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Bildungspolitik

Fünf Milliarden Euro für Digitalisierung in der Schule

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Lehrerverbandspräsident kritisiert den Vorschlag

Wankas Vorstoß findet ein geteiltes Echo. Josef Kraus, der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, äußerte sich kritisch. In einem Interview mit dem NDR sagte Kraus, er gehe davon aus, dass die Mehrzahl der Bundesländer, wenn nicht sogar alle, den Plan ablehnen würden.

Kraus betonte in dem NDR-Interview: „Man muss zur Kenntnis nehmen, dass es bislang keine einzige belastbare Studie gibt, die nachweist, dass Schüler digital besser lernen.“ Die Pisa-Studien zeigten zum Beispiel, dass Länder mit digital ausgestatteten Schulen keineswegs besser abschnitten.

Zudem bleibe von den fünf Milliarden Euro für jede einzelne Schule nur wenig mehr als 100.000 Euro, was nicht ausreichend sei. Kraus befürchtet auch, dass die Schüler durch die Digitalisierung noch mehr dazu neigten, sich lediglich „Häppchen-Wissen“ anzueignen.

Der Vizevorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Hubertus Heil, begrüßte den Vorschlag Wankas im Grundsatz, wies aber auf die baulichen Mängel hin, die derzeit an vielen Schulen zu beklagen seien: „Wenn jede zweite Schule in Deutschland sanierungsbedürftig ist, reichen wenige Tablets und WLAN-Anschlüsse nicht aus“, so der SPD-Fraktionsvize in einer Stellungnahme.

Weitaus positiver reagierte die Präsidentin des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrer-Verbandes (BLLV), Simone Fleischmann: „Wenn bis zum Jahr 2021 fünf Milliarden Euro für die digitale Ausstattung von Schulen in Hand genommen werden, ist das ein deutliches, wenn auch überfälliges Signal in die richtige Richtung. Computer und WLAN gehören an alle Schulen. Das hat der BLLV erst vor wenigen Tagen bei seinem Kongress ‚Digitalisierung und Schule‘ in Augsburg gefordert.“

Fleischmann forderte ergänzend ein ganzheitliches Konzept für digitale Bildung, unter anderem auch Reformen in der Lehrerbildung: „Das heißt: Kompetenzerwerb während des Studiums, ein vertiefter Ausbau im Referendariat und ein stetiges Programm in der Lehrerfortbildung und Weiterbildung.“ Die Lehrer bräuchten auch die Unterstützung von IT-Experten an der Schule vor Ort. Die BLLV-Präsidentin äußerte sich abschließend gespannt, wie Bayern an die Umsetzung der Initiative gehe.

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