Europartners Consultants Fünf Expertentipps, wie Distributoren die Wirtschaftskrise meistern können

Redakteur: Margit Kuther

Tipps, wie Distributoren die weltweite Finanzmisere überbrücken können, gibt es zuhauf. Doch die wenigsten sind tatsächlich hilfreich. Die ELEKTRONIKPRAXIS hat zu diesem Thema Ingo Gürtler befragt. Der Spezialist in Sachen Distribution ist Senior Partner & Business Analyst bei Europartners Consultants, einem Team von internationalen Unternehmensberatern.

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Ingo Gürtler „Je höher die Eigenkapitalquote eines Unternehmens, umso höher ist dessen finanzielle Stabilität“
Ingo Gürtler „Je höher die Eigenkapitalquote eines Unternehmens, umso höher ist dessen finanzielle Stabilität“
( Archiv: Vogel Business Media )

Eine wichtige Kennzahl, wie liquide ein Unternehmen ist, ist die Eigenkapitalquote. Diese gibt das Verhältnis des Eigenkapitals an der bereinigten Bilanzsumme eines Unternehmens an. Je höher die Eigenkapitalquote, umso höher ist die finanzielle Stabilität des Unternehmens und die Unabhängigkeit gegenüber Fremdkapitalgebern. Banken bewerten daher die Bonität eines Unternehmens bei hoher Eigenkapitalquote höher als bei Unternehmen mit niedriger Eigenkapitalquote. Die Bonität ist wiederum ausschlaggebend bei der Kreditvergabe. Je positiver das Rating bei den Banken, desto leichter wird die Zusage zu einem Kredit erfolgen.

Untersuchungen von Europartners Consultants bei rund 200 deutschen Distributions-Unternehmen haben ergeben, dass der Durchschnitt der Eigenkapitalquote bei 23% liegt. Viele Unternehmen haben allerdings Eigenkapitalquoten weit unter 10%. Bei diesen Unternehmen ist dringend Handlungsbedarf angesagt. Denn eventuelle weitere Umsatzeinbrüche lassen das noch vorhandene Eigenkapital rasch schmelzen.

Die Kundenbindung fördern und das Potenzial der Mitarbeiter ausschöpfen

Unternehmen gehören jetzt in der Wirtschaftsflaute auf den Prüfstand. Dabei sollten folgende Fragen geklärt werden: Ist der Betrieb in der aktuellen Struktur noch wettbewerbsfähig? Wie steht es um das Customer Relationship Management, also die Pflege sowie die Kontrolle von langfristigen profitablen Kundenbeziehungen? Dazu gehören nicht nur die persönlichen Kontakte einzelner Mitarbeiter zu einem Kunden, denn die sind vergänglich. Entscheidend ist das Verhältnis des gesamten Unternehmens zu einem Kunden und die Einführung bzw. Pflege entsprechender Tools. Zudem sollte geklärt werden, ob das Potenzial der Mitarbeiter voll genutzt wird.

Für neue Anforderungen in der Zukunft gewappnet sein

Bei der Bewertung des Unternehmens darf der Blick auf die globalen Märkte nicht vergessen werden. Es ist zu klären, ob das Unternehmen neue Anforderungen nach der Krise bewältigen kann. Verarbeitende Unternehmen in Deutschland und in Europa müssen weiter sparen, um konkurrenzfähig auf dem Kontinent produzieren zu können. Und Distributoren werden in den nächsten Jahren mehr bieten müssen, als Bauelemente in der richtigen Verpackungseinheit, zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Größenordung anzuliefern. Kunden werden verstärkt die Entwicklung vollständiger Systeme bis zur Produktion von Prototypen und Kleinserien auslagern, wie das heute schon bei Embedded-Systemen erfolgt. Dabei ist es wichtig, dass ein Distributor auf eine Vielzahl von Herstellern zurückgreifen kann; und zwar auch auf diejenigen, deren Produkte er nicht im aktuellen Portfolio hat. Technisches Wissen wird in der Distribution wieder an Bedeutung gewinnen.

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