Weltweite Chip- und Rohstoffkrise G+D warnt: Chipmangel bedroht systemrelevante Wirtschaftszweige

Redakteur: Michael Eckstein

Die weltweite Halbleiterkrise könnte zu Ausfällen in volkswirtschaftlich kritischen Bereichen wie Konnektivität, Bezahlsysteme oder elektronische Identitäten führen – mit weitreichenden Konsequenzen. Davor warnt der internationale Tech-Konzern Giesecke+Devrient (G+D).

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ICs überall: Fehlende Chips können nicht nur Produktionsstraßen stoppen, sondern ganze Wirtschaftszweige ausbremsen.
ICs überall: Fehlende Chips können nicht nur Produktionsstraßen stoppen, sondern ganze Wirtschaftszweige ausbremsen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

In einer zunehmend digitalisierten und vernetzten Welt hat die aktuelle Chipknappheit eine erhebliche Tragweite – und deren Brisanz steigt täglich. So plakativ stillstehende Bänder in der Automobilproduktion oder Lieferschwierigkeiten bei Smartphones auch sein mögen, Ausfälle in systemrelevanten Produktionsbereichen und Industrien wie Konnektivität, Bezahlsysteme und elektronische Identitäten können noch viel weitreichendere – und nachhaltigere – Folgen für die Volkswirtschaften haben.

Industrievereinigungen und Dachverbände wie Eurosmart, die Secure Identity Alliance (SIA) die Smart Payment Association (SPA) und die Trusted Connectivity Alliance (TCA) warnen daher eindringlich vor den dadurch ausgelösten Risiken und den gefährlichen wirtschaftlichen sowie sozialen Konsequenzen.

Bargeldversorgung und elektronische Zahlungssysteme bedroht

Eine interne Analyse von G+D zeigt, dass bereits eine Produktionseinschränkung bei Zahlungskarten von lediglich zehn Prozent weitreichende Störungen, unter anderem in Bargeldversorgung und elektronischen Zahlungen, und damit beträchtlichen ökonomischen Schaden auslösen könnte. Die negativen Effekte für die Makro- wie für die Mikroökonomie wären erheblich.

Mindestens ebenso nachteilig könnte sich die Chip-Knappheit auf die gesamte Produktion von SIM-Karten auswirken. Die digitalisierte Welt ist zu großen Teilen auf elektronische Kommunikationswege angewiesen, daher ist eine durchgehende Verfügbarkeit von Konnektivität, basierend auf SIM-Karten jeglicher Art, unerlässlich.

Datenaustausch auch im Industrial IoT gefährdet

Sollte es hier zu langfristigen Engpässen kommen, ist nicht weniger als der tägliche Austausch sowohl im privaten Bereich als auch zwischen Maschinen, IoT-Plattformen oder anderen vernetzten Anwendungen gefährdet. Ebenso betroffen ist der Sektor der persönlichen Identität. Eingebettet in nationale elektronische Personalausweise (eID) und Reisepässe ermöglichen Chips die Identifizierung von weltweit Milliarden von Menschen. Dank hoheitlicher Dokumente haben sie Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen, dem Gesundheitswesen und vielen weiteren wichtigen Services wie etwa der Eröffnung eines Bankkontos.

Deshalb fordert Ralf Wintergerst, CEO von G+D, die aktuellen Versorgungsengpässe verantwortungsbewusst im Sinne einer branchenübergreifenden Schadensminimierung anzugehen: „Es ist Aufgabe der Politik, nicht die lautesten Partikularinteressen zu bedienen, sondern die Stützung der Wirtschaft und ihrer wichtigsten Produktivfaktoren insgesamt im Auge zu haben.“ Sprich: Hamsterkäufe einzelner Unternehmen verhindern und sicherstellen, dass essenzielle Branchen ausreichend beliefert werden.

„Stabiler Zahlungsverkehr ist Rückgrat jeder Volkswirtschaft“

G+D-CEO Ralf_Wintergerst: „Interne Analysen von G+D zeigen, dass bereits eine Produktionseinschränkung bei Zahlungskarten von lediglich zehn Prozent weitreichende Störungen, unter anderem in Bargeldversorgung und elektronischen Zahlungen, und damit beträchtlichen ökonomischen Schaden auslösen könnten.“
G+D-CEO Ralf_Wintergerst: „Interne Analysen von G+D zeigen, dass bereits eine Produktionseinschränkung bei Zahlungskarten von lediglich zehn Prozent weitreichende Störungen, unter anderem in Bargeldversorgung und elektronischen Zahlungen, und damit beträchtlichen ökonomischen Schaden auslösen könnten.“
(Bild: Giesecke+Devrient)

Ein stabiler Zahlungsverkehr sei das unverzichtbare Rückgrat jeder Volkswirtschaft, während Konnektivität Kommunikation und Wissensaustausch ermögliche. Eine vertrauenswürdige, legale Identität sei hingegen wesentlich, um die Rechte der Menschen zu schützen. „Letztlich geht es um die wirtschaftliche Prosperität und soziale Stabilität ganzer Staaten.“

Kurz- und mittelfristig müssten Regierung, Verbände und Banken deshalb in einer konzertierten Aktion gemeinsam dafür sorgen, dass volkswirtschaftlich besonders relevante Stabilitäts- und Wachstumsfaktoren wie der Zahlungsverkehr höchste Priorität beim Bezug von Halbleitern haben, ist der G+D-Chef überzeugt.

Gemeinsam mit Chipherstellern Lösungen finden

Es gehe darum, bei den Chip-Produzenten die Initiative zu ergreifen und Bewusstsein zu schaffen, zu fordern und zu fördern. Für das laufende Jahr ist Ralf Wintergerst trotz der aktuell angespannten Lage optimistisch: „Wir sind für dieses Jahr gut vorbereitet und atmende Kapazitäten sind für uns kein Neuland.“ Außerdem pflege sein Unternehmen sehr intensive und offene Kundenbeziehungen, wodurch man Tendenzen im Markt rechtzeitig erkennen und schnell auf Veränderungen reagieren könne.

Über 2021 hinaus müssen jedoch politische Weichenstellungen für langfristig tragfähige strategische Optionen getroffen werden, um die Abhängigkeit von außereuropäischen Chip-Lieferanten zu mindern. „Andernfalls bleiben die gegenwärtigen Engpässe bestehen und exorbitante Preissteigerungen sowie Lieferausfälle drohen zum Dauerphänomen zu werden.“

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