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Für 30 Milliarden US-$: Will AMD Xilinx kaufen?

| Autor / Redakteur: mit Material von dpa / Sebastian Gerstl

Es wäre ein Paukenschlag in der Prozessorbranche: Gerüchten zufolge macht sich AMD daran, FPGA-Marktführer Xilinx zu übernehmen. 30 Mrd. US-$ seien demnach als Kaufsumme im Gespräch.

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Firmenhauptsitz von AMD im kalifornischen Sunnyvale. Der Prozessor- und GPU-Spezialist greift Brancheninsidern zufolge nach FPGA-Marktführer Xilinx.
Firmenhauptsitz von AMD im kalifornischen Sunnyvale. Der Prozessor- und GPU-Spezialist greift Brancheninsidern zufolge nach FPGA-Marktführer Xilinx.
(Bild: John G. Mabanglo/EPA/dpa)

Der Chipkonzern AMD bläst laut Insidern mit einem möglichen Kauf von Xilinx zum Angriff auf den großen Rivalen Intel. Ein Deal, der Xilinx mit rund 30 Milliarden US-Dollar (25,5 Mrd Euro) bewerten würde, könnte bereits in der kommenden Woche angekündigt werden, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen.

Zuvor hatte bereits das "Wall Street Journal" über Gespräche zwischen beiden Unternehmen berichtet. Die Übernahme würde AMD dem Geschäft mit Chips für Rechenzentren einen Schub verleihen. In diesem Bereich ist vor allem Intel traditionell stark aufgestellt.

Xilinx gilt derzeit als Marktführer bei programmierbaren Logikbausteinen wie FPGAs. In den letzten Jahren fokussierte sich der Konzern immer mehr auf das High-End-Geschäft mit Bausteinen, die auf den Einsatz in Rechenzentren oder beim Autonomen Fahren abzielen. AMD könnte mit dem Kauf von Xilinx zudem in den Markt für Telekommunikations-Chips vordringen, der gerade vom globalen Aufbau der 5G-Netze profitiert.

Xilinx bringt es per Schlusskurs vom Donnerstag von rund 106 Dollar je Aktie auf einen Marktwert von knapp 26 Milliarden Dollar. AMD ist an der Börse mit rund 100 Milliarden Dollar viermal so viel wert. Zum Vergleich: Der Dauerrivale Intel bringt es auf 227 Milliarden Dollar.

Massive Bewegung im Prozessoren- und FPGA-Geschäft

Die Übernahmegerüchte sind interessant insbesondere wenn man auf die Märkte für Desktop-Prozessoren und programmierbare Logik blickt. 2015 kaufte Intel die damalige Nummer zwei auf dem FPGA-Markt, Altera, für 16,7 Milliarden US-$ ein. Auch das seither unter dem Namen Intel PSG firmierende Unternehmen hatte sich seither verstärkt auf High-End-Lösungen für Rechenzentren fokussiert. So sind FPGAs als parallele Co-Prozessor-Einheiten für Rechenzentrums-CPUs bewährt.

Gleichzeitig gelingt es AMD seit Einführung seiner Zen-Prozessorarchitektur 2016, Intel sowohl im Desktop- als auch dem Embedded-Markt immer stärker den Rang abzulaufen. Anfang 2020 sorgte der Prozessorhersteller für Schlagzeilen als es ihm gelang, zahlreiche namhafte Prozessorspezialisten von IBM und dem Hauptkonkurrenten Intel abzuwerben. Eine Übernahme von FPGA-Spezialist Xilinx könnte den Schwung, den das Unternehmen in den letzten Jahren aufgenommen hat, noch einmal enorm verstärken - und insbesondere Intel einen weiteren empfindlichen Nackenschlag versetzen.

AMD hat in den vergangenen Jahren ein beachtliches Comeback hingelegt. 2014, nach dem relativen Scheitern der "Bulldozer"-Prozessorarchitektur, sah es so aus, als wäre der Prozessorhersteller in Schwierigkeiten. Aktionäre drängten darauf, das erfolgreichere GPU-Geschäft abzuspalten, was den CPU-Zweig auf ein Abstellgleis geschoben hätte. Doch CEO Lisa Su, die 2014 die Geschicke übernahm, gelang es, den Kurs von AMD wieder umzukehren. Bei Desktop-Computerprozessoren und Laptops hat es sich gegen den langjährigen Rivalen Intel durchgesetzt. Das Unternehmen arbeitet auch daran, seine Geschicke im Servergeschäft umzukehren, wo Chips so viel kosten können wie ein Kleinwagen. Jahrelang hatte Intel diesen Markt dominiert, während AMD-Prozessoren in diesem Bereich zwischenzeitlich weniger als 1% abdeckten.

2020 wird zum großen Konsolidierungsjahr

In der Chipbranche kommt es es seit einigen Monaten wieder vermehrt zu großen Firmenübernahmen. So greift der Grafikkarten-Spezialisten Nvidia nach dem Chip-Designer ARM, einem Schlüssel-Unternehmen für die Embedded- und Smartphone-Branchen. Aktuell verleibt sich zudem der US-Halbleiterkonzern Analog Devices den Rivalen Maxim Integrated Products in einer Milliardentransaktion ein. Hierzulande hatte vor wenigen Monaten der stark auf die Autobranche ausgerichtete Dax-Konzern Infineon den US-Konkurrenten Cypress für 9 Milliarden Euro geschluckt.

Angetrieben von einer durch die Coronakrise ausgelösten Delle in der Elektronik-Konjunktur macht sich 2020 daran, zu einem neuen großen Konsolidierungsjahr in der Halbleiterbranche zu werden. Schon alleine die beiden Milliarden-Transaktionen von NVIDIA/ARM und Analog Devices / Maxim Integrated sorgten dafür, dass das Transaktionsvolumen hinsichtlich Mergers und Akquisitionen mit insgesamt 63,1 Mrd US-$ das zweitgrößte in der Geschichte der Halbleiterindustrie ist. Das bislang teuerste Jahr in dieser Hinsicht bleibt 2015, wo insgesamt 107,7 Mrd. US-$ für Firmenübernahmen aufgewendet wurde. Für 2016 war ebenfalls eine Summe von über 100 Mrd US-$ angesetzt gewesen, doch das Platzen der über 40 Mrd. Dollar schweren geplanten Übernahme von NXP durch Qualcomm und andere Korrekturen haben dieses Transaktionsvolumen letztendlich wieder drastisch nach unten korrigiert.

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