Elektromobilität Fünf populäre Irrtümer zur Elektromobilität

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Elektromobilität ist ein Trendthema – allein auf Google liefert das Stichwort über drei Millionen Treffer. Dennoch ist Skepsis gegenüber elektrisch angetriebenen Fahrzeugen weit verbreitet. Wir räumen mit den gängigsten Vorurteilen auf.

Firmen zum Thema

Die Zukunft der Elektromobilität: So könnten die Schnellladestationen von morgen aussehen (Bild: Siemens)
Die Zukunft der Elektromobilität: So könnten die Schnellladestationen von morgen aussehen (Bild: Siemens)

In Kürze fällt der Startschuss für die Schaufensterprojekte der Bundesregierung. Sie sollen Elektromobilität erfahrbar machen und das Vertrauen der Bevölkerung in den E-Antrieb erhöhen – denn viele Menschen stehen Elektrofahrzeugen noch skeptisch gegenüber. Hier finden Sie Vorurteile und Fakten.

Mythos 1: Die Reichweite ist zu gering

Die geringe Reichweite und die fehlende flächendeckende Ladesäuleninfrastruktur gelten als Hauptargument für die geringe Alltagstauglichkeit der Stromer. Tatsache bleibt: Die Gefahr, mit dem E-Mobil zu stranden, ist gering. In Deutschland gibt es bereits mehr Ladesäulen als vermutet. Allein RWE hat bundesweit schon 1100 Exemplare aufgestellt.

Inbetriebnahme des 1000. Ladepunkts für Elektroautos von RWE in Bad Bentheim (von links): Dr. Volker Pannen, Bürgermeister Bad Bentheim und Ludger Brüffer, RWE (Bild: RWE)
Inbetriebnahme des 1000. Ladepunkts für Elektroautos von RWE in Bad Bentheim (von links): Dr. Volker Pannen, Bürgermeister Bad Bentheim und Ludger Brüffer, RWE (Bild: RWE)
Darüber hinaus kommen Fahrer von E-Fahrzeugen mit ihren Stromern recht weit. Nach Angaben des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung in Berlin legt beispielsweise ein 50 cm3 Rollerfahrer in Deutschland im Durchschnitt elf Kilometer am Tag zurück. Die E-Variante hat eine Reichweite von bis zu 100 km. Damit ist ein Ladevorgang erst nach mehreren Tagen notwendig. Dieser Komfort gilt auch bei Elektroautos. Hier beträgt die durchschnittliche Reichweite 150 bis 250 km und die Fahrstrecke nach Angaben von DIW Berlin pro Tag im Schnitt etwa 39 km.

Mythos 2: Die Akkus fangen schnell Feuer und können explodieren

Crashtest des Chevrolet Volt: da der Akku nach dem Crash nicht ausgebaut oder entladen wurde, brach nach drei Wochen Feuer aus (Bild: IIHS)
Crashtest des Chevrolet Volt: da der Akku nach dem Crash nicht ausgebaut oder entladen wurde, brach nach drei Wochen Feuer aus (Bild: IIHS)
Seit dem Brand des E-Fahrzeugs Chevrolet Volt liegt scheinbar der Beweis dafür vor. Das ist ein weiteres weit verbreitetes Vorurteil. Unberücksichtigt bleibt: Das Feuer ist nach einem Crashtest entstanden. Die Verantwortlichen hatten die Batterie nicht – wie vom Hersteller Chevrolet zwingend vorgeschrieben – nach dem Unfall ausgebaut oder entladen. Das Feuer ist nach drei Wochen dieser unsachgemäßen Lagerung durch überhitzen der noch unter Strom stehenden Batterie entstanden. Durch eingebaute Schutzmechanismen wie eine Schutzelektronik oder ein Batteriemanagement können Brände unter normalen Umständen erst gar nicht entstehen. Bei E-Rollern ist die Gefahr zudem besonders gering. Ihre Akkus erzeugen so gut wie keine Wärme. Sie fahren im Vergleich zu Elektroautos mit wesentlich geringerer Stromstärke. Beim Chevrolet Volt liegt sie bei durchschnittlich 300 A, bei E-Rollern bei 16 A.

Mythos 3: Das Laden ist wahnsinnig kompliziert

Ein Horrorszenario – Akku leer und keine Ladestation in Sicht. Dieser Fall ist jedoch unwahrscheinlich: Fahrer müssen mit dem Ansteuern einer Ladesäule nicht warten, bis die Akkuanzeige im roten Bereich liegt. Batterien von E-Fahrzeugen haben keinen Memory-Effekt: Ihre Ladekapazität sinkt nicht, wenn sie mit Restladung an die Steckdose kommen.

So einfach kann Laden sein: die meisten Zweiräder wie der Elektroroller Govecs GO! S2.4 können über die haushaltübliche Steckdose geladen werden (Bild: Govecs)
So einfach kann Laden sein: die meisten Zweiräder wie der Elektroroller Govecs GO! S2.4 können über die haushaltübliche Steckdose geladen werden (Bild: Govecs)
Das zwischenzeitliche Aufladen ist bei den Stromern nicht nur erlaubt, sondern explizit erwünscht. Ein Batterie-Management-Systems bewahrt den geladenen Akku vor Schäden: Es kontrolliert und überwacht die einzelnen Zellen, die somit geschützt und ausbalanciert werden. Aufladezeiten von bis zu fünf Stunden sind vor Ort zudem kein Muss. Moderne Ladesäulen verfügen über eine Schnellladefunktion. Damit ist der Fahrzeug-Akku bereits nach weniger als einer Stunde wieder einsatzbereit. Das Aufsuchen einer Ladestation ist darüber hinaus keine Notwendigkeit: Den meisten Zweirädern reicht auch eine haushaltübliche 230-V-Steckdose zum Aufladen.

Mythos 4: Die Akkus haben eine viel zu kurze Lebensdauer

Batteriemanagement an Bord: Es schützt die Lithium-Ionen-Akkus und sorgt dafür, dass die maximale Anzahl an Ladezyklen erreicht werden (Bild: Sensor-Technik Wiedemann)
Batteriemanagement an Bord: Es schützt die Lithium-Ionen-Akkus und sorgt dafür, dass die maximale Anzahl an Ladezyklen erreicht werden (Bild: Sensor-Technik Wiedemann)
Der Akku ist derzeit noch das teuerste Element im Elektrofahrzeug, die Lebensdauer begrenzt. Es ist jedoch ein Irrglauben anzunehmen, dass die Batterien bereits nach kurzer Dauer auszuwechseln sind. Vielmehr gelten beispielsweise bei modernen Lithium-Batterien rund 700 bis 1500 Ladezyklen als realistisch. Bei einer Reichweite von 100 km ergibt dies für Elektroroller eine Lebensdauer von circa 100.000 km. Um die kostbaren Lithium-Batterien zu schützen und die maximale Anzahl an Ladezyklen zu erreichen, ist ein modernes und qualitativ hochwertiges Batterie-Management-System ein Muss. Beim Kauf eines gebrauchten Batteriepacks oder Rollers gibt es Sicherheit über den Zustand des Akkus.

Mythos 5: Der CO2-Ausstoss von Elektromobilen ist auch zu hoch

„Elektrofahrzeuge sind nicht umweltfreundlich“ – diese Aussage führt zu Verwirrung. Tatsache ist und bleibt: die Stromer fahren vor Ort emissionsfrei. Zu einem CO2-Ausstoß kommt es an einer anderen Stelle. Die Menge der CO2-Emissionen ist abhängig vom jeweiligen Strom-Energiemix der einzelnen Länder. In Deutschland kommt zwar ein Großteil aus Kohlekraftwerken. Doch mit der Erhöhung des Anteils nachhaltig erzeugter Energie wird auch der CO2-Ausstoß der Elektromobile sinken.

Mit der Erhöhung des Anteils nachhaltig erzeugter Energie wird auch der CO2-Ausstoß der Elektromobile sinken (Bild: Siemens)
Mit der Erhöhung des Anteils nachhaltig erzeugter Energie wird auch der CO2-Ausstoß der Elektromobile sinken (Bild: Siemens)
Wer sein E-Fahrzeug an der heimischen Steckdose auflädt, hat am meisten Einfluss auf die Herkunft des verwendeten Stroms. Er kann den Anbieter bestimmen und sich für Elektrizität aus erneuerbarer Energie entscheiden. Doch auch bei Nutzung des heutigen deutschen Strommixes mit einem Ökostrom-Anteil von rund 20% ist der CO2-Ausstoß bei Elektrofahrzeugen geringer als bei einem vergleichbaren Benzinfahrzeug. So verursacht beispielsweise ein Govecs-Elektroroller pro 1000 km rund 24 kg an CO2, ein Zweitakt-Motorroller hingegen etwa 95 kg. Mit Strom aus nachhaltigen Energiequellen liegt die E-Variante dementsprechend bei 0 kg.

(nach Unterlagen von Govecs)

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:32705170)