Batterieproduktion in Deutschland Gasembargo hätte sofortigen Produktionsstopp zur Folge

Von Maria Beyer-Fistrich

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Im Rahmen einer digitalen Presskonferenz hat der Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) über den Status des Batteriemarktes in Deutschland und EU informiert und dabei unter anderem auf die Abhängigkeit der Produktion von Gaslieferungen hingewiesen.

Die deutsche Batterieproduktion ist abhängig von Gaslieferungen. Der ZVEI erklärt, dass ein Embargo einen sofortigen Produktionsstopp zur Folge hätte.
Die deutsche Batterieproduktion ist abhängig von Gaslieferungen. Der ZVEI erklärt, dass ein Embargo einen sofortigen Produktionsstopp zur Folge hätte.
(Bild: ZVEI )

Ein Gasembargo hätte einen sofortigen Batterie-Produktionsstopp zur Folge. Die deutsche Batterieindustrie setzt Gas unmittelbar im Produktionsprozess für das Schmelzen und Legieren von Blei für Bleibatterien (Herstellung von Elektroden und Bauteile durch Schmelzguss) und für Trocknungsprozesse bei Lithiumbatterien (Trocknungsöfen, Trockenräume, Vakuumtrocknen) ein. Nach einem Embargo könnten Batterien also nicht mehr zuverlässig in Bereiche der kritischen Infrastruktur geliefert werden. Alternativen sind nicht so einfach zu realisieren, da diese aufgrund bestehender Zertifizierungen nicht kurzfristig einsetzbar sind.

Christian Eckert, Bereichsleiter für Nachhaltigkeit & Umwelt und Geschäftsführer Fachverband Batterien, erklärt dazu, dass die Firmen schon jetzt nach Alternativen suchen. Zudem sei ein Austausch zwischen Industrie und Politik wichtig, da man sich auf das Ausbleiben von Gaslieferungen vorbereiten muss. Die Strategie vieler Unternehmen lautet aktuell Diversifizierung auf alternative Rohstoffe wie Öl und Kohle. Auch das Runterfahren verschiedener Prozesse prüfen Unternehmen. Es gab auf während der digitalen Presskonferenz aber auch positive Nachrichten.

Batterien: Schwerpunkt des EU Green Deal und der Kreislaufwirtschaft

Die Politik hat die Relevanz einer deutschen und europäischen Batterieproduktion erkannt und unterstützt den Ausbau etwa im Rahmen des IPCEI (Important Project of Common European Interest). Der ZVEI unterstützt dieses Vorhaben, da es einen wichtigen Beitrag zur technologischen Souveränität Deutschlands und Europas leiste, aber auch andere politische Rahmenbedingungen müssen passen. Für die neue Batterieverordnung sei eine zügige Umsetzung wichtig. Außerdem müsse man sich auf wirksame und umsetzbare Ziele fokussieren. Darunter die Definition von Batterietypen, ein Produktpass oder Lieferketten-Informationen. Es dürfe zudem kein Mikromanagement beim Zelldesign geben. Vielfältige Batterietechnologien sind jedoch essentiell für die Erreichung der EU-Klimaziele.

„Die Verhandlungen zur EU-Batterieverordnung gehen in die finale Phase und so drängend Themen wie etwa der Einsatz von Rezyklaten oder Sorgfaltspflichten sind: Die Ziele müssen realistisch und die Maßnahmen umsetzbar sein. Außerdem brauchen wir eine Marktüberwachung, um faire Wettbewerbsbedingungen herzustellen“, so Christian Rosenkranz, ZVEI-Fachverbandsvorsitzender Batterien. Neben dem Thema Batterieverordnung und Nachhaltigkeit war auch allgemeine Entwicklung des Marktes ein Thema.

Marktvolumen für Lithium-Ionen-Batterien hat weiter zugelegt

Der deutsche Batteriemarkt wächst trotz der Corona-Pandemie dynamisch weiter. „Im Jahr 2021 wuchs der Markt mit einem Plus von 54 Prozent um mehr als 3,2 Milliarden Euro auf rund 9,29 Milliarden Euro. Der Wachstumstreiber war wie bereits im vergangenen Jahr der Absatz von Lithium-Ionen-Batterien in Höhe von 5,35 Milliarden Euro und einem Anstieg um 77 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, so Christian Eckert, ZVEI-Fachverbandsgeschäftsführer Batterien.

Das Marktvolumen bei Lithium-Ionen-Batterien ist unter anderem auf das hohe Wachstum der Importe von Batteriezellen nach Deutschland zurückzuführen. Im Jahr 2021 wurden erstmals mehr Lithium-Ionen-Batterien aus Europa importiert als aus Asien. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen diese Importe um satte 52 Prozent auf 8,4 Milliarden Euro. Bedeutendster Lieferant war Polen mit einem Importvolumen von 3,3 Milliarden Euro vor China mit einem Importvolumen von 2,5 Milliarden Euro. Ebenfalls gewachsen, um 30 Prozent auf mehr als eine Milliarde Euro, ist der Markt für Bleibatterien.

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Auch die Produktion von Batterien ist im Jahr 2021 in Deutschland um kräftige 53 Prozent gegenüber 2020 auf 5,7 Milliarden Euro gewachsen. Während die Produktion von Bleibatterien um 17 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro stieg, wiesen die Lithium-Ionen-Batterien die größere Dynamik auf. Betrug deren Produktionsvolumen 2020 noch rund 450 Millionen Euro, vervielfachte sich der Wert 2021 fast auf nunmehr 1,74 Milliarden Euro. Christian Eckert meint: „Die Produktion von Lithium-Ionen-Batterien nimmt in Deutschland Fahrt auf.“

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Batterien über verschiedene Typen hinweg einen Wachstumsmarkt darstellen. Das Wachstum im Bereich Lithiumbatterien geht vor allem auf die gestiegene E-Mobilität zurück. Lithium-Ionen-Batterien sind zudem ein wichtiger Wachstumsfaktor für Exporte. Batterien sind essentiell für die vom ZVEI erklärte All-Electric-Society. Daher müsse das Ziel sein, die Batterieproduktion in Deutschland und Europa zu sichern und zu stärken.

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