Für 130 Mrd. Dollar: Broadcom will Qualcomm kaufen

| Redakteur: Michael Eckstein

Sehr gefragt: Qualcomm-Mobilfunkchips stecken in den meisten heutigen mobilen Endgeräten.
Sehr gefragt: Qualcomm-Mobilfunkchips stecken in den meisten heutigen mobilen Endgeräten. (Bild: Qualcomm)

Modems und SoCs von Qualcomm treiben fast jedes aktuelle Smartphone an. Von diesem Erfolg will jetzt Konkurrent Broadcom profitieren. Es könnte die bislang teuerste Firmenübernahme in der Hightech-Branche werden.

Qualcomm will nicht, also soll Geld die Aktionäre überzeugen: Für rund 130 Mrd. Dollar will der Techriese Broadcom den erfolgreichen Mobilfunk-Chiphersteller im Zuge einer feindlichen Übernahme kaufen. Das berichtet das Nachrichtenmagazin Bloomberg. Nach der Ankündigung der Übernahmepläne legten die Aktienkurse beider Unternehmen schlagartig zu.

Ohne Frage besetzt Qualcomm bereits heute eine Schlüsselposition an der Schwelle zur nächsten Mobilfunkgeneration, kurz 5G. Seine Modems und Snapdragon-SoCs sind Kernbestandteile mobiler, per Mobilfunk angebundener Endgeräte.

Bereits seit rund einem Jahr versucht das Unternehmen gegen den Widerstand der EU-Wettbewerbshüter den europäischen, auf Automobil-, Security- und Internet-of-Things-Anwendungen spezialisierten Halbleiterfabrikanten NXP Semiconductor zu schlucken. Das letzte Gebot lag bei 38 Mrd. Dollar. Das jetzige Übernahmeangebot von Broadcom dürfte das Unternehmen überrascht haben.

Zeit der Megafusionen

Broadcom selbst ist durch eine Megafusion entstanden: Im letzten Jahr hat die in Singapur ansässige Avago für 37 Mrd. Dollar den Traditionskonzern Broadcom Corporation gekauft und sich selbst in Broadcom Ltd. umfirmiert. Zusätzlich plant das Unternehmen auch den Umzug seinen Firmensitzes in die USA.

Der Konzern ist derzeit der wohl größte Anbieter von WLAN- und Bluetooth-Chipsets, mit denen sich Geräte lokal vernetzen lassen. Durch den Zukauf würde Broadcom schlagartig zum Schwergewicht im zukunftsträchtigen 5G-Markt. Neben schneller Funkdatenübertragung gilt 5G als eine Schlüsseltechnologie für das aufstrebende Internet of Things, also die autarke intermaschinelle Kommunikation (M2M).

Mehrere Hürden stehen im Weg

Doch es gibt noch einige Hürden, die Broadcom vor dem Kauf überwinden muss: Erstens will sich Qualcomm nach Informationen der Financial Times gegen die feindliche Übernahme zur Wehr setzen. Darüber hinaus könnte der Deal an den amerikanischen Kartellwächtern und US-Präsident Trump scheitern: Das US-amerikanische Committee on Foreign Investment (CFIUS, zu deutsch: Ausschuss für ausländische Investitionen in den Vereinigten Staaten) hatte bereits den geplanten Verkauf des US-amerikanischen Halbleiterherstellers Lattice Semiconductor an die private Equity-Gesellschaft Canyon Bridge Partners kritisch bewertet und Trump empfohlen, die Übernahme zu blockieren. Was dieser letztlich auch tat.

Durch die Verlagerung des eigenen Firmensitzes in die USA könnte Broadcom zumindest diesen Bremsklotz erfolgreich aushebeln.

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Dabei hatte NXP schon geschluckt. Wir kriegen kaum noch unsere Bauteile.  lesen
posted am 07.11.2017 um 13:20 von Unregistriert

Das ist doch alles Irrsinn. Und dann wird NXP gleich wieder verkauft oder was? Kartellamt,...  lesen
posted am 07.11.2017 um 12:29 von Unregistriert


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