dabei werden elektronische Bauteile mit klassischen Druckverfahren auf Papier gedruckt. Dies ermöglicht eine kostengünstige Massenproduktion. Vor drei Jahren konnten die Forscher erste gedruckte Lautsprecher vorstellen. Dabei wird eine dünne Schicht aus einem piezoelektrischen Polymer gedruckt, die unter Spannung zu schwingen beginnt und so Töne abstrahlt. Um die elektrischen Signale einzuspeisen, sind zusätzliche gedruckte, elektrisch leitfähige Schichten nötig.

Für das T-Book haben die Chemnitzer Wissenschaftler diese Technologie weiterentwickelt. Der Lautsprecher befindet sich zwischen der aus zwei Teilen zusammenlaminierten Papierseite, sodass die Vorder- und Rückseite mit hochwertigen Farbdrucken versehen werden können. Die Lautsprecher des insgesamt 100 Seiten umfassenden Bildbandes zum World-Press-Photo-Wettbewerb werden durch eine SD-Karte, die in der Buchdecke eingebettet ist, mit den Daten versorgt. Batterien und eine Ansteuerelektronik sind ebenfalls in der Buchdecke untergebracht.

Die Bindung des Buches hat Cornelia Ahnert vom atelierBUCH in Lichtenau bei Chemnitz realisiert. Teile der neuen Technologie wurden im Rahmen des Bundesexzellenzclusters «Center for Advancing Electronics Dresden» (cfaed) an der TU Chemnitz entwickelt.

(ID:43355207)